Bei Königs in der Loge

Oper

Zur Zeit sind Opernfestspiele in der Staatsoper München

Zur Zeit sind Opernfestspiele in München. Ich mag Oper. Und ich gehe auch gerne hin. Schon weil ich dort eigentlich nie Bekannte und „Freunde“ aus dem Social-Media-Universum treffe. Und was noch wichtiger ist: Ich vermute, es gibt dort keine Pokemons. Gar keine. Die Oper ist eine pokemonfreie Zone.

Und so mag ich auch die Opernfestspiele. Am kommenden Sonntag gibt man Mephistofele von Arrigo Boito. Ein teuflisches Vergnügen:

  1. Akt: Im Studierzimmer: Der Faust findet des Pudels Kern und schließt seinen faustischen Pakt.
  2. Akt: Im Garten: Gretchen gerät es aus dem Auge, aus dem Sinn.
  3. Akt: Im Kerker: „Es ist so elend, in der Fremde schweifen“; das zitiere ich nur, um ein wenig Werbung für unser neues Reiseblog zu machen und einen klugen Link zu setzen …
  4. Akt: Die Hexen tanzen endlich orgiastisch auf dem Brocken: „Das Teufelspack, es fragt nach keiner Regel. Wir sind so klug, und dennoch spukt’s in Tegel“. Kein Wort von BER.

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Tock, tock, tock …

SpechtSeit einigen Tagen klopft immer wieder jemand außen an meine Hauswand. Wer dabei unter dem Stichwort „film noir“ an den ebenso wunderbaren wie weitgehend vergessenen Film Themroc mit Michael Piccoli denkt, der liegt daneben. Und zwar völlig.

Vielmehr bittet immer mal wieder ein Specht um Einlass. Und da mich in meinem Home Office nur eine bunte Wand in Holzständerbauweise vom Gemüsegarten trennt, kann es schon mal sein, dass ein Specht mein Haus für einen hohlen Baum hält, mein Wohnzimmer für eine Wohnhöhle. Sollte er es eines Tages schaffen – und nichts spricht dagegen – die Holzwand zu durchhämmern, so wird er freilich seine neue Nisthöhle besetzt vorfinden. Und zwar von mir. Und natürlich von Pablo, meinem Papagei, der ebenso wenig wie ich geneigt ist, seine Höhle mit einem Specht zu teilen. Wobei: bei Pablo bin ich mir da nicht so sicher. Immerhin ist der zudringliche Specht ein hübscher gefiederter Geselle. Und warum soll nicht mal ein Mohrenkopfpapagei – nein: diese Bezeichnung ist nicht rassistisch – mit einem bunten Specht …

Also wir leben ja nun wirklich in einem weltoffenem multikulturell geprägtem Haushalt. Aber eines sollte klar sein: wenn hier ein Specht einziehen will, so kann man wohl erwarten, dass er sich anpasst. Migration setzt Assimilation voraus. Gerade bei Vögeln. Bei uns kommt man nicht durch die Wand herein. Man nimmt die Haustür. Und da wird geklingelt. Wir haben eine Läutkultur. Und die gilt auch für Spechte. Und Amseln, Finken, Drosseln. Ich werde eine Partei gründen. Eine Anti-AFD gegen assimilierungsunwillige Amseln, Finken, Drosseln. Und Spechte.

Ich bin doch nicht bekloppt, Herr Specht.

Ein Statement für nur 1,98 Euro – oder ein Kinderbild

Selten war es einfacher, ein politisches Zeichen zu setzen, 1,98 Euro zu investieren und sich gleich noch ein Genussmittel zu sichern.
Einfach Schokolade kaufen! Es muss allerdings die Richtige sein…

Natürlich ist es günstiger, wenn man einfach auf eine Demo geht, das kostet gar nichts. Laut AfD-Rosenheim und deren Facebook-Post wird man ja sogar dafür bezahlt, wenn man nur wacker gegen rechts marschiert. Das jedenfalls dachten die nur mit begrenzter Intelligenz ausgestatteten treudeutschen Bürger, als sie auf eine ebenso lautende Meldung des Postillon reagierten, diese für bare Münze nahmen und sich bei Facebook gar fürchterlich echauffierten. Keine 12 Stunden später war der Beitag gelöscht – nachdem das „linksversiffte“ Deutschland sich einmal abgerollt hat vor Lachen über die Dummheit der AfD-ler und es hunderte hämischer Kommentare hagelte.
Schade. Solche Zeugnisse der intellektuellen Überlegenheit der urdeutschen Dichter und Denker sollten der Nachwelt unbedingt erhalten bleiben. Weiterlesen

