Alle Beiträge von Tim Cole

Tim Cole bloggt auch auf www.cole.de

Czyslansky und die Erfindung von PKI

Dass sich Czyslansky unendliche Verdienste auch im Bereich der IT Security erworben hat, ist natürlich unbestritten. Begriffe wie „Firewall“, „Pentration“ oder „back door“ lassen sich mühelos bis zu ihrer erstmaligen Verwendung in einigen seiner Schlüsselwerke zurückverfolgen, obwohl böswillige Kritiker immer wieder versucht haben, ihm die wohlverdienten Lorbeeren zu nehmen, indem sie die geistige Urheberschaft anderen Autoren zuschrieben wie etwa Willis H. Ware von der Rand Corporation, ein guter Freund Czyslanskys, mit dem ihn in den 70ern ein langjähriger Briefwechsel verband, oder Fred Cohen von der Hebrew University in Jerusalem, den legendären Entdecker des ersten Computervirus, den „Friday 13th virus“. Dass Czyslansky gemäß seinen Tagebuchaufzeichnungen den Abend des 12ten Mai 1988 mit Cohen in Mike’s Place, einer verufenen Spelunke am Zion Square, verbracht hat, lässt den Schluß zu, dass auch hier der große Vordenker seine Hand im Spiel hatte.
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Wie ein Arschloch Apples Börsenkurs runterzieht

Steve Jobs - vorher/nachher

Nachtrag zum Post von gestern über Apples etwas unerklärlichen Kursrutsch an der Börse, nachdem das Unternehmen gerade hervorragende Quartalszahlen (39% Umsatzplus!) bekannt gegeben hatte. Eine mögliche Erklärung sind die Sorgen der Anleger über den Gesundheitszustand von „Mr. Apple“, Steve Jobs.

Seitdem lesen sich die Blogs der Apple-Beobachter und die Artikel in den Wirtschaftsteilen der Tageszeitungen fast wie Fachaufsätze in irgendwelchen Ärzteblättern. Dass Steve vor vier Jahren wegen Krebs der Bauchspeicheldrüse behandelt wurde, dass er seitdem als beschwerdefrei gilt, dass er letztes Jahr nochmal unters Messer kam, um ein nicht näher beschriebenes Problem mit seinem Verdauungstrakt zu beheben: Darüber zerbrechen sich gerade Leute den Kopf, die sonst bei Betriebssystemen oder Bilanzzahlen zu Hause sind.

Gut, Steve sieht wirklich ziemlich mitgenommen aus, wie diese beiden Fotos aus den Jahren 2005 und 2008 beweisen. Weiterlesen

Newton 2.0

Die Jungs von Apple mögen zwar von Kundendienst keine Ahnung haben (siehe dazu mein Kommentar vom 8. Juli) aber hochfliegende Erwartungen produziert keiner so gut wie sie.

Am besten geht das, indem man sagt, man habe ein tolles neues Produkt in der Pipeline, wie es die Welt noch nie gesehen hat. Nur drüber reden können wir leider noch nicht. Nichts macht Journalisten wilder, als wenn sie ankitzelt und dann unbefriedigt sitzen lässt.

Der Trick funktioniert perfekt, wie Apple-COO Tim Cook am Montag wieder mal bewiesen hat.
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Das schmutzige Geheimnis der Fernsehmacher

Interessante Unterhaltung heute mit einem Freund, der ein hohes Tier in der ARD ist. Das „schmutzige Geheimnis“ sei, dass die TV-Redakteure selber gerne die Bälle im Internet flacher halten würden. Denn siehe da: Es gibt bei der öffentlichen Sendern genau die gleiche Kluft zwischen Fernsehmachern und den Kollegen der Onlineredaktion wie zwischen Print-Redakteuren und den Jungs von der Online-Front. „Die können kein Fernsehen machen“, sei die vorherrschende Meinung – ein abfälligeres Urteil kann es unter Fernsehleuten nicht geben.

Erinnert mich alles fatal an frühere Print-Zeiten, als die „echten“ Schreiber auf die Emporkömmlinge in den Online-Redaktionen herabblickten, die ihrer Meinung nach keine Ahnung von „richtigem“ Journalismus hatten und ihnen nichts als zusätzlichen Arbeit und Ärger machten.
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Das Ende von eBay

eBay hat sein Geschäftsmodell verraten – und damit seine Kunden und Partner!

Wie die New York Times heute berichtet, hat der neue eBay-Chef John Donahue heimlich einen Mega-Deal mit dem Marktplatzbetreiber Buy.com abgeschlossen, der diesem erlaubt, die Seiten von eBay mit Millionen von Festpreisangeboten zu überfluten und damit kleineren Händler („Power Seller“) quasi das Wasser bis an den Hals steigen zu lassen.

Der Handelsriese Buy.com mit seinen knallhart kalkulierten Margen bekommt offenbar deutlich bessere Konditionen als die bisherigen Partner und kann mit Lockangeboten wie kostenloser Versand, Rücknahme- und Telefonservice kleinere Händler ausstechen.
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Himmel auf Erden

Heaven

Einmal im Jahr ziehen meine Frau und ich uns an den schönsten Ort der Welt zurück. Er heisst „Phenix“ und liegt an der zerklüfteten, menschenleeren Südwestküste Kretas, der so genannten Sfakia. In Phenix gibt es ein einfaches Gasthaus, das kleine Zimmer vermietet mit großen Balkonen, eine mit Weinreben umrankte Terrasse und einen halbmondförmigen Steinstrand – und sonst nichts. Und vor allem: Es gibt keinen Handyempfang!

