Biometrische Erfassung der Seele

Über den biometrischen Reisepass regt sich ja inzwischen kaum einer mehr auf. Es ist eben so, man muss sich eindeutig zu erkennen geben, basta. Aber was nutzt einem engagierten Überwachungsstaat so ein Fingerabdruck im Reisepass, wenn er nicht ständig Fingerabdruck und Mensch abgleicht? Einzig bei der Einreise in das Land unserer terrorparanoiden amerikanischen Freunde wird verlässlich gearbeitet.

Als ich bei der Lektüre des Kackblogs auf die Erfindung des Designers Tomomi Sayuda stieß, wurde mir sofort klar, dass sich dieses Sitzmöbel perfekt zur biometrischen Überwachung einsetzen ließe, denn jeder setzt sich irgendwann mal hin. In Warteräumen von Einwohnermeldeämtern, Rathäusern und Standesämtern …

Mit Wolfgang Schäuble haben wir einen Innenminister, der nicht nur ein großer Freund der Bürgerüberwachung und Biometrie, sondern auch ein Spezialist für „ständig auf dem Arsch sitzen“, ist.

Gemäss dem Leitsatz von Tomomi Sayuda

The arse is the window of the soul.

empfehle ich  ihm, ab sofort nicht nur die Identität der Bürger zu erfassen, sondern auch ihre Seele.

Sage mir, was du suchst und ich sage dir, wer du bist

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Voller Durchblick – oder nur eine Fliege unterm Mikroskop?

Lawrence Summers, der ehemalige amerikanische Finanzminister und heutige Nationale Wirtschaftsberater von Barak Obama, will das moderne Gegenstück zum delphischen Orakel entdeckt haben: Google. Summers hat herausgefunden, dass im Frühjahr 2009 besonders häufig der Suchbegriff „Great Depression“ eingegeben worden ist, inzwischen aber kaum noch. Für ihn ist das ein eindeutiger Wirtschaftsindikator und Beweis dafür, dass die Wirtschaftskrise vorbei ist.

Nun ist Summers nicht der erste, der Suchanfragen als Mittel der Marktforschung benützt. Google selbst betreibt eine Seite namens „Google Zeitgeist“ mit Trendauswertungen und einer Liste der „Top 100“-Suchbegriffe. Die so genannten Trends sind allerdings äußerst kurzlebig. Als ich heute morgen nachschaute, lag ein gewisser Casey Kotchman auf Platz eins, weil er von der Baseballmannschaft von Atlanta nach Boston zu den Red Sox wechselt. Ob morgen noch ein Hahn nach ihm kräht, ist eher zweifelhaft, aber wie sagte doch Andy Warhol, jeder wird einmal für 15 Minuten berühmt sein.

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Die digitale Entschleierung

Interessante Frage: Darf man jemanden, der anonym twittert, outen? Aktuell wird das gerade bei einem ziemlich heftigen Kommentar-Krieg der sich rund um das angeküdigte Video-Weinportal „TVino“ des Hamburger Weinverkosters Hendrik Thoma entzündet hat. Es handelt sich nämlich ganz offensichtlich um eine PR- und Marketingmaßnahme des mächtigen Hanseatischen Weinhandelskontors HAWESKO, was aber in den Pressemitteilungen zu einer „Zusammenarbeit“ mit Thoma verniedlicht wird.

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Ohne IT-Verantwortung kein Datenschutz

gebrannte-dvd1Ist Datenschutz eigentlich CIO-Sache? Manchmal ist sie es zwar per Definition, weil der IT-Chef auch gleich zum Datenschutz-Chef erkoren wurde (weil es kein anderer machen wollte) , aber moralisch fühlt er sich meistens nicht zuständig. Natürlich sind die Datenschutzskandale bei Bahn, Telekom oder Schlecker und co. völlig ohne Zutun der IT entstanden. Dass Daten unautorisiert erhoben, für missbräuchliche Auswertungen herangezogen werden oder in falsche Hände geraten, liegt meistens nicht an der internen IT. Allerdings geht es auch nicht ohne sie. Es hat überhaupt keinen Sinn, Mitarbeiter nach dem Grund für ihr Krankfeiern zu fragen, wenn das Unternehmen die Antworten nicht speichert und auswertbar macht. Also lässt sich mit Fug und Recht behaupten: Jeder Missbrauch von Daten wird erst durch die IT und die Leute möglich, die Systeme und Applikationen zur Verfügung stellen und dafür verantwortlich sind. Weiterlesen

Wo bin ich, wenn ich in der Wolke bin?