High End 2016 – Der verzweifelte Versuch auf einer Messe nichts zu verkaufen

High End 2016

Vielen High End Ausstellern fehlt der Drive

Es gibt wenige Branchen, die seit so vielen Jahren auf so hohem Niveau jammern, wie die gehobene Hifi-Branche, die sich selbst High End nennt. Während die Medien vom Hype um Plattenspieler kreischen und Journalisten ob der Preisschilder auf Röhrenverstärkern und Edel-Playern sich verwundert die Augen reiben, klagen auch in diesem Jahr viele Aussteller der Weltleitmesse High End (seit heute im Münchner M.O.C.) über die Unlust der Menschen, für hochwertige Musikanlagen Geld auszugeben. Weiterlesen

Die Restaurantkritik als Prosa-Rülpser, oder: wie TripAdvisor die Kunst der Rezension demokratisiert hat

Gut ist doch gut genug, oder?

Gut ist doch gut genug, oder?

Um Restaurantkritiker zu werden, sagte mir einmal Wolfram Siebeck, der Doyen dieser seltenen und etwas elitären Journalistengattung, musst du zuerst den Gegenwert eines Einfamilienhauses verfressen haben. Dann hast du wirklich Ahnung.

Wie groß das Haus war, das ich selbst verfressen habe, weiß ich nicht, aber es hat mich immerhin in die Lage versetzt, in einem früheren Leben recht gut von dem Schreiben von Rezensionen über Restaurants und Hotels zu leben. Meine mehr oder weniger sachkundigen Meinungsäußerungen wurden immerhin regelmäßig in so angesehenen Organen wie dem Feinschmecker, dem Playboy und dem Diners Club Magazin abgedruckt. Und auch wenn sich der Schwerpunkt meines Schaffens inzwischen in Richtung Internetjournalismus verändert hat, drängt es mich hin und wieder immer doch dazu, nach einem besonderen kulinarischen Erlebnis zur digitalen Feder zu greifen und meine Eindrücke in Textform festzuhalten.

Meistens veröffentliche ich das Ergebnis selbst auf meinem Cole-Blog oder auf meiner Facebook-Seite. Aber in den letzten Jahren habe ich Spaß daran gefunden, Kritiken für TripAdvisor zu schreiben, und ich habe es dort immerhin zu etwas Ansehen gebracht: Ich bin dort als „Profi-Bewerter“ und als „Luxushotelexperte“ geführt, und neulich bekam ich von denen eine elektronische Post, die mich schmunzeln lies: „Glückwunsch“, schrieb man mir, „Sie sind die Nummer eins unter den Bewertern aus St. Michael im Lungau!“ Weiterlesen

Schallplatten digitalisieren: Weil Vinyls im Auto immer so sperrig sind

Schallplatten digitalisieren ist wie Kobe-Rind durch den Fleischwolf drehen! Es gibt nur einen guten Grund für dieses Unterfangen seine wertvolle Zeit zu opfern: Im Auto kann man nur Singles hören.

Schallplatte im Auto

Schallplatten digitalisieren ist eine Alternative zum Vinyl-Falten

Im Ernst: ich habe mir lange überlegt in mein Auto einen Plattenspieler einzubauen. In der Bucht findet man immer wieder mal gut erhaltene Einzelstücke aus US-Besitz. Drei Gründe sprechen aber eindeutig gegen dieses Unterfangen:

Erstens: Angesichts des Volumens dieser Geräte würde aus meinem Zweisitzer wohl ein Einsitzer. Wobei: braucht man bei guter Musik unbedingt einen Beifahrer? Oder gar eine Beifahrerin?

Zweitens: Die Dinge schlucken nur 7-Zöller, also Singles. Und alle fünf Minuten rechts raus fahren zum Plattenwechsel – wohlgemerkt nicht wegen eines Plattens, sondern wegen der Platten – nervt auf lange Strecken auch.

Drittens: Würden irgendwelche wohlmeinende Freunde kräftige Burschen in weißen Kitteln schicken, um mich abzuholen? Ich will das nicht ausschließen.

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„Brechet die Stifte entzwei“ – Wider die Kommerzialisierung der Kontemplation

stiftbruch

In painting, you have unlimited power. You have the ability to move mountains. You can bend rivers. But when I get home, the only thing I have power over, is the garbage.
(Quelle des Unfugs: Bob Ross)

Staedtler, Schwan-Stabilo, Faber-Castell – Jahrtausende alte Startups erleben in diesen Tagen eine Renaissance des Irrsinns.  Mehrwöchige Lieferfristen für simple Buntstifte – was nach DDR klingt ist längt bundesdeutsche Wirklichkeit. Und schuld daran ist nicht eine Jahrhundertwelle von Schulanfängern, nein, die Verursacher sind Eltern und Großeltern. Die Räumung der Buntstiftauslagen ist das Ergebnissen des aktuellen Hypes um Ausmalbücher für Erwachsene.

