Alle Beiträge von Alexander Broy

Künstler, Autor und Internet-Professional

Hörtipp: Pokey LaFarge

Pokey LaFarge VinylPokey LaFarge, geboren 1983 in Illinois könnte man etwas bösartig als eine Art Hill-Billy Max Raabe bezeichnen. Auch er scheint ganz in der Musik und dem Lebensstil der 20er Jahre aufzugehen, nur eben irgendwie Middle-West. Stets topp gekleidet ob in Raw Denim oder Anzug, schrille Krawatten, Einstecktuch und Hut, wie direkt aus HBO Serie Boardwalk Empire für die er tatsächlich einmal mit seiner Version des “Lovesick Blues” den Soundtrack beigesteuert hat. Weiterlesen

Czyslanskys Bettlektüre #3

Wenn man in einem so hochintellektuellen Blog wie diesem schreiben soll, welche Bücher man gerade liest (natürlich sind es gleich mehrere) dann kommt man so ins Grübeln. Soll ich tatsächlich ehrlich sein und mich öffentlich zur Armut meines eigenen Geistes bekennen, in dem ich tatsächlich aufrichtig bin? Oder ist auch ein wenig Blendwerk und Angeberei erlaubt. Übertreibt nicht jeder ein wenig, wenn er sich im Internet und vor allen in den Social-Media-Kanälen darstellt? Warum soll nicht auch ich ein wenig schummeln? Die Leseliste könnte so etwas wie der Wonderbra des (Pseudo)-Intellektuellen sein. Hebt den schlaff gewordenen Geist ein wenig in die Höhe, verpackt in geschickt …

Also ich lese gerade James Joyce Ulysses im englischen Original und vergleiche ihn synoptisch nebenher mit der Homer-Fassung – natürlich auch im Original – zur Entspannung ab und zu den „Mann ohne Eigenschaften“ oder wenn ich partout nicht einschlafen kann, dann schmökere ich in meinem Kurt Schwitters Gesamtwerk …

So viel zur Legende, also zu dem Alexander Broy, als der ich gerne gesehen würde, der „echte“ liest zur Zeit gar kein Buch, sondern ein iPad. Sie wissen schon, das Serviertablett der Familie Cole.

Vor vielen Jahren schon, habe ich Bücher zu Grundnahrungsmitteln erklärt und die Familie kauft nach Lust und Laune Bücher, auch auf meinen Familien-Kindle-Account. Das heisst die Effi Briest von der Oma findet sich neben den Teenage-Vampier-Hexen-Alien-Liebesschnulzen meiner Tochter – alles auf meinem iPad. Und ich? Ich lese das im Grunde auch alles, ein Teller Buntes … Ich zahl es schliesslich auch  … Aber am liebsten mag ich die Klassiker, die Bücher, die ich gratis bekomme. Ausserdem liebe ich es, mir vorzustellen, was zum Beispiel Joseph Roth, dessen „Savoy Hotel“ ich  aktuell lese (stimmt jetzt wirklich) , für Augen machen würde, sähe er mich seine Werke auf so einem Zaubertablett lesen … Henry Bloomfield hätte die Erfindung bestimmt gefallen, der war ohnehin der Urvater des Innovations-Venture-Capitals und hätte sich mit Steve Jobs sicher gut verstanden …

Hörtipp: Zigeunermusik aus Niederbayern

Czyslansky ist vermutlich der einzige Blog der noch „Neger“ und „Zigeuner“ usw. schreibt und zwar, weil – wenn – dann nicht Worte, sondern Menschen diskriminieren. Nachweislich stehen Czyslansky und seine Jünger jedoch seit Jahrzehnten in der Tradition niemanden wegen seiner Religionsangehörigkeit, ethnischer Herkunft, sexueller Ausrichtung o.ä. zu diskriminieren, sondern immer nur wegen Blödheit, Arroganz und Rückgratlosikeit, dann aber g’scheit!

Was die Zigeuner angeht gibt uns – hartnäckig immer alles und jeden beim Namen Nennenden – Rolf Bauerdick in seinem neuen Buch Zigeuner recht. Sie gutmenschen-angeblich-politisch-korrekt „Sinti und Roma“ zu nennen ist schlichtweg falsch und blöd und deswegen nach unseren Statuten diskriminierungswürdig. Verwendet wird dieser Doppelausdruck, den Bauerdick sinngemäss mit „Deutsche und Bayern“ vergleicht, also per se schon beknackt ist, weil eine Teilmenge mit der Gesamtmenge gleichgesetzt wird, von Leuten, die vermutlich nicht mal in der Lage sind, den Singular dieser Wortschöpfung zu bilden. Die meisten Zigeuner nennen sich Zigeuner und das nicht ohne  Stolz, sagt Bauerdick und er ist damit nicht alleine. Dem Wort Zigeuner weht Romantik, Wildheit, Sehnsucht, nach … Nur weil die Nazis diesen Begriff in den Dreck gezogen haben, ist er deshalb noch nicht schlecht. Die Juden haben sich nach der Shoa auch nicht umbenannt, warum auch …
Das Kinderbuch von Enid Blyton heisst jedenfalls jetzt nicht mehr „Fünf Freunde und ein Zigeunermädchen“ sondern irgendwie anders, ich hab’s vergessen ist ja auch Wurscht.

Spätestens nachdem ich die Website für den Film“ The Man Who Cried“ mit Johnny Depp erstellt habe, bin ich durch den Soundtrack angefixt, den ich für einen der Besten überhaupt halte. Ich bin ein absoluter Fan von Zigeunermusik. Jammernde Geigen sind das Höchste für mich.

Meine neueste Entdeckung möchte ich mit euch teilen, liebe Leser: Django 3000 – Das sind niederbayrische Zigeuner und machen Balkanbeats vom allerfeinsten. Vor ein paar Wochen konnte ich die vier auf einem Livekonzert in Augsburg erleben – Der Saal hat getobt, aber hört und seht selbst.

Gender und Gentleman

Liebe „Männer“ und liebe Jungs, werdet ihr gerade von einer immer unangenehmer werdenden „Gender-Diskussion“ heimgesucht?

Als Jugendlicher in den 80ern habe ich mich – Kind meiner Zeit – natürlich mit dem Feminismus beschäftig, habe Alices kleinen Unterschied gelesen, den Tod des Märchenprinzen und noch mehr der damaligen „Feministische Literatur“ und fühlte mich eigentlich gut unterhalten. Irgendwann habe ich dann meine Mutter – eine zweifellos echte „Dame“ – gefragt, warum sie sich nicht um Feminismus und Gleichberechtigung bemühe. Sie antwortete lakonisch, sie sei doch nicht verrückt und verzichte freiwillig auf ihre vielen, wunderbaren Privilegien. Das leuchtete mir ein. Sie arbeitete genau das und so viel sie wollte, erfüllte natürlich ihre Pflichten, aber ansonsten tat sie genau das wozu sie Lust hatte und so verbrachte ich viele vergnügliche Stunden meiner Kindheit in der Innenstadt beim Dallmayer oder im Caféhaus. Ihr Mann, mein Vater, las ihr die Wünsche von den Augen ab und wenn er dies einmal übersah, erfüllte sie sich diese eben selbst, immer mit Maß und Respekt vor seiner Person und seiner Leistung als Haupternährer.

Von ihr erzogen, verwundert es vermutlich nicht, dass ich weitgehend vom Aufbegehren der unterdrückten Frauenwelt verschont blieb. Gab es je eine Genderdiskussion, während man einer Dame die Tür aufhielt, in den Mantel half, oder sie zu einem Cocktail nach einer schönen Abendveranstaltung einlud? Sicher nicht.  Es ist eben immer eine Frage gegenseitigen Respekts. Für den Gentleman ist der Respekt einer Dame gegenüber selbstverständlich, anders herum sollte man sich den Respekt aber verdienen.

Wie kann ich erwarten respektiert zu werden, wenn ich unaufmerksam, stoffelig in kurzen Hosen und Trekkingsandalen durch die Welt latsche? Wenn ich mich mit Mitte 40 noch wie ein Teenager kleide? Werde ich als Mann oder gar „Herr“ ernst genommen, wenn ich die 270m zum Kindergarten mit Helm auf dem Fahrrad zurück lege? Wenn ich klaglos die Werbeblöcke des Unterschichten-Privatfernsehens über mich ergehen lasse? Wenn ich ein Auto fahre, für das ich ein gesamtes Jahresgehalt hinblättern musste und von dem ich durch einen enervierenden Piepton zum anschnallen gezwungen werde, auch wenn ich nur eben zum Briefkasten fahre? Wie wird mich die Damenwelt wohl beurteilen, wenn ich statt Blumen, Plastik-Tand von NKD und Tschibo mitbringe?
Viele brave Männer putzen Samstags mit der Liebsten, gemeinschaftlich in Jogginghose, die Wohnung. Das ist ja im Prinzip löblich – also das gemeinsame Putzen – aber völlig unnötig. Ein Herr beschäftigt eine Haushaltshilfe, selbstverständlich mit Sozialversicherung und Urlaubsanspruch, und führt seine Dame Samstags lieber zum Frühstücken aus. Aufmerksamkeit statt Gleichschalterei.

Und an unsere Leserinnen gerichtet mein Appell:
Heiratet einen richtigen Mann, erzieht eure Söhne zu Gentlemen und ihr bekommt mehr, als ihr je mit Feminismus, Gender-Wahnsinn und sonstigem Terror erreichen könntet.

Apotheken, wozu genau gibt es die noch?

Möglicherweise bin ich etwas vorbelastet als Kind von Heilpraktikern und Enkel eines Naturheil- Biochemie-Homöopathie-Herstellers und nicht immer ganz objektiv … Zugegebenermaßen wirke ich vielleicht auch etwas spleenig wenn ich im Tweedanzug in eine Apotheke gehe und ein Fläschchen Lebertran verlange. Ich bin halt „oldschool“ und will keine Kapseln sondern richtig ekligen Lebertran. Vor dem Frühstück ein Löffelchen Dorsch für die Kinder und mich, danach ganz schnell Orangensaft hinterher… Kindheitserinnerung und sehr gesund. Die Isländer schwören darauf; nicht nur wegen der Vitamine, die uns in der dunklen Jahreszeit fehlen, sondern auch als Mittel gegen die Winterdepression und DIE müssen es ja wissen.

Lebertran gibt es in der Apotheke nicht, sondern nur Kapseln und als ich starrsinnig auf Tran bestehe, heisst es, der würde so schnell ranzig, deshalb füllen sie ihn nicht mehr ab. Tatsächlich schlägt mir die Verkäuferin vor, einen ganzen Liter zu nehmen, den könnte ich haben … 1 Liter Lebertran? Also so viele Kinder habe nicht mal ich und so viel Hass am Frühstückstisch halte ich nicht aus (über die 3-4 Jahre, die ich mit einem Liter Tran auskäme).

Einen Hustensaft nach dem Rezept meines Vaters zubereiten zu lassen, habe ich längst aufgegeben. Vermutlich wüsste die Arzneimittelverkäuferin gar nicht mehr was ein Dekokt ist. Einen Tee bekomme ich natürlich auch nicht mehr gemischt und wenn dann nur säckeweise.

Die anderen obskuren Naturheilmittelchen, die ich noch haben will, muss sie natürlich auch bestellen, aber das ist ja normal und auch nicht so schlimm, geht ja schnell. Ich habe dann noch kurz gefragt, ob es nicht frustrierend ist, fünf Jahre lang Pharmazie zu studieren, um dann nur kleine Päckchen zu verkaufen und bin gegangen.

Den Lebertran, meinen Naturheil/Kurpfuscherkram, Hustensaft etc. habe ich, zurück im Büro, gerade im Internet bestellt und dabei 17 Euro gespart …

Das war mein letzter Besuch in einer Apotheke, es ist eine traurige, arme Welt geworden, aber sagt nicht, ich hätte es nicht wenigstens versucht …

Ich bin bald nicht mehr Papst, schade …

Also ich war eigentlich gerne Papst. Na ja nicht richtig im Vatikan mit Häubchen, roten Slippern und so, sondern eher im Sinne der BILD Zeitung. Da war ich eben Papst, weil ich Deutscher bin und vor allem auch Bayer. Auch als Protestant war ich gerne Papst. Mia san halt mia und dazu gehörte es auch, Papst zu sein.

Am 28. Februar tritt „Uns Ratze“ also zurück. Aus Altersgründen und Angela zollt ihm dafür ihren Respekt, habe ich gelesen, fein. Schön von ihr.  Meinen Respekt hat er auch, ist halt ein anstrengender Job und bei Rente mit 85 gilt man bei uns „noch“ nicht als Frührentner. Ihm sei es gegönnt: „Pfiad di, Bene!“

Aber was kommt jetzt? Wer wird der Nächste? Müssen wir uns nach einem Polen und einem Bayern jetzt wieder auf Äonen von Italienern auf dem heiligen Stuhl einrichten? Nachdem ja grundsätzlich jeder Katholik zum Papst gewählt werden kann, habe ich ein wenig Angst, dass es Berlusconi werden könnte. Er hat Geld und Macht, ist Italiener, im richtigen  Alter und Bunga-Bunga-Päpste gab es auch vorher schon im Vatikan.

Ich fände es ja mal schön, wenn es eine Frau würde. Eine Päpstin, das hätte doch was, oder? Eine Bayerin fällt mir jetzt keine ein, aber auch ein Neger könnte doch mal Papst werden. Am besten gleich eine Negerin, was meinen Sie?
Aber das ist alles recht unwahrscheinlich, da wird eher ein Sozi bayerischer Ministerpräsident, oder ein Franke – oh das hatten wir doch sogar schon mal, zumindest kurz …
Dann doch lieber einen Franken als Papst, dann wäre ich wenigstens wieder ein bisschen Papst – als Bayer …

 

 

Äpfel Teil 2

Zu einem so hoch brisanten und aktuellen Thema wie „Äpfel“, sei es mir erlaubt einen kurzen 2. Teil zu bloggen. Ein Leser meines Blogs (www.broy.de) war so freundlich mir ein paar Kostproben aus seinem eigenen Garten zu Forschungszwecken zur Verfügung zu stellen. An dieser Stelle möchte ich mich dafür ganz herzlich bedanken.

In einem sterilen Raum und unter Laborbedingungen habe ich daraufhin einige wissenschaftliche Tests durchgeführt und – wie sollte es auch anders sein – einige weltbewegende Erkenntnisse, wie sie es eben nur in der Czyslansky-Forschung geben kann, gewonnen.

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Geheimakte Kanaris – Entschlüsselt

Das letzte Wochenende kann man ohne Übertreibung als – zumindest für die Czyslansky-Forschung – unbedingt denkwürdig bezeichnen. Als ich die Hinterlassenschaften einer ehemaligen Studienkollegin des großen Denkers sichtete, machte ich einen wahren Sensationsfund. Mir fielen zwei Medaillen in die Hände, die das letze Puzzleteil eines der grossen Geheimnisse Czyslanskys darstellen: Eines Geheimnisses, an dem ich seit einem halben Jahrzehnt schon forsche, ohne bisher auch nur einen einzigen klitzekleinen Schritt vorangekommen zu sein, was in der Czyslansky-Forschung an sich noch nicht ungewöhnlich ist – also dass man nicht weiterkommt.

Bekannt war bisher nur, dass Czyslansky während des 2. Weltkrieges Leiter eines geheimen Forschungsprojektes war, welches sich mit Kampf- und Giftgasen beschäftigte. Dass man einen Mann wie ihn mit so etwas betraute, ist bei seiner Expertise als einer der letzen Universalgelehrten nicht weiter verwunderlich. Dennoch passt die schnöde Erfindung eines Giftgases so gar nicht in das Bild, welches wir vom sensiblen und hintersinnigen Forscher haben. Dieser Widerspruch ließ mich nicht los und ich begann dem Mysterium auf den Grund zu gehen.

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Äpfel

Jahrzehnte, vielmehr Jahrhunderte hat sich der Mensch stetig bemüht durch geschickte Zuchtauswahl – und neuerdings sogar mit Gentechnik – Nahrungsmittel in seinem Sinne zu verändern. Er züchte aus Wölfen Yorkshire-Terrier und aus Gräsern Korn, aber die größte Errungenschaft angewandter Genetik stellt zweifelsfrei dar, dass jetzt alle Äpfel scheisse schmecken!

Früher, als bekanntlich alles besser war, nahm man sich einen x-beliebigen Apfel und er schmeckte – was zugegebenermaßen etwas profan war – nach Apfel.
Für die jüngeren unter den Lesern, die das nicht mehr wissen können, süß und zugleich sauer und saftig. Beim „kräftig zubeissen“, konnte man nicht nur zuverlässig eine mögliche Paradontose diagnostizieren, sondern auch ein lautes Knacken hören.

Nun gelang den Genetikern, Züchtern und Obstbauern in mühevoller Arbeit das Wunder, sämtliche Apfelaromen aus diesem Obst herauszuzüchten. Gleich in welchen Apfel man hineinbeisst, er schmeckt nach Nichts. Das gilt sowohl für die Bio- und Ökoäpfel, als auch für Grannys, Ladys, Braeburns. Sie alle haben dieses gewisse „Nichts“, was wir von den 5kg Tüten Bodenseeäpfeln vom Baumarkt kennen, wobei ich diesen nicht Unrecht tun will, sie sind schliesslich nicht für den menschlichen Verzehr gedacht, sondern zum Dämmen, Versiegeln und Beschweren.

Vermutlich – aber ich will nichts behaupten, was ich nicht beweisen kann – haben sie auch alle Vitamine herausgezüchtet. „An apple a day, keeps the doctor away“ ist vermutlich nur noch für CSU und FDP gültig – also ich meine: „the doctor away!“

Anyway, der Apfel, der einst den Ausweg aus der nicht selbstverschuldeten Unmündigkeit des Menschen darstellte, ist nicht mehr geeignet, irgendjemanden in Versuchung zu führen.
Bin ich paranoid, wenn ich einen Plan fundamentalistischer Christen hinter der Entgeschmackisierung des Apfels vermute? Wie perfide, es mit dem Know-how des Mönches Gregor Mendel zu tun. Müssen wir, wenn der Apfel schliesslich ein perfektes Aromenvakuum ist (so wie das Universum vor dem Urknall), wieder zurück in Gottes Paradies, um endlich wieder einen leckeren Apfel zu bekommen?

 

Über Verleihnix, Horst und das Micro-Kreditwesen

„Nie wieder verleihe ich Geld“, wie oft habe ich mir das schon vorgenommen, spätestens seit dem mir mein damaliger Freund Horst einen ordentlichen vierstelligen Betrag nie mehr zurückgezahlt hat. Geld schadet der Freundschaft, nicht zurückgezahltes Geld noch mehr. Es war ein riesiger Fehler, fast schon ein Trauma, was Horst mir da beschert hat und was mich zu einem knickrigen Geizhalz werden lies. „Solange Horst mir mein Geld nicht wiedergegeben hat, verleihe ich nichts mehr“, waren immer wieder meine ablehnenden Worte, wenn es um die Anfrage eines Privatkredits ging. Böse Menschen behaupteten, dass mein Fehler nur darin bestanden hatte, einem „Horst“ was geliehen zu haben. Man sage nicht umsonst „Du Horst“ zu einem der nichts geregelt kriegt.

Wie auch immer, ich würde diese Zeilen nicht schreiben, wäre ich mir selbst nicht untreu geworden. Ob es die Zeit war, die meine Wunden heilen lies, ich weiss es nicht, jeden Falls verleihe ich wieder Geld und zwar an viele Menschen.

Der Unterschied ist nur, dass es weniger Geld ist, dass ich meine Schuldner gar nicht kenne und das sie definitiv nicht Horst heissen. Sie heissen vielmehr Rosa Maribel, John, Easther … und sind lauter Leute, die ganz weit weg wohnen. Es sind NegerAfrikaner, Indios, Uzbeken und Philipinos und sie brauchen alle einen Kredit, weil sie sich selbständig machen wollen oder ihr Geschäft vergrößern möchten. Sie investieren und fahren nicht wie Horst für mein Geld mit der Familie in Urlaub.

Und noch eines ist anders: „Sie zahlen ihren Kredit zurück“ und das sogar ziemlich pünktlich.

John, zum Beispiel, hat sich eine Haarschneidemaschine für seinen Barbershop (Irgendeine Strohhütte mitten in einer afrikanischen Steppe) zulegen wollen und ich habe ihm 25$  geliehen und nach ein paar Tagen hatte er ein paar Hundert Dollar beisammen und rasiert jetzt den halben Busch … oder so, jedenfalls habe ich meine 25$ zurück und gebe sie jetzt Rosa, die sich eine Schubkarre für ihren Fischversand im philippinischen Urwald (oder so) kauft.

Das Portal, was meine Microkredite vergibt heisst: KIVA http://www.kiva.org und es sei euch wärmstens empfohlen. Es macht Spass dabei