Alle Beiträge von Sebastian v. Bomhard

Sebastian von Bomhard bloggt auch auf seinem SvB-Blog

Mit der CIA werden wir auch noch fertig

Gute Überschrift. Gut gebrüllt, Löwe! Aber noch bevor ich darüber nachdenken kann, ob ich dem Löwen aus der Augsburger Puppenkiste wirklich zutraue, es mit der CIA aufzunehmen oder ob das ein Sommernachtstraum bleibt („Well roared, lion“ – erste Szene im fünften Aufzug. Der Löwe brüllt, Demetrius sagt „Gut gebrüllt, Löwe“, Thisbe läuft weg und Theseus sagt „Gut gelaufen, Thisbe“. Was nicht sonderlich charmant ist …), holen mich diverse Newsmeldungen hart in die Realität zurück.

Darüber bin ich gestolpert:

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Punktabzug für die Gleichberechtigung

Marie-Olympe-de-GougesSind Frauen bei uns gleichberechtigt? Ich denke, eine Frau aus Saudiarabien oder Indien wird die Frage grotesk finden. Ebenso wie die Menschen aus unserer eigenen Vergangenheit: Natürlich haben Frauen und Männer bei uns heute dieselben Rechte. Und man merkt das auch, noch nie in der Geschichte gab es so viele Frauen in leitender Funktion, noch nie gab es so viele Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen, Politikerinnen wie jetzt. Es wäre also an der Zeit, damit anzufangen, Frauen auch ernst zu nehmen. Ein Bildhauer will doch an seinem Werk gemessen werden, nicht an einer künstlichen Frage, ob er gut ist, obwohl er eine Frau ist. Es interessiert doch nur noch Gestrige, wenn man bei einem bestimmten Musikstück darauf hinweist, dass der Komponist eine Frau ist. Wenn man also darauf besteht, dass der Komponist eine Komponistin ist.

An einer Schule hat sich neulich erst ein Fall ereignet, der meinen eigenen kleinen Privat-#Aufschrei ausgelöst hat, aber mein Entsetzen wird von einigen nicht geteilt, das weiss ich schon. Weiterlesen

Nazivergleiche

Demosthenes2Billiges Kalkül: Der Pegidagründer Lutz Bachmann nutzte die Logikschwäche der hyperventilierenden Öffentlichkeit, um mal wieder Schlagzeilen zu produzieren und nicht in Vergessenheit zu geraten. Dieses Ziel hat er erreicht, das steht schon mal fest.

Wie hat er das gemacht? „NS-Vergleich“ heißt die Methode der Wahl. Und was ein Vergleich ist, muß nicht immer jedem als solcher erkennbar sein.

Um es kurz zu machen: Bachmann hat – Skandal Skandal – festgestellt, daß der deutsche Justizminister Heiko Maas nicht so schlimm ist wie Goebbels. Na gut, etwas schärfer war es schon formuliert: Maas sei der schlimmste geistige Brandstifter seit Goebbels und Schnitzler. Lassen wir diesen Schnitzler, den Chefpropagandisten im DDR-Fernsehen, mal beiseite. Das haben die meisten, die von dieser Rede berichtet haben, auch gleich gemacht, um das Stichwort mit dem „Nazivergleich“ nicht mit lästigem DDR-Beiwerk zu verschleiern. Lügenpresse, würde Bachmann jetzt sagen, berechenbar halt.

Jetzt kann man die Achseln zucken und Bachmann ignorieren, anstatt ihm den Gefallen zu tun, ihm Aufmerksamkeit durch einen deutschlandweiten #Aufschrei zu verschaffen. Man könnte auch sagen, daß Bachmann Maas völlig überschätzt. Dieser ist doch kein Brandstifter, mindestens das sollte gerade ein Bachmann doch beurteilen können. Weiterlesen

Das ganze Jahr Sommer

Zeitumstellung-WinterzeitEin Traum! Wie schön wäre es, wenn es das ganze Jahr Sommer wäre. Das mag sich der bayerische FDP-Chef Duin gedacht haben, als er folgende Mitteilung rausgab:

(24.10.2015) Die Uhren werden wieder umgestellt – ein sinnloses Ritual, das Bayerns Liberale abschaffen möchten. „Wir wollen die Sommerzeit ganzjährig zur Standardzeit machen“, erklärte FDP-Landeschef Albert Duin. Das Vor- und Zurückdrehen der Uhren bringe neben Menschen und Tieren auch Schicht- und Fahrpläne durcheinander.
„Die Zeitumstellung gehört endlich abgeschafft“, forderte Duin. „Sie wurde eingeführt um Energie zu sparen, was sie erwiesenermaßen nicht tut.“ Die Nachteile hingegen seien offensichtlich: „Viele Menschen fühlen sich in den Tagen nach der Zeitumstellung weniger aufmerksam und leistungsfähig. Als Folge davon häufen sich zum Beispiel die Verkehrsunfälle. Wie Landwirte berichten, leiden auch Tiere unter der Umstellung.“ Nicht zuletzt sei das Vor- und Zurückdrehen sämtlicher Uhren auch eine unnötige Belastung für Unternehmen, die zweimal jährlich Schicht- und Fahrpläne anpassen müssen.
Die Freien Demokraten wollen nicht die Sommerzeit abschaffen, sondern die Winterzeit. „Dank der Sommerzeit ist es abends länger hell“, so Duin, „und es bleibt nach Dienstschluss mehr Zeit für Freizeitaktivitäten unter freiem Himmel.“

Klar, „Winterzeit“. Das heißt natürlich Normalzeit. Aber wenn etwas normal ist, dann ist es schon arg revolutionär, es abzuschaffen. Und „arg revolutionär“  ist auch nicht so ganz die Kernkompetenz der FDP, auch wenn Liberalismus in unseren Zeiten geradezu nach Revolutionären verlangt.

Es ist ja nicht so, dass die FDP hier ganz alleine stünde. Weiterlesen

Terry Pratchett ist tot

Terry-Pratchett-c-David-Bird-280x300Sir Terry Pratchett ist tot. Das ist unsagbar traurig, auch wenn wir uns in aller Welt schon seit sieben Jahren darauf einstellen konnten. Vor sieben Jahren schon hieß es, er leide an Alzheimer und es werde keine Bücher mehr von ihm geben.

Das hat mich damals traurig gemacht und ich bin es heute noch. Seit der Nachricht vom Tod von Douglas Adams hat mich kein Tod eines Schriftstellers mehr so erschüttert. Das lag natürlich an seinen Büchern, denn persönlich gekannt habe ich ihn nicht, sieht man von einer Lesung ab, die ich das Glück hatte besuchen zu können.

Stellen wir uns noch einmal eine riesige Schildkröte vor, auf deren Rücken vier Elefanten stehen, die eine Scheibe tragen: Die Scheibenwelt. Nur Terry Pratchett konnte das so beschreiben, dass es weder albern noch konstruiert klang. Und wenn auf der Scheibenwelt die Kirche erbarmungslos alle Menschen verfolgt, die meinen, die Erde sei eine Scheibe, wo doch jeder weiss, sie ist eine Kugel, so hat man ein Bild im Kopf, das einen ein Leben lang nicht mehr verlässt. Dass man mit Trollen am besten im Kühlhaus diskutiert, denn nur dort sind sie intelligent, dass Ghoule ein Privatleben haben und dass der Schwarze Mann selbst von Ängsten geplagt ist, dieses Wissen verdanken wir ihm. Und eines der schönsten Wörter, die sich je jemand ausgedacht hat, ist das Inhumieren, eine Kunst, die von der Assassinengilde angewendet wird.

Bereits sein erstes Buch war grandios, da war er noch nicht berühmt, nicht einmal erwachsen. Es entstand aus der Überlegung, wie es sich wohl in einem Teppich lebt, wenn man winzig klein ist, und ist auf Deutsch unter dem Namen „Die Teppichvölker“ erschienen. Wenn die Helden von den roten Regionen zu den blauen wandern, wenn sie aus Angst vor etwas, das sich etwas wie ein Staubsauger anhört, abtauchen in die verfilzten Regionen, wo die Monster hausen, und wenn sie ein Kupfervorkommen abbauen, das sich bei näherer Betrachtung als Penny entpuppt, was aber den Protagonisten so unklar ist wie unglaubwürdig, dann wird klar, dass bereits dieses Buch allein für die Unsterblichkeit gelangt hätte.

Alle Helden bei Terry Pratchett sind auf eine unbeschreibliche Weise sympathisch, Hexen, Zauberer, sogar der Tod persönlich. Vermutlich haben sie das von ihrem Schöpfer geerbt.

 

Herakles oder Odysseus?

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Die Lage in Griechenland spitzt sich zu. Was dort nun genau hinter den Kulissen abgeht, wissen wir nicht. Was wir aber beobachten, ist eine beispiellose Verrohung der Sitten. Ein griechisches Regierungsmitglied namens Paraskevopoulos (Παρασκευόπουλος) sorgt derzeit für Unruhe, da er Forderungen an diejenigen stellt, die gerade noch die Retter in der Not gespielt haben. Ich rede von uns. Der deutsche Humor hält sich in Grenzen, sehr hilfreich ist es nicht, was dieser Mann da macht, ganz unabhängig von der Frage, ob denn nun nach siebzig Jahren immer noch Forderungen der ehemaligen Kriegsgegner geprüft werden sollen. Das kann man tatsächlich so oder so sehen, und eine eindeutige Position fällt schwer.

Zurück zum griechischen Justizminister. Nikos heisst der Mann mit Vornamen, nach der Siegesgöttin Nike, aber siegreich wird er kaum sein. Sein Namensvetter Theodoros Paraskevopoulos (Theodoros: Das Gottesgeschenk) berät unterdessen die SYRIZA in Wirtschaftsfragen, und so kommt es laufend vor, daß deutsche Medien die beiden verwechseln. Paraskevi heißt übrigens Freitag und Pouli ist das Küken. Freitagsküken? Paraskevazome (παρασκευάζομαι) heisst vorbereitet sein bzw. sich vorbereiten. So kommt mit dem (Backgammon-)Spielstein Pouli (πούλι, nur eine Betonung vom Vögelchen entfernt) eine beute Bedeutung und der Mann bereitet seine Spielzüge vor. Das passt besser, hilft aber beides Griechenland nicht weiter.

Langsam mache ich mir Sorgen um Herrn Tzipras. Weiterlesen

Netzneutralität

csm_server-bei-Nacht-querformat-Urheber-SpaceNet-AG_c5bbfb78bf„Netzneutralität“ – schon mal gehört? Vermutlich ja, aber wer weiß schon, worum es da geht? Liest man die Meldungen, erhält man ebenso schnell wie berechtigt den Eindruck, dass es vielen so geht: Kaum einer weiß, wovon wirklich die Rede ist. Das geht schon bei der Definition der Netzneutralität los – da gibt es nämlich keine neutrale Version.

Immer wieder gern genommen wird die Definition „Gleichbehandlung von Daten bei der Übertragung im Internet, unabhängig von Sender und Empfänger, dem Inhalt der Pakete und der Paketanwendung“. Das hört sich gut an. Das hört sich sogar so an, als ob es hier um Chancengleichheit ginge und dass, wer sich nicht daran hält, eine Art Digitalrassist oder schlimmer ist.

Datendiskriminierung und andere Mythen

Dem ist natürlich nicht so. Daten werden in den seltensten Fällen im Internet gleich behandelt. Das beginnt beim Sender: Gelangt ein (guter) Internetprovider zur Erkenntnis, dass sich gerade ein Angriff auf einen seiner Kunden vollzieht, so sperrt er, wenn möglich, die Senderadresse. Manuell oder automatisch, in jedem Fall aber nicht neutral im Sinne dieser Definition. Oder wir reden vom Inhalt der Pakete: Unsere Kunden bezahlen dafür, dass wir beispielsweise Viren in Datenpaketen „sehen“ und die Pakete verwerfen. Das ist schön für den Empfänger, aber sehr „diskriminierend“ für den Sender. Harmloser ist da schon die Paketanwendung: Ob eine Mail eine Sekunde früher oder später eintrifft merkt keiner. Aber bereits eine Verzögerung von 300 Millisekunden ist bei einer Telephonverbindung ein Mangel – im schlimmsten Fall versteht man den Partner nicht mehr oder das Gespräch bricht ab. Bei einem HD-Video, das gepuffert abgespielt wird, sind starke Schwankungen der Netzgüte völlig harmlos. Noch harmloser ist es, wenn der Film lediglich geladen wird, um später angesehen zu werden. Hier kommt es nicht einmal mehr auf Minuten an. Ganz anders wieder eine Videokonferenz: Hier sollte die Qualität nicht schwanken.

Ich denke, das klärt die Sache – es ist geradezu Merkmal eines guten Internetproviders, dass er das Netz optimiert. Verfolgt er damit keine wettbewerbsverzerrenden Absichten, ist alles in Ordnung. Dazu weiter unten jedoch mehr.

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Ich griech die Krise

800px-Flag_of_Greece.svgEs ist nicht auszuhalten. Ich habe ja schon viel zum Thema Griechenland geschrieben (hier, hier, hier oder neulich erst hier), durchaus ambivalent, aber nun sitze ich im ICE. Im Großraumwagen. Nein, kein Schimpfen über die Bahn heute, das wäre zu ermüdend und wir haben auch nur 15 Minuten Verspätung und der Zug fährt ja, trotz Streikgeschrei. Es ist viel schlimmer. Eine Reihe weiter sitzt ein Mensch mit unangenehmem Düsseldorfakzent, also „rheinisch ohne Freude am Leben“, und weiss alles zum Thema Griechenland. Nein, ich werde ihm nicht ins Wort fallen, nein, ich werde ihm nicht seinen Schal in den Hals stopfen oder ihn mit seinen eigenen Därmen erwürgen, oder welche Gewaltphantasien noch mit mir durchgehen mögen. Ich beschliesse also, still zu leiden. Der da spricht, ist kein dumpfer Stammtischler, der aus der Bildzeitung vorliest, oder einfach nur Dampf abläßt, sondern er ist, wie er auch erwähnt, ehemaliger Ministerialbeamter. Und ich befürchte, viele denken so wie der. Warum tun sie das? Weil sie recht haben? Ich bin nicht überzeugt.

Aber reden wir über das, was er sagt. Weiterlesen

Wie macht man Nazis?

oliver-welkeEs ist schon wieder einige Zeit her, aber die Sache will mir nicht aus dem Kopf. In der heute-Show vom 6.2. war ein kurzer Clip zu sehen, in dem eine Frau mit Petra-Pau-Frisur erstaunlicherweise sagte, sie wähle AfD, weil die NPD ihr doch zu extrem sei und die AfD eben die NPD „in nett“ sei. Optisch war das schon auffällig, die Frisur war links, der Rest AfD? Die Lösung ist simpel, das Interview war gewaltsam und sinnentstellend gekürzt. Sie hatte eigentlich vorher gesagt, es gebe in ihrem Dorf viele Leute, die rechter Meinung seien und die nun einfach sagten, sie wählten AfD weil usw. usw. Die Frau ist Mitglied bei der LINKEN und es ist nachvollziehbar, dass sie sich ärgert, von einem schnoddrigen Satireteam um 180 Grad gedreht zu werden. Sie veröffentlicht den Vorfall auf Facebook und die Stimmung kocht hoch. Erstaunlich: sobald jemand darauf hinweist, daß es sich bei der heute-Show um eine Satiresendung handle, wird er niedergemacht. Satire erlaube eine Überzeichnung, mehr nicht. Nicht jedoch eine Verdrehung des Sinns oder gar eine Fälschung.

So schnell sind die „Je suis Charlie“ – Bekenner also wieder verschwunden. Weiterlesen

Wahlversprechen

Unglaubliches ist passiert. Die Griechen haben keine Lust mehr, weiter am Hungertuch zu nagen. Klar, das führt zu Extremismus, und so paktieren die neuen Linken mit den neuen Rechten, also die SYRIZA (Die Koalition der radikalen Linken, ΣΥΡΙΖΑ) mit der ANEL (Die unabhängigen Griechen, ΑΝΕΛ), um endlich die alten Linken (Pasok, ΠΑΣΟΚ) und die alten Rechten (Nea Demokratia, ΝΔ) loszuwerden. Das ist nicht nur verständlich, das ist konsequent. Und überrumpelt wurde niemand – alles war ehrlich angekündigt. Es gab sogar eine Partei mit dem netten Namen „Bewegung ich zahle nicht“ (Κίνημα Δεν Πληρώνω) oder auch einfach nur eine namens „Nein“ (OXI). Die Griechen haben aber nicht diese monothematischen Wutbürgerbewegungen gewählt, sondern durchaus „echte“ Parteien.

Nun ist es aber so, daß unsere Definition von rechts und links in Griechenland nicht greift. Links von der Mitte gibt es eben die SYRIZA (36,34 %, 149 Sitze) und dann noch die Kommunisten KKE (5,47 %, 15 Sitze) und die tief gefallene PA.SO.K (nur noch 4,68 %, 13 Sitze). 151 Sitze braucht man in Griechenland, und die besorgte sich die SYRIZA nicht links, sondern eher rechts, bei der ANEL.

Rechtspopulisten! Weiterlesen