Geheimnisvoller Kampfstern

Virales Marketing ist zwar der letzte Schrei, aber im Grunde doch ein alter Hut. Es geht darum, Endverbraucher – vulgo: User – dazu zu bringen, Werbebotschaften eines Anbieters als eigene Empfehlung auszugeben oder, besser, selbstgebastelte Werbebotschaften zu produzieren. „User-generated content“ ist sozusagen die Königsdisziplin dieser noch jungen Branche. Dass dabei gelegentlich von Anbieterseite aus nachgeholfen wird, ist ein offenes Geheimnis. „Seeding“ nennt man das, wenn nämlich die Firma scheinbar von Usern generierte Inhalte so geschickt bei Bloggern oder auf YouTube platzieren, dass alle glauben, sie seien wirklich von Unbeteiligten gemacht, was natürlich die Glaubwürdigkeit immens erhöht.

Ich hatte gestern Abend Gelegenheit, mal hinter die Kulissen dieses noch ziemlich jungen und vor allen ziemlich undurchschaubaren Ablegers der Werbebranche zu blicken. Anlass war ein Vortrag von Dominik Kuhn, dem ungekrönten König des viralen Marketing. Sie kennen Kuhn vielleicht nicht, aber garantiert haben Sie schon einen Link auf seinen berühmtesten viralen Werbefilm, „Todesstern Stuttgart“, irgendwann einmal von einem Bekannten zugemailt bekommen. Es handelt sich um einen Clip aus „Star Wars“, wo ein Kriegsrat des Galaktischen Imperiums in eine fiktive Vorstandssitzung eines schwäbischen Unternehmens verwandelt wird.

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Das Internet hat gewonnen!

Barack Obama / DC Examiner
Quelle: The DC Examiner

Der Sieg Barack Obamas ist auch ein Sieg des Internet.

Während Politologen und Wahlstrategen noch monate- oder jahrelang darüber debattieren werden, wie es der schlacksige Nobody mit den abstehenden Ohren geschafft hat, sich in kürzester Zeit bis zum wohl mächtigsten Mann der Welt empor zu boxen, ist eines klar: Ohne die Macht der Neuen Medien wäre er niemals so weit gekommen.

Obama und seine Berater sind vielleicht die ersten echten Vertreter einer ganz neuen Politikergeneration die verstanden hat, dass Politik in Zukunft nicht mehr von oben nach unten, sondern von unten nach oben funktionieren wird. Ja, es gab schon lange den Begriff „Graswurzelbewegung“, aber das war ungefähr so ehrlich gemeint wie die Floskel „König Kunde“. In Wahrheit haben die Politiker dem Bürger gesagt, was er zu wollen hat. Dafür bekommen ja bei uns jetzt insbesondere die SPD-Oberen ganz deutlich die Quittung. Man stelle sich vor, Frau Ypsilanti hätte ihre Parteibasis erst mal online diskutieren lassen, bevor sie sich auf das Abenteuer mit den Linken einließ…

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