Klauen… umbauen.. verkaufen. Hehlerei?

Die Wut ist groß im Zwitscherland. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn nun hat nach Ansicht zahlreicher deutscher Zwitscherer Alex Bitschnau den Bogen überspannt. Und das bei weitem.
Vor Jahr und Tag hatte Bitschnau die famose Idee, eine Facebook-Fanpage einzurichten und unter dem Namen „Made My Day“ tagtäglich lustige, witzige und geistreiche Sinnsprüche zu veröffentlichen. Das ist nun nicht nach Jedermanns Geschmack, aber immerhin gefällt es mittlerweile über 2 Mio. Leuten, die Fans dieser Seite lassen und sich nun täglich von Bitschnau ein kurzes Lächeln ins Gesicht zaubern, wenn auf ihrer Pinnwand wieder eines seiner Bonmots erscheint.

Seiner Bonmots?

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25 Jahre WWW (II): Vom Hypertext zum Author Rank. Oder: Wie Microsoft vor 25 Jahren beinahe das World Wide Web erfunden hätte und warum Google es bis heute nicht versteht.

Bill Gates

Der Beinahe-Erfinder des Internet

Vor beinahe drei Jahren habe ich in einem kleinen Beitrag in der F.A.Z.  auf einen Artikel der beiden Microsoft Vor-Denker Bill Gates und Nathan Myhrvold über das Prinzip Hypertext hingewiesen. Deren Artikel wurde von mir vor genau 25 Jahren – also im März 1989 – für die Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft aus dem Amerikanischen übersetzt. So formulierten Gates und Myhrvold die Logik des Internet ausgerechnet im selben Monat, in dem Tim Berners-Lee im CERN sein Internet-Projekt vorstellte (siehe hierzu den Beitrag meines Czyslansky-Bruders Tim Cole hier im Blog).

Gates und Myhrvold schrieben vor 25 Jahren:
„Heutige Programme behandeln Dokumente als Dateien, die sich auf einer Computerdiskette befinden. Solche Dateien unterscheiden sich im Prinzip nicht wesentlich von einem Stück Papier oder gar von einer Papyrusrolle: Eine Textzeile folgt auf die andere. Dagegen stellt ein Programm für Koproduktionen mehrerer Autoren ein Dokument als komplizierte Datenstruktur dar, in der einzelne Textbrocken zu einem komplizierten Netz miteinander verflochten sind. Ein solches Dokument bezeichnet man als Hypertext.“

Gates und Myhrvold bezogen ihre Idee vom vernetzten Arbeiten lediglich auf die Struktur von Textdokumenten, die ihren sequentiellen Aufbau zu Gunsten einer dreidimensionalen Struktur überwinden.

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Ganz legale Piraterie


Dieses Bild hätte mich bis gestern locker 1200 Euro kosten können. Es stammt aus der berühmtesten Bilddatenbank der Welt, nämlich von Getty Images, und die fackeln nicht lange, wenn sie irgendwo ein Foto sehen, das von einem ihrer Lichtbildhauer stammt und für das keine Linzenzgebühr bezahlt worden ist.

Bis gestern, wie gesagt. Da hat Getty eingesehen, dass es keinen Sinn mehr macht, jeden kleinen Blogger auf der Welt mit Anwalt und Abmahnung zu verfolgen. Im Angelsächsischen haben wir ein schönes und sehr weises Sprichwort: „If you can’t beat them, join them“. Übersetzt heißt das so viel wie: Wenn du sie eh nicht besiegen kannst, dann schließe dich ihnen an. Die Abmahnerei hat Getty ganz schön Arbeit gekostet und sie nebenbei in Bloggerkreisen zu einem der meistgehassten Markennamen der Welt gemacht. Weiterlesen

So sieht die Zukunft im Verlagsgeschäft aus!

Das ist Fortschritt!

Das ist Fortschritt!

Sie haben es uns angedroht. Sie haben es durchs Parlament gepeitscht. Und jetzt machen sie Ernst damit: Das so genannte Leistungsschutzrecht in Deutschland hat bei mir zum ersten Mal zugeschlagen. Als ich in einem Blogpost einen Link auf einen Artikel in der FAZ am Sonntag setzen wollte und es vorsichtshalber ausprobiert habe, erschien das obige Bild.

Es ist also wahr geworden, wovor unser Mit-Czyslansky Sebastian von Bomhard in einer ganzen Serie von Beiträgen gewarnt hat, nämlich der Wahnsinn, der das Zeitungssterben stoppen sollte und es in Wirklichkeit nur beschleunigen wird. Und ausgerechnet diejenigen, die für sich am lautesten das Recht auf Meinungs- und Ausdrucksfreiheit reklamieren, machen hier den Vorreiter. Pest und Cholera sollen sie holen, diese verlogenen „Qualitätsjournalisten“ und ihre ebenso ahnungslosen wie unfähigen Verlagsfutzis.

Den Gipfel des Zynismus haben sie aber mit dem Namen des Absenders erreicht: „Zentrum für digitalen Fortschritt“. Schöner hätte es George Orwell auch nicht formulieren können. Wenn das Fortschritt ist, möchte ich bitte zurück ins Mittelalter. Oder in die Steinzeit…

 

Der Journalist als Auslaufmodell

Der Mensch im Zeitalter von Vernetzung und digitaler Beschleunigung hat mehr Information zu Verfügung als je zuvor – zu viel, wie Kulturpessimisten vom Schlage eines Frank Schirrmacher behaupten. Das Bild einer riesigen Tsunamiwelle aus Bits und Bytes, die uns alle zu überfluten droht, ist zum gängigen Klischee geworden, das vor allem von denjenigen beschworen wird, die bisher selbst gewohnt waren, an den Schleusentoren zu stehen und zu regulieren, welche Informationen letztlich bis zum “Konsumenten” der Information gelangten. Mit Floskeln wie “Qualitätsjournalismus” oder “Sorgfaltspflicht” haben die Nachrichten-Jäger und -Sammler selbst, vor allem aber diejenigen, die sie bezahlt haben – die Bosse in den Verlagen, Medienhäusern und Fernsehsendern – die angeblich so wichtige Funktion der Vorselektion und Interpretation der Ereignisse durch für eigens dafür ausgebildete und deshalb angeblich besonders kompetente “Informations-Profis” besungen. Wie die delphischen Orakel von einst sollen ihrer Meinung nach nur Eingeweihte in der Lage sein, aus dem wirren Geflecht von Fakten die allein seligmachende Wahrheit zu extrahieren, die sie dann bedeutungsschwanger auf den Leitartikelseiten oder mit sonorer Stimme in den “Tagesthemen” dem ungebildeten Volk verkünden.

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Seid nett zu Fotografen – von Bildrechten und Bildlizenzen. Ein Gespräch mit dem Photocase-Grafiker Karsten Jipp

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“. Diesen schlauen Spruch kennen wir alle längst auswendig. Etwas poetischer hat es seinerzeit der alte Goethe formuliert:

Goethe – kopiert

„Dummes Zeug kann man viel reden,
Kann es auch schreiben,
wird weder Leib noch Seele töten,
es wird alles beim alten bleiben.
Dummes aber vor’s Aug gestellt
hat ein magisches Recht.
Weil es die Sinne gefesselt hält
wird der Geist ein Knecht.“

Bilder haben ein „magisches Recht“: sie sind emotional, vermeintlich wahr, interpretationsbedürftig und damit vielseitig für unterschiedlichste Zielgruppen offen. Sie erschließen deshalb aber auch komplexe Zusammenhänge schneller und besser als jeder Text. Facebook-Nachrichten mit Bild erhalten mehr als doppelt so viele „Likes“, wie reine Textnachrichten. Und nicht zuletzt: Google liebt Bilder! Kein Wunder, dass wir alle ständig auf der Suche nach Illustrationen sind, nach Bildern für unsere sozialen Kanäle und unsere Websites.

Allein: nur selten gehören einem die besten Bilder. Und Bildrechte kosten Geld. Wer heute auf Bildersuche im Internet geht, der findet hunderte Kopien guter Bilder von bekannten und weniger bekannten Fotografen, von Bildagenturen und Medien. Dabei wurden nur selten die Rechte am Bild von den Seitenbetreibern erworben. Und das kann nicht nur teuer werden – Stichwort: Abmahnung – das ist auch unfair gegenüber jenen, die von der Erstellung dieser Bilder leben wollen (und leben können sollen).

Dabei ist eine faire Kooperation mit Bildermachern heute einfacher denn je: Stock-Dienste wie http://deutsch.istockphoto.com oder https://www.photocase.de bieten tausende Fotografien übersichtlich und zugleich preiswert in zumeist hervorragender Qualität an. Ich selbst nutze vor allem Photocase seit vielen Jahren zur Illustration meiner Blog-Beiträge auf http://www.vibrio.eu/blog und http://www.czyslansky.net und für meine Präsentationen und Vorträge.

Bei Durchsicht meiner Downloads ist mir ein Fotograf aufgefallen, dessen Bilder besonders häufig meine Aufmerksamkeit erregt haben, und dessen wunderbare Illustrationen ich schon häufig genutzt – und legal erworben – habe: kallejipp, bürgerlich: Karsten Jipp, Grafikdesigner aus Berlin.

Ich konnte Karsten Jipp ein paar Fragen zu seinen Erfahrungen mit Photocase, aber auch mit „fairen“ und „unfairen“ Anhängern seiner Bilder stellen:

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Mythos #10: Wenigstens hilft das Leistungsschutzrecht den Verlagen

Dass das Leistungsschutzrecht in der vorliegenden Form weder gerechtfertigt noch unschädlich ist, wissen wir inzwischen. Nicht nur Bürgerrechtler, Piraten, Juristen und andere Internetaktivisten warnen vor den äußerst unschönen Nebenwirkungen eines solchen Gesetzes, das, sollte es denn kommen, das Internet verändern würde. Darüber kann auch die Beschränkung der Schutzgelderpressung auf „gewerbliche Nutzung“ auch nicht hinwegtäuschen. So wie es im Entwurf steht, ist man bereits gewerblich, wenn man einen Sponsorenlink auf der Seite hat oder Flattr einbindet. Oder wenn man sich auf einem Feld äußert, auf dem man selbst tätig ist, sei es als Geschäftsmann, als Journalist, als Sachverständiger. Sicher ist also nur der, dem man ansieht, daß er unprofessionell seinen Senf zugibt und kaum Leser hat.

Wechseln wir vielleicht dennoch den Blickwinkel. Nehmen wir an, wir sind die Verleger. Das Leistungsschutzrecht kommt. Wir trinken Champagner. Den ganzen Abend über. Am nächsten Morgen – wir sind noch verkatert – kommt unser SEO Manager zu uns ins Büro. Das ist der Mann, der dafür zuständig ist, daß unsere Seiten im Internet gefunden werden. Nachdem sich Google mit uns noch nicht über einen Einkaufspreis geeinigt hat, mußten sie uns wohl aus dem Newsangebot nehmen. So war das nicht geplant. Zwanzig Minuten später kommt der Mitarbeiter, der die Werbung auf unseren Onlineseiten koordiniert. Er sieht beunruhigt aus – die neuen IVW-Zahlen sind katastrophal (IVW=“Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern“).

Nach einer Stunde steht der Finanzchef bei uns auf der Matte. Weiterlesen

Mythos #9: Das Leistungsschutzrecht verhilft den Verlagen zu ihrem gerechten Anteil am Kuchen

 

Es gibt einen Kuchen, jemand hat ihn gebacken, und nun will jemand anderes davon ein Stück haben, ein möglichst großes natürlich. Und ganz im Gegensatz zur Diskussion um geistiges Eigentum geht es hier um ganz konkrete Dinge. Kuchenstücke eben. Anteile an Geld.

Presse sieht heute so aus: Eine Zeitung bezahlt einen Reporter für die Beschaffung von Inhalten, oder, noch typischer, sie bezahlt einen Dienst mit der Lieferung von Texten, die mehr oder weniger bearbeitet ihren Weg in die Druck- und Online-Ausgaben finden.

Die Online-Ausgaben wiederum werden von Softwarerobotern durchforstet und ihrerseits von sogenannten Newsaggregatoren wie beispielsweise Google dem Publikum zur Verfügung gestellt. Alles sauber mit Quellenangabe – es soll nicht der Eindruck erweckt werden, Google würde die Texte erstellen.

Bis jetzt ist alles prima. Weiterlesen

Mythos #8: Alles, was von Komponisten geschaffen wird, muss geschützt werden

Der Begriff „Komponist“ ist sehr weit gespannt. Wovon leben klassische Komponisten? Urheberrecht hin oder her, die können von der Musik ohnehin nur leben, indem sie wohlbestallte Professoren an Musikhochschulen sind oder Virtuosen oder beides. Dann gibt es die modernen Komponisten, die man auch nicht direkt der Pop- oder Rockmusik zuordnen würde. Manche sind nur Spezialisten bekannt, dabei kennt jeder ihre Melodien. John Barry zum Beispiel, der am 30. Januar 2011 gestorben ist. Von ihm stammt das Thema zu „James Bond“, aber nicht nur das: Mehr als die Hälfte, nämlich zwölf der ersten 22 Bond-Filme nennen ihn bei den Komponisten der jeweiligen Titelmelodie. „A ViewTo A Kill“ zum Beispiel, gespielt von Duran Duran. „The Living Daylights“, aufgeführt von a-Ha. Ähnlich erfolgreich und vielleicht noch bekannter sind Filmkomponisten wie Ennio Morricone („Once Upon a Time in the West“ (Spiel mir das Lied vom Tod), „Once Upon A Time In America“), Vangelis Papathanassiou (Bladerunner, 1492 –  Conquest of Paradise), Henry Mancini (Breakfast at Tiffany’s, The Pink Panther), Harald Faltermayer (Beverley Hills Cop, Feuer und Eis), die Liste ist nicht vollständig. Alle hatten auch schon mal ein Stück, das es in die Charts geschafft hat, aber das beschreibt die Kraft ihrer Werke nur unvollständig – ein Großteil der Klassiker der letzten hundert Jahre stammt aus ihrer Feder, wobei das Werk meist bekannter ist als der Schöpfer.

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Mythos #7: Der Streit ums Urheberrecht ist ein Internet-Problem

Der Streit ums Urheberrecht, seine Wahrung und seine Verletzung ist keine Begleiterscheinung des digitalen Zeitalters und nicht erst seit der weltweiten Nutzung des Internets eines der Topthemen.
Die Nutzung – und die Ausbeutung – des geistigen, gestalterischen und künstlerischen Eigentums anderer ist so alt wie die Menschheitsgeschichte insgesamt.
Mal gefordert und gefördert, mal verdammt und verurteilt eine Gesellschaft das Kopieren berühmter Kunstwekre, das Abschreiben von Büchern, das Aufgreifen antiker Mythen und Erzählungen. Die gesamte Kunst-, Musik- und Literaturgeschichte liefert in Hülle und Fülle Beispiele von Refrenzen, Reminissenzen, Bezügen, Anspielungen auf und/oder Plagiaten anderer Werke.
Das war schon in der Antike so.

Nun ist es müßig, darüber nachzudenken, ob die literarische Neufassung eines Faust-Motivs eine Urheberrechtsverletzung darstellt oder nicht.
Weniger müßig ist es aber, in diesem Zusammenhang eine ganz andere Verletzung des Urheberrechts als Beispiel zu bemühen, die zwar offiziell geächtet, de facto aber von weiten Teilen der Bevölkerung toliert und sogar mitgetragen wird: Weiterlesen