Wie jammern Matthias Huber und Jakob Schulz in der Süddeutschen Zeitung so überaus treffend:

Eigentlich ist es ganz schön unfair: Erst mopst Mama dem Söhnchen das Malbuch, um damit einen gemütlichen Feierabend zu verbringen. Und dann kauft sie im Schreibwarengeschäft auch noch das Regal mit den Buntstiften leer.

Wir erleben derzeit das weltweite Phänomen stifteschwingender Erwachsener. Und sie pinseln nicht rossophil auf leere Leinwände, sondern sie färben Ausmalbücher für Erwachsene. Was mir als Kind zutiefst verhasst war, die Gängelung durch die Malvorlage, wird heute massenhaft freudig begrüßt.

Ihren Ursprung fand der neue Wahn vermutlich bei Inselbewohnern. Die britische Illustratorin Johanna Basford konnte binnen weniger Monate angeblich bereits mehr als 16 Millionen Exemplare ihrer ersten drei Malbücher für Erwachsene an Mann und Frau bringen. Auf amazon stürmen heute Titel wie „Malbuch für Erwachsene: Meditation: Mit wundervollen Bildern alle Sorgen gehen lassen“ oder „Komm zur Ruhe: Mit friedvollen Bildern vom Alltag entspannen“ die Charts. Die Mandalaisierung der Freizeit schreitet voran.

Wie ist dieser Wahn einzuordnen? Was treibt vorgeblich erwachsene Menschen dazu, wie Kinder, vorgezeichnete Blumen, Mond und Berge zu colorieren?

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Ausgetrickst – Ihr Luschen

Ein Misanthrop ist ein Misanthrop ist ein Misanthrop.
Also einer, der die Menschen hasst, zumindest aber ihre Nähe ablehnt. Und er tut gut daran. Denn Menschen sind bisweilen kolossal anstrengend. So sehr, dass man sich gern in ein Schneckenhaus zurückzieht, um seine Ruhe zu haben. Das hat nicht unbedingt was mit Soziophobien zu tun, das Ergebnis ist aber ähnlich. Während die einen den Wunsch verspüren, einfach nur in Ruhe gelassen zu werden, fühlen sich die anderen von ihren Mitmenschen eher überfordert. Und halten sich fern.
Das geht aber nicht, wenn man ein intensives Leben in den sozialen Netzwerken betreibt.
Nun ist das mit Twitter eine entspannte Sache – kaum einer kennt einen und weiß, wer wirklich hinter dem Account steckt. Bei Facebook ist das anders, da steht man mit seinem guten Namen da. Facebook wird ja nicht müde, Accounts zu jagen, die unter Pseudonym geführt werden, und die Betreiber zu zwingen, ihre Klarnamen zu verwenden. Selbigen müssen sie, einmal von Facebook aufgespürt, sogar mit einem amtlichen Dokument nachweisen, wollen sie nicht, das Mark Zuckerberg den Account persönlich still legen lässt.
Aber darum geht es eigentlich gar nicht…

Worum dann?
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In die Röhre schauen…

Wer macht das schon gern – also in die Röhre schauen?

Aber wenn, dann möchte man wenigstens, das Licht in der Röhre ist, wenn man einen Braten, einen Kuchen oder einen Auflauf in selbige schiebt. Das ist jetzt durchaus ernst gemeint. Die Backofeninnenbeleuchtung ist ein Segen der modernen Zivilisation. Und im Gegensatz zum Kühlschrank lässt sich selbige im Ofen auf seine Funktionalität hin überprüfen. Oder eben auf seine Dysfunktion. Dann nämlich bleibt es dunkel in der Röhre. Das muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass es auch kalt bleibt. Oder: Um es kurz zu machen: So ein Birnchen brennt gerne mal durch. Auch im Backofen. Aber der heizt dann trotzdem weiter.

Nun ist das Birnchen in einem AEG (Mod.: BP 5014321M) Einbauofen gar kein Birnchen sondern ein Halopin; genauer gesagt: Eine OSRAM Halogen Backofenlampe EEK D G9 bis 300 Grad Special Oven T-Kolben / 40 Watt / Stecksockel / warmweiß – 2700K.
halopinUnd ein solches Teil gibt im heimischen Herd seinen Geist auf – also kein Licht mehr ab. Und damit beginnt eine merkwürdiges Wiederbeschaffungsodyssee.

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