ausgewählte beiträge aus der geschichte des czyslansky blogs

51 Netz-Schimanskis verurteilen ohne zu ermitteln: der offene Brief der Tatort-Autoren gegen „die Netzgemeinde“

In einem offenen Brief an die „liebe Netzgemeinde“, die Grünen, die Piraten und die Linke beklagten gestern 51 Tatort-Autoren in einem Rundumschlag jedwede Angriffe auf das Urheberrecht. Sie wehren sich insbesondere gegen die von einigen geplante Verkürzung der Schutzfrist von bislang 70 Jahren ab Tod des Autors, aber auch ganz allgemein gegen Vorwürfe an die GEMA und die Musikindustrie. Sie beklagen, dass die Kritiker der derzeit gültigen Urheberrechtssituation sich nicht mit Autoren und Künstlern zusammensetzten und eine „demagogische Gleichsetzung von frei und kostenfrei“ betreiben würden.

Der Brief vermengt die Diskussion um eine Reform des Urheberrechts mit der Diskussion um Vorratsdatenspeicherung und überhaupt viele Dinge, die nichts miteinander zu tun haben. Er pauschaliert und wirft alle Kritiker des heute gültigen Urheberrechts, „die Grünen, Piraten und Netzpolitiker aller Parteien„, in einen großen Topf.

Die Krimi-Autoren haben mit diesem Brief viel Staub aufgewirbelt und mit Polemik und Pauschalierungen eine vernünftige Debatte um eine Modernisierung des Urheberrechts eher erschwert.

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Das Passivrauch-Komplott

Wer’s glaubt, wird selig…

Wenn wir es uns hier auf czsylansky.net schon mit allen Weltverbesserern und Gutmenschen verderben wollen, dann dürfen wir auch nicht die militanten Nichtraucher vergessen. Die verbiesterten und verbohrten Miesepeter von der ÖDP und anderen Ideologenvereinen haben es geschafft, uns friedliebenden Rauchern den Tabakgenuss mittels Volksabstimmung so gründlich zu verderben, dass man sich heute als asozialer Außenseiter fühlt, wenn man auf seinem eigenen Balkon eine Zigarre anzündet. Sie haben erreicht, dass wir auf Flughäfen in raucherfüllte Glaskäfige gesperrt werden und auf Bahnsteigen in engen, gelbmarkierten Absperrzonen zusammenrücken müssen, um unser schmutziges Laster unter den vorwurfsvollen Blicken der braven Bürger zu frönen. Sie haben uns als Suchtkranke verunglimpft und erreicht, dass wir frierend vor Bürogebäude oder Kneipen stehen müssen, damit sie nur ja nichts abbekommen von unserem Zasterqualm, denn wie jeder weiß, ist der Passivrauch eines der größten Gefahren für Leib und Leben, der einem unschuldigen Nichtraucher drohen kann: Ein paarmal zu tief Luft geholt, und schon beginnt der Lungenkrebs sein unheilvolles Wuchern.

Totaler Quatsch – aber wirkungsvoll! Weiterlesen

Achtung Fettnapf: „Happy Burzzeltag“!

Haben Sie heute Geburtstag?
Nein?
Wusste ich. Facebook, Xing und Co haben mich informiert: Heute gibt es niemanden zu beglückwünschen…

Herzlichen Glückwunsch, Ihr Lieben. Gut, dass Ihr das alles nicht mit ansehen müsst...

Gibt es etwas Feineres als die Geburtstagserinnerungen von Facebook, Xing & Co.? Sie sind so hilfreich, dass ich gar keinen Geburtstagskalender mehr führe. Dumm ist allerdings, wenn reale Freunde, Verwandte, Kollegen nicht in Facebook & Co unterwegs sind. Pech für sie und peinlich für mich, da ich ihre Geburtstage todsicher vergesse.
Diese Minderheit außer acht lassend, werde ich fast täglich damit konfrontiert, dass irgendwer in meinen Kontaktlisten Geburtstag hat. Und schon sind wir mitten im Thema. Wie soll man auf diese Geburtstagsbenachrichtigung angemessen reagieren?

Am einfachsten ist es, dem Geburtstagskind einfach die Wünsche auf die Pinwand zu posten. Und genau das machen alle.

Aber mal ehrlich: Gibt es eine bessere Möglichkeit, seinem Mitmenschen mitzuteilen, dass er einem eigentlich völlig wurscht ist?
Der Subkontext eines solchen Pinwandeintrags ist: Du bedeutest mir nichts. Ich weiß nicht, wann du Geburtstag hast. Ich gratuliere Dir auch nicht persönlich sondern unverbindlich Deinem Online-Profil.
Folglich sind die Glückwünsche schablonenhaft und nichtssagend, schon bemerkt?
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Ein Shitstorm, eine Troll-Frau und ein Jungunternehmer mit Reputationsnöten – Was dabei herauskommt, wenn man mit Würzburger Studenten im Internet spielt …

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… och, schade (cydonna/photocase.com)

Windige Zeiten sind das in den sozialen Netzen. Ein Shitstorm jagt den nächsten und manch einer entpuppt sich dabei als kleiner Windbeutel. Dabei hat sich seit den seligen Zeiten des ersten allgemein beachteten Shitstorms um Kryptonite vor sieben Jahren wenig getan: die grundlegenden Mechanismen einer typischen Online-Reputationskatastrophe sind die gleichen geblieben. Und auch die Strategien, die gegen solche Image-Krisen zu entwerfen sind, sind schon lange entwickelt.