Neulich auf einem Presse-Briefing zum Thema „Cloud Computing“ mit Stefan Jetter, dem Deutschlandchef von IBM, stand ein älterer Kollege auf und stellte eine ziemlich unerwartete Frage. „Wo sind denn meine Daten, wenn sie in der Wolke verschwinden?“, wollte er wissen. Jetter stutzte. Der Kollege hakte nach: „Ich meine, rein physikalisch: Wo sind sie?“

Nun, die Antwort lautet natürlich: Auf irgendeinem namenlosen Server in Ohio oder Dublin oder… Das heißt, eigentlich lautet die häufigste Antwort: „Ist doch egal!“

Nun, dem deutschen Datenschutz ist es zum Beispiel überhaupt nicht egal. Wer persönliche Daten über Staatsgrenzen hinweg verschiebt, macht sich unter Umständen strafbar. Und die EU Datenschutzrichtlinie EU Datenschutzrichtlinie (offiziell die Richtlinie 95/46/EC über den Schutz des Einzelnen in Bezug auf das Verarbeiten persönlicher Daten und der freie Fluß solcher Daten) schreibt zwingend vor, dass persönliche Daten nur in Drittstaaten (also Staaten außerhalb der Europäischen Union) transferiert werden dürfen, wenndieses Land einen ausreichenen Datenschutz garantieren kann. Damit scheiden die USA schon mal aus, um nur ein Beispiel zu nennen. Erstens erfüllen sie nicht die europäischen Standards und zweitens verweigern sie Ausländern den Schutz der „US Privacy Act“ von 1974.

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Gibt es ein Menschenrecht auf Internet?

Am Freitag wird das schwedische Bezirksgericht in Stockholm, das im Fall des Bittorrent-Netzwerks „The Priate Bay“ zu entscheiden hat, im Namen des Volkes sagen, ob der Tausch von Musikstücken legal ist oder nicht. Aus diesem Anlass ist gerade in den USA wieder eine heftige Diskussion über die Frage ausgebrochen, welches Recht im Cyberspace zu gelten hat sowie darüber, wie der alte Schlachtruf der Online-Libertinäre auszulegen ist, wonach Information frei und damit auch umsonst zu sein hat. Dahinter steht meines Erachtens eine viel weiterreichende Frage, nämlich die, ob die Sperrung des Zugriffs auf Informationen eine Verletzung des Menschenrechts darstellt.

Nachdem im vergangenen Jahr das Bundesverfassungsgericht in einer aufsehenerregenden Entscheidung ein „Computer-Grundrecht“ (siehe www.cole.de,  „Fünf Fragen an die Richter„) definiert hat, wäre ein „Grundrecht auf Internet-Zugang“ eigentlich nur ein logischer nächste Schritt. Damit wären Vorhaben wie etwa das der französischen Regierung, die Provider zu zwingen, ihren Kunden die Leitung zu kappen, wenn sie dreimal wegen Online-Piraterie erwischt werden,  aber klar verfassungsfeindlich. Und aus dem gleichen Rechtsprinzip heraus ließen sich gezielte Sperren einzelner Inhalte im Netz, etwa die von Nazis oder Päderasten, ebenfalls aus formaljuristischen Gründen zurückweisen.

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Czsylansky Tee Vau gegen Zensur im Net

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Trotz des massiven Einsatzes von Czyslansky-Jüngern an der TV-Front hält Familienministerin Ursula von der Leyen  an ihrem unsinnigen und gefährlichen Plan fest, die Zensur in Deutschland wieder einzuführen.

Gestern rief der Bonner TV-Sender Phoenix plötzlich an, ob ich als Internet-Fachmann etwas zur Sperrung von Websites mit kinderpornografischen Inhalten sagen würde. Ich rief daraufhin meinen Freund und Mit-Czsylansky Sebastian von Bomhard von Spacenet an, der als einer der betroffenen Internet-Provider bekanntlich strikt gegen einen solchen staatlichen Willkürakt ist (siehe „Zensur in Deutschland„), um mit ihm ein paar Zitate abzustimmen. Er war aber auf dem Sprung: „Ich muss zu RTL, die wollen mich in der Sendung haben.“

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Big Brother Goes GPS!


Familienidylle zum Gruseln: Werbung für den „Pocketfinder“ im US-Fernsehen

Im amerikanischen Fernsehen kommt abends manchmal gegen 22 Uhr ein kleiner Werbefilm, der sich an Eltern von Jugendlichen richtet und in dem ein Ansager mit besorgter Stimme fragt: „Es ist zehn Uhr abends – wissen Sie eigentlich, wo Ihre Kinder sind?“ In Zukunft werden Mutti oder Vati lächelnd antworten: „Ja, und zwar bis auf neun Meter genau!“

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Willkommen Dr. Meg, oder: Brauchen Kids eine Web-Aufsicht?

Im Social Web gibt es bekanntlich kaum noch echte Tabus. Da fallen bei Facebook oder MySpace auch die letzten Hüllen, brüsten sich Jugendliche ihrer letzten Saufgelagen oder outen sich schon fast nebenbei als Schwul, Bi, Hetero oder Autoerotiker. Das ist alles ganz lustig und beweist angeblich, dass es im Internet-Zeitalter aufgeklärter und neurosenfreier zugeht als früher. Oder auch nicht, aber das wäre vielleicht Thema eines anderen Blogbeitrags.

Hier geht es um die vielleicht etwas moralinsaure Frage: Dürfen Eltern und andere Aufsichtspersonen wie Lehrer oder Erzieher eigentlich die Profile ihrer minderjährigen Schutzbefohlenen in den verschiedenen sozialen Netzwerken überwachen und notfalls korrigierend eingereifen? Müssen sie das nicht vielleicht sogar tun, wenn sie sich nicht dem Vorwurf der Verletzung der Aufsichtspflicht aussetzen wollen?

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