Leider haben sie inzwischen einen Internet-Anschluß, aber der ist wahnsinnig langsam und tut auch nur sporadisch. Und das ist gut so, denn für mich gibt es nichts Erholsameres, als 14 Tage ohne Kommunikationsstress.
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Die ganze Welt tanzt mit

Ich liebe den Begriff „Mitmach-Internet“ (der sehr viel besser als „Web 2.0“ das beschreibt, was gerade im Netz abgeht), aber ich muss gestehen, dass Matt Harding selbst meine kühnsten Erwartungen in dieser Beziehung übertrifft.

Weltentänzer Matt Harding

Matt ist ein pummeliger Allerweltstyp, so einer, der sich auf Parties nicht traut, ein Mädchen aufzufordern und deshalb irgendwo in einer stillen Ecke alleine vor sich hin tanzt. Das heißt: Tanzen kann er eigentlich auch nicht. Statt dessen zuckt er ziemlich ungelenk mit Armen und Beinen wie eine schlecht geölte Marionettenpuppe, die sich am Ententanz versucht. Dazu grinst er, und er tanzt halt eben. Mehr nicht.

Und die ganze Welt tanzt mit. Strassenkinder in Soweto. Kellnerinnen in einer Kneipe in Tokio. Bollywood-Tänzerinnen in Mumbai. Buschmänner auf Papua Neuguinea. Taschenkrebse auf den Weihnachtsinseln. Und Hunderte. Tausende von ganz normalen Passanten auf den Strassen von Madrid oder Montreal, vor dem Eifelturm in Paris oder zwischen den Wasserfontänen eines Springbrunnens in Atlanta.
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Czyslansky und der Ort der Stille

In seinem leider auf tragische Weise verschollenen Standardwerk „Digitalis vincit omnia“ gelang Czylansky, wie wir aus einem Briefwechsel mit seinem Freund Alois Beckstein wissen, eine grundsätzliche philosophische Standortbestimmmung der Digitalität im Kontext der freien Willensausübung. Wie Beckstein (angeblich ein entfernter Vorfahre des heutigen bayerischen Minsterpräsidenten) verriet, ging den Ereignissen um Niederschrift und Verlust von „Digitalis“ ein heftiges, mehrere Nächte dauerndes Streitgespräch der beiden im Restaurant Cooperativo („Coopi“) in Zürich voraus.

Hier kam es vermutlich auch zur denkwürdigen Begegnung mit James Joyce, in deren turbulentem Verlauf Joyce (wie fast jeden Abend) volltrunken ins Lokal kam und schrie, er habe „eine viel bessere Odysee als Homer“ geschrieben, worauf er drei Flaschen „Chateau Limatkai“ verwettete. Es ist übrigens unwahrscheinlich, dass Joyce seinen Wettgewinn einlösen konnte, denn er starb bekanntlich wenige Stunden später an den Folgen eines Magendurchbruchs.
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Der Blog, das Blog?

Gut, es gibt wichtigere Fragen zu beantworten. Wie kriegen wir die globale Erwärmung in den Griff? Ist Obama wirklich ein Liberaler? Darf eine Bundeskanzlerein Busenansatz zeigen? Trotzdem will ich sie stellen, die Frage, die mich gerade am heftigsten herumtreibt: Heißt es eigentlich „der Blog“ oder „das Blog“?

Gleich vorweg: Ich sage „der Blog“. Ich darf das, denn ich bin Amerikaner, und es ist unsere Wortschöpfung, da könnt Ihr Deutschen Euch auf den Kopf stellen. Aber als ich die Frage per Mail an Michael Kausch richtete, kam von ihm sofort ein schroffes „nein nein. DAS blog. unbedingt.“

Wie ernst es ihm ist, merkt man daran, dass er in einer Mail Großbuchstaben verwendet. Das tut er sonst nie.

Das heisst aber nicht, dass er recht hat. Leider hilft uns auch der Duden („Blog, das, auch der)“ nicht wirklich weiter. Man hat es sich in Mannheim offenbar seit der Right-Write Reform ganz abgewöhnt, eindeutig zu irgendeinem Thema Stellung zu beziehen und sagt statt dessen im Grunde: „Macht doch grad was ihr wollt!“
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Traue keinem Wiki, den du nicht selbst gefälscht hast

Im Jahre 2004 schrieb schließlich der Amerikaner James Surowiecki ein Buch, das er „The Wisdom Of Crowds“ nannte, in dem er die kollektive Intelligenz der Gruppe beschreibt: Gemeinsam sind wir Menschen laut Surowiecki in der Lage, besser zu denken und zu entscheiden, als es ein Einzelner je könnte.

Im Zeitalter des „Mitmach-Internet“ ist die Gruppenweisheit gefragter denn je, und nirgendwo zeigt sich das deutlicher als bei Wikipedia, dem Online-Lexikon, das von den Lesern selbst erstellt wurde und ständig fortgeschrieben wird. Der Einzelne trägt sein Wissen in Form von Fachaufsätzen oder Einträgen bei, die anderen Leser nehmen sozusagen eine fortlaufende kollektive Schlusskorrektur vor.

Wikipedia ist heute für die meisten Menschen, die im Internet recherchieren müssen, das was Google für die Online-Suche ist, nämlich die erste und wichtigste Anlaufstelle. Und was da steht, das glaubt man auch, denn schließlich wacht ja die Menge mit ihrer Weisheit darüber, dass keiner mogelt oder lügt.
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