Strategien aber lassen sich nur schwerlich mit Handbüchern vermitteln. Dies musste ich jedenfalls im Rahmen meiner Lehrtätigkeit an der Fachhochschule Würzburg – heutzutage heißt eine solche Institution natürlich nicht mehr einfach Fachhochschule, sondern University for Applied Sciences – erfahren. Diese Erfahrungen bildeten den unmittelbaren Anlass für die Entwicklung eines Rollenspiels, in dem ich mit Studenten der Wirtschaftsinformatik im vergangenen Wintersemester eine Reputationskatastrophe veranlasst, ausgespielt, bekämpft und schließlich analysiert habe. Die Ergebnisse dieses Rollenspiels wurden bislang nicht veröffentlicht. Und das hat einen einfachen Grund: Ursprünglich wollte ich den “Fall” im vergangenen Februar als Speaker auf der TED-Konferenz Rhein-Main vorstellen. Eine ausgebüxte Bandscheibe hat mir damals einen Strich durch die Rechnung gemacht und so wartete ich nun die Social Media Economy Days ab, die vor wenigen Tagen in München stattfanden. Dort also erlebte der Bericht zur Reputationskatastrophe der “Fränkischen Bratwurst Manufaktur” seine Uraufführung. Die Vortragsfolien sind längst publiziert, der Bericht – die “Story” – folgt nun hier.

Im Wintersemester 2010/11 wollten wir mit Studenten der Wirtschaftsinformatik in einem “Live-Rollenspiel” die Bedingungen und Mechanismen einer typischen Social Media Reputationskatastrophe erfahrbar machen. Die Versuchsanordnung war übersichtlich:

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Zwischen Schirrmacher und Renner – Digital ist anders

Unter dem programmatischen Titel “Digital ist anders” habe ich in der jüngsten Wochenendausgabe der F.A.Z. versucht, einen Weg zwischen der opportunistischen Erlösungstheorie der Renner-Brüder und dem kulturkritischen Skeptizismus des F.A.Z.-Herausgebers Frank Schirrmacher bei der Bewertung des Internet und dessen gesellschaftlichen Auswirkungen aufzuzeigen.

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Auch wenn mir Frank Schirrmacher freundlicherweise gleich eine Doppelseite in der nicht gerade kleinformatigen F.A.Z. zugesprochen hat, so musste natürlich trotzdem ein guter Teil des Manuskripts unter dem Diktat der Raumökonomie weichen. Neben vielem anderen hat das Internet gegenüber dem alten Holzdruck den unvergleichlichen Vorteil des unbegrenzten Raumes. Deshalb darf ich an dieser Stelle den Artikel der F.A.Z. mit einigen verfallenen Passagen vervollständigen. Dieses Posting ist also nicht eigenständig zu lesen, sondern als Addendum zum dort veröffentlichtem Text.

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Gefangen im Scheinwerferlicht – Absurdes aus dem Leben an der Unternehmensspitze – Heute: Ruin in 10 Schritten

Müller-Zantop

ein Gastbeitrag von Susanne Müller-Zantop (Chairwoman der CEO-Positions AG)

So ruinieren Sie als CEO ein Unternehmen in 10 Schritten:
1.) Schreiben Sie ein internes Memo, dass die Aktie steil nach unten treibt, wenn es nach draussen gelangt. Und es wird nach draussen gelangen! Aktuelle Textvorlagen bei Léo Apotheker, CEO Hewlett-Packard
2.) Greifen Sie nackt ein Zimmermädchen an und lassen Sie sich von der Hotelkamera dabei filmen. Wenn Sie es in den USA machen, haben Sie hohe Chancen auf langfristige Medienpräsenz. Anschauungsmaterial auf Youtube unter dem Stichwort "DSK".
3.) Treiben Sie Insiderhandel, bevor Sie schlechte Zahlen veröffentlichen. Und kaufen Sie dann die Aktien ganz schnell zurück, wenn es brenzlig wird. Die Vorlage zu diesem Husarenstück lieferte Andy Rihs, Sonova.
4.) Präsentieren Sie sich als Chairman einer ‚gemergten‘ Organisation lange bevor die Aufsichtsbehörden Ihr Merger genehmigt haben. Nehmen Sie sich ein Beispiel an Reto Francioni, Deutsche Börse.
5.) Geben Sie eine verspätete Gewinnwarnung heraus. Die Chance auf eine Untersuchung durch die Finanzmarktaufsicht sind hoch. Aktuelle Timingbeispiele können Sie sich bei Sonova holen.
6.) Bitten Sie Ihren Aufsichtsrat, Sie öffentlich schlecht zu machen. Skriptvorlagen von Electricité de France: "… has been asked to step down due to his performance at the helm of the company, which is in a bad shape."
7.) Diskreditieren Sie Ihre eigenen Produkte und Lösungen und sorgen Sie für die Veröffentlichung auf Wikileaks. Wie man das hinkriegt, weiss Berry Smutny, ex-CEO von Galileo, der das europäische Galileo-Projekt (dem er damals noch vorstand) als ’stupid idea‘ bezeichnete.
8.) Drücken Sie ein Auge zu, wenn Ihre Mitarbeiter Rechner der Konkurrenz anzapfen, Daten herunterladen und damit Ihre Kunden beraten. Schadensersatzzahlungen von 1.3 Milliarden Dollar und mehr schmälern Ihre Bilanz. Ideal, wenn Sie dann schon weg sind und sich Ihr Nachfolger entschuldigen muss. Die Vorlage für diese Idee lieferte SAP.
9.) Entwerfen Sie ein goldenes Firmenlogo rechtzeitig bevor Ihr Unternehmen in die Insolvenz geht. Die amtliche Korrespondenz auf Bögen mit goldenem Logo verdirbt die Stimmung bis ins Oberlandesgericht. Musterbögen bei Arcand’or und Thomas Middelhoff einzuholen.
10.) Lassen Sie sich mit grossen Mengen Bargeld aufgreifen, idealerweise beim Check-in auf dem Flug von Miami nach Zürich. Der Ideengeber möchte gerne anonym bleiben.
All diese Tipps stammen aus dem Zeitraum Januar bis Mai 2011 – wir dürfen auf mehr im Jahresverlauf hoffen.

Mein erstes XING Rotating-Dinner – ganz ohne Auftragsmalerin und Feng Shui Architektin

xing rotating dinner

„XING Rotating Dinner im Maximilianeum, das heisst unter prächtigen Rundbögen an einem festlich gedeckten Tisch zu sitzen. Den Blick über die Isar und die zu Füßen liegende Stadt in der Abendsonne schweifen lassen. Dabei exquisit dinieren und nebenbei andere XING-ler auf lockere Art und Weise kennen zu lernen.“ So tönte der Lockruf des Netzes und, was soll ich sagen, ich erlag dem werbenden Rufen und meldete mich also vor einigen Wochen schon zu meinem ersten Business Speed Dating an. Sie werden sich fragen „Was ist ein Rotating Dinner? Dreht sich da der Ochse am Spieß? Muss man da hin? Wessen schweifende Blicke kreuzen sich? Kreuzt sich überhaupt was?“ Ihre Fragen sollen sogleich beantwortet werden. Ich war gestern da. Oder dort. Mein kleiner Bericht ist also überfällig:

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Die Scroll-Edition der WELT KOMPAKT – Gedruckte Postings sind noch keine Tageszeitung

weltkompakt

Heute liegt sie also endlich am Kiosk: die vor einigen Wochen angekündigte “Blogger-Ausgabe” der Tageszeitung WELT KOMPAKT, der “kleinen Schwester” der ganzen WELT. Der Verlag hatte einige deutsche Blogger – von Mode-Bloggern über Wein-Surfer bis hin zu Politik- und Kultur-Bloggern – eingeladen, einen Tag lang die Print-Ausgabe der WELT KOMPAKT zu gestalten.

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Christian Wiedermann

Ich hasse Christian Wiedermann. Ja, das ist vielleicht ein bisserl hart. Und vielleicht gibt es ihn nicht mal. Das hat er neben seiner Frisur mit Marcell D’Avis gemeinsam. Oder auch Marcel Davis, der weiss vermutlich inzwischen selbst nicht mehr, wie er sich schreibt. Er ist dieser nervige angebliche Leiter der Kundenzufriedenheit bei 1&1. So eine Art Cheerleader also.

Alexander Broy hat neulich herausgestellt, dass hinter Davis der Schauspieler Gerd Logan steht. Aber das ist ja auch Quatsch, von meinen ausgezeichneten Geheimdienstkontakten wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass auch Gerd Logan nicht existiert. Er wird von Chris Geletneky gespielt. Wer den spielt, weiß ich nicht. Aber ich hasse ja auch nicht Marcell Davis, ich hasse ja Christian Wiedermann.

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Darf man für Springer bloggen? – eine Replik auf die aktuelle Diskussion um die Blogger-Ausgabe der WELTkompakt

“’Wir bloggen nicht für Springer’ = Jugendsprache für ‘Enteignet Springer’” lese ich eben in meiner Twitterrolle. Und Deef Pirmasens echauffiert sich in seiner “gefühlskonserve” darüber, dass die WELTkompakt für ihre Ausgabe zum 1. Juli Blogger eingeladen hat KOSTENLOS eine Ausgabe der Zeitung redaktionell zu übernehmen. @bov zwitschert vom “embedded journalism”. Man hat den Eindruck, ganz Bloggingen empört sich. Bald werden wir Czyslanskys als letzte Vollstrecker Josef Bachmanns vorgeführt. Ja, habt Ihr sie noch alle?

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