Alle Beiträge von Michael Kausch

Michael Kausch bloggt auch auf vibrio, Digisaurier, Travellers Insight, twittert unter www.twitter.com/michaelkausch, facebookelt hier und googelplusst hier.

wenn die elefanten träumen

elefanten

das kommt ja nicht alle tage vor, dass sich ibm, microsoft, siemens und sun in einer presseveranstaltung gemeinsam ihre visionen für die it bis zum jahr 2020 erzählen; so geschehen gestern auf einer „elefantenrunde“ zu der die münchner SYSTEMS-macher eingeladen hatten. das erstaunlichste aber ist, dass gar nicht so einfach auszumachen ist, welcher elefant denn jetzt eigentlich aus welchem stall kommt. so ähnlich klingen ihre aussagen, dass man den elefanten auch gerne die kollegiale leitung eines harmonieseminars anvertrauen möchte.

fassen wir nur mal die jeweils ersten sätze ihrer statements zusammen:

a) frank sawatzke, director of marketing and strategy bei ibm: „die ibm vision für 2020 in sachen it sieht global integrierte unternehmen“.

b) ralph haupter, business- and marketing-officer bei microsoft: „im jahr 2020 haben sich neue formen der zusammenarbeit in vielen unternehmen etabliert.“

c) thomas wiemers, vice president strategic marketing bei siemens enterprise communications: „2020 werden informations-, kommunikations- und collaboration-technologien zu einer integrierten form von it verschmolzen sein“

e) donatus schmid, director marketing und sprecher der geschäftsleitung bei sun micrososystms: „the network is the computer“ wird jedes Jahr mehr wirklichkeit.“

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wenn zwei messeveranstalter pitchen hilft nur ein killepitsch

killepitsch

eine hightech-messe in deutschland mit zweistelligen zuwachsraten? mit vollen gängen und ständen? mit zum bersten übervollen vortragssälen? mit immer mehr ausländischen ausstellern und besuchern? mit einem funktionierenden match making-system? gibts nicht? gibts doch! noch!

die „online marketing düsseldorf“ – oder kurz omd – war in diesem jahr (genauer: von gestern bis heute) ein tolles ereignis. alle waren sie ins killepitschland gekommen: microsoft, yahoo, google, tommorow focus, springer und und und. die qualität der speaker und aussteller war hervorragend.

die organisation war nicht immer befriedigend (schlangen an der registrierung). aber selbst das verströmte eher den charme der frühen aufbruchjahre unserer branche, als dass es ernstlich verstörte.

für blogger gab es einen eigenen bereich und journalisten wurden weitgehend von langweiligen pressekonferenzen verschont.

aber wie das so ist: man soll aufhören wenn es am schönsten ist. und die diesjährige omd wird es so wohl nie wieder geben. so ist das halt, wenn sich macher und gemachte in die quere kommen.

vor einigen wochen schon hat der bvdw (der „gemachte“) der omd seine weitere unterstützung gekündigt. der verband will im kommenden jahr in köln eine eigene messe zum thema online-marketing veranstalten. gegen die omd. mit weitgehend identischem konzept. kölsch gegen alt. aber die branche braucht eine zweite online marketing messe ungefähr genauso wie der kölner ein alt und der düsseldorfer ein kölsch. und so wird im streit zwischen bvdw und den omd-machern um alexander felsenberg (der „macher“) wieder einmal eine tolle deutsche messe mit internationaler ausstrahlung den bach runtergehen. entweder wandern die grossen vermarkter zum kölsch und die agenturen und lösungsanbieter bleiben beim alt und zwei provinzmessen sterben einen langsamen tod, oder einer von beiden gibt vorher auf. nach meinem eindruck könnten dies die düsseldorfer sein. einen killepitsch drauf!

Auf nach Düsseldorf

duesseldorf

44 Prozent mehr Aussteller als im Vorjahr – welche Messe kann zur Zeit schon solche Erfolgsmeldungen präsentieren? Die online-marketing-düsseldorf, die morgen ihre gar nicht virtuellen Türen öffnet, scheint sich in diesem Jahr endgültig zum Pflichttermin für alle Online-Profis zu entwickeln. Die Schwerpunktthemen: Mobiles Marketing, Vod- und Podcasts, Social Networking und In-Game-Advertising. Aufhorchen lässt auch die Ausstellerliste, die neben den üblichen Verdächtigen von 1&1 über Google und Microsoft bis Yahoo! auch große Provider und Player wie die Deutsche Telekom, freenet und Vodafone umfasst.

Spätestens am Freitag werde ich berichten, was Sie verpasst haben. Oder treffen wir uns? Vielleicht gar abends in der CIGARWORLDLounge in der Düsseldorfer Burghofstrasse? Denn wie heisst es so schön in der Art of Smoke: „Wenn Zigarre rauchen ein Gespräch mit den Göttern ist, dann ist die Cigarworldlounge die derzeit größte Kirche für ein Gespräch mit dem Herrn!“

ein brief von marcello: auf den spuren der ella czyslansky

ella

ella czyslansky, ca. 1878

kaum aus sardischen gefilden zurückgekehrt, erreichte mich gestern ein brief meines neuen freundes marcello umbria – siehe „czyslansky, obama, der sklavenhandel und die österreichische marine“ – mit einem weiteren sensationellen fund. il capitano ludovico czyslansky, von dem an anderer stelle hier schon berichtet wurde, hinterlies offenbar in triest eine tochter: ella czyslansky. diese ella eröffnete im jahr 1875 in der via della pescheria ein etablissement, welches seine erotischen dienstleistungen nur notdürftig hinter der bürgerlichen fassade eines fischlokals verbarg. sie führte das haus nach informationen meines freundes marcello bis zu ihrem tod im jahr 1932.

im sommer 1905 freundete sie sich mit einem ihrer gäste an. dabei handelte es sich um keinen geringeren, als den irischen schriftsteller james joyce, der in jenem sommer erstmals nach triest umgesiedelt war und dem kleinen unternehmen unserer ella zeit seines lebens die treue hielt, wie auch sie ihm in guten wie in schlechten zeiten die stange hielt. sie fütterte joyce in seinen eher kargen triestiner tagen durch, verstand sie sich doch aufs beste in guter alter österreichischer tradition vor allem auf kräftig-schwere süsspeisen. geradezu berühmt war sie für ihre schokoladengerichte.

trotz ihrer zahlreichen literarischen bekanntschaften galt ella auf grund ihres zweifelhaften berufslebens unter den czyslanskys stets als schwarzes schaf. unser czyslansky erfuhr als kind nur hinter vorgehaltener hand von der existenz einer italienischen „nutten-ella“, wie sie despektierlich von seinem vater genannt wurde – ein spitzname, den sie wohl schon von der triestiner „besseren gesellschaft“ verliehen bekommen hatte.

es blieb von ihr nicht viel übrig nach ihrem tod – vom rezept eines nuss-nougat-brotaufstrichs abgesehen, der – freilich in arger verballhornung – ihren spitznamen noch heute in aller welt bekannt hält.

die czyslansky-variante

schach

remis in 42 zügen (czyslansky reagiert mit schwarz)

es ist der einschlägigen fachwelt ja schon lange bekannt, dass czyslansky bereits in jungen jahren als überaus begabter schachspieler galt. in einer alten ausgabe der rumänischen schachzeitung „Revista Româna de Sah“ entdeckte ich jüngst einen hinweis auf die berühmte „czyslansky-variante“, mit der er angeblich am 23. märz 1946 den russischen schachgross- und weltmeister alexander alexandrowitsch aljechin in dessen letzter partie bezwang.

nach nur 32 minuten führte aljechins genialer zug bauer d2:d3 zu einer für den jungen czyslansky, der schwarz spielte, scheinbar ausweglosen situation (siehe oben). in den nächsten 42 zügen aber gelang es czyslansky dem russischen altmeister ein remis abzutrotzen (siehe anatoli karpow: die zwölf schönsten stellungen der schachgeschichte in 24 2d-grafiken. falk praxiswissen band 12). leider ging das wissen um die details der czyslansky-variante später verloren. sie gilt deshalb noch heute als schlichterdings unspielbar. von tigran petrosjan wurde nur der 27. zug überliefert, in dem czyslansky aljechins zug mit dem turm h3:f3 mit dem rösselsprung f4:d5 pariert (tigran petrosjan: wenn der bauer mit der dame. aus dem ukrainischen. unveröffentlichtes manuskript. o.o., o.j., zitiert nach „Revista Româna de Sah“ vom 27. februar 1963). nicht schlecht!

da sich unter den regelmäßigen lesern unseres czyslansky-blogs sicherlich zahlreiche passionierte schachspieler befinden, bitte ich hiermit um vorschläge für die 42 züge, die sich der oben dargestellten ein wenig unübersichtlichen ausgangssituation anschliessen könnten und letztlich zum erwähnten remis führten. vielleicht gelingt uns ja in dieser kleinen und feinen community eine rekonstruktion der sagenhaften czyslansky-variante. dann wäre eine weitere lücke in der rekonstruktion des lebenswerkes unseres verehrten czyslansky geschlossen.

czyslansky, obama, der sklavenhandel und die österreichische marine

Lloydarsenal

es war ein ebenso großer, wie glücklicher zufall, dass ich während meines diesjährigen urlaubs an einem sonnigen mittwochnachmittag im wunderschönen antico caffè am piazza constituzione der sardischen hauptstadt cagliari saß, traf ich doch dort auf die überaus eindrucksvolle gestalt eines mannes in den gehobenen 70igern, die „la nuova sardegna“ unter einem, die „europeo“ unter dem anderen arm. ich kam mit ihm schnell über die qualität des dargebotenen marrocchino ins gespräch und es stellte sich alsbald heraus, dass es sich bei meinem gegenüber um keinen geringeren, als den unter den archivaren der welt hoch gelobten marcello umbria handelte, den ehemaligen leiter des museo del mare trieste, des ebenso wunderbaren, wie leider noch allzu unbekannten triestiner marinemuseums. vor jahren schon war ich bei einem besuch dieses ehrenwerten hauses auf die lange tradition der österreichischen seeschifffahrt aufmerksam geworden, auf maritime helden wie josef ludwig franz ressel, einem österreicher, dem die erfindung der schiffsschraube zu verdanken ist, und dem im erwähnten museum zu recht ein ganzer raum im obergeschoss des hauptgebäudes gewidmet ist. im laufe einiger gläschen vorzüglichen vernaccia di oristano kam mein freund, wie ich ihn heute nennen darf, marcello auf ein thema zu sprechen, bei dem ich im gedenken an unser schönes czyslansky-projekt spontan die ohren spitzte: die geschichte des österreichischen sklavenhandels.

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alle lieben emily

emily

der SPIEGEL träumte gestern online von einer fortsetzung von CASABLANCA, natürlich mit humphrey bogart in der hauptrolle. möglich sei dies durch eine neue technologie, die es nun erstmals erlaubt virtuelle menschen wirklich fotorealistisch in hd-qualität zu „bauen“ und zu animieren. dabei geht es um das sogenannte „emily project“ des amerikanischen spezialisten von image metrics. mit emily wurde dort eine virtuelle frau geschaffen, deren mimik nicht mehr durch eine definierte anzahl von messpunkten auf den gesichtsvorlagen von schauspielern definiert wird. für emily wird die bewegung jedes bildpunkts aus dem abgefilmten portrait einer schauspielerin auf das gesicht emilys überragen. vom erschreckend echten realitätseindruck kann man sich in einem mustervideo einfach überzeugen.

affiliate marketing spezialist Josh Todd träumt angesichts von emily nicht vom schmachtenden bogart, sondern von der zukunft des online marketing. dabei gab es eine – jedenfalls in ihrer zielrichtung – ganz ähnliche entwicklung auch bis vor wenigen jahren in deutschland: unter dem label voxar entwickelte ein team um den deutschen animationsexperten winni obermüller eine software, die es erlauben sollte, aktuelle gesichtsmimiken zu erkennen und in echtzeit auf andere gesichter zu übertragen. die entwickler träumten von einer vermarktung an telefonsexagentinnen, die – in der realität wohl zumeist hausfrauen über vierzig! – per software zum model gestylt ihre dienste künftig über ip-tv  vermarkten könnten. leider ging voxar frühzeitig das geld aus und der erste und einzige kunde, der die technologie zum einsatz brachte waren münchner polizisten. diese testeten die software in einem pilotversuch zur erkennungsdienstlichen behandlung bei der sichtung von videoaufnahmen von demonstrationen …

na ja – vielleicht lassen sich ja mit emily-technik künftig auch die demonstrationen virtualisieren und man kann so den bayerischen beamten ein schnippchen schlagen. man stelle sich vor: 5.000 emilys, bogarts und marilyns protestieren auf münchen.de gegen bush. und beck könnte es als obama verkleidet zum kanzler schaffen. und tim im hohen alter nochmal in den playboy channel. here is looking at you!

vom fernsehprogramm zum waschprogramm – die IFA wächst und wäscht

bosch

die „internationale funkausstellung“ ist tot. die ifa aber lebt weiter: als lifestylemesse für alles, was einen stecker hat. mit der integration weißer ware finden in diesem jahr erstmals auch hersteller wie aeg und bauknecht ein trockenes plätzchen in den berliner messehallen. und was gibt es nicht alles prächtiges anzuschauen: vom kühlschrank mit 17zoll-lcd-glotze und integriertem dvb-t-tuner von siemens und dem neuesten staubsauger von bosch (siehe bild) bis zu „50 jahre AEG waschmaschine lavamat“. wie textet faz.net so schön: „trommel trifft scheibe“.

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massenentführung im web 2.0

twitterspam

techcrunch berichtete gestern von einer neuen spam-alternative: erstmals sind nicht mailsysteme betroffen, sondern twitter. so verfolgen bereits 7.000 unschuldige zwangsstalker johng77536, mehr als 9.000 sogar jpmogan.

das web 2.0 verliert seine unschuld.

siehe auch http://www.techcrunch.com/2008/07/27/who-is-johng77536-and-how-did-he-game-twitter/ und http://upload-magazin.de/?p=987.

tim cole zieht sich für den französischen playboy aus

ich weiss, die überschrift verspricht wieder einmal mehr, als dieser kleine eintrag halten kann. doch bin ich auf dieses erratische versprechen gestossen, als ich heute morgen bei arbeitsbeginn – den tag beginne ich meist mit kleinen fingerübungen am netz – ein kleines phantastisches tool, das eigentlich zur vorbereitung von brainstormings entwickelt wurde, austestete: http://www.oamos.com/

dabei handelt es sich um einen kleinen automaten. man gibt oben einen begriff oder eben einen namen ein – ich habs mit „tim cole“ versucht, und die maschine gibt einem seltsame fundstücke aus dem netz zurück: texte, bilder, töne. die innere logik – oder ist es ein zufallsgenerator? – der maschine gab mir dann eben jenes grauenhafte versprechen zurück, das ich als überschrift dieses kleinen tipps nicht verschmähen konnte.

oamos ist ein werkzeug das spass macht. man darf nur nicht allzu schreckhaft sein. probieren sie’s doch einfach mal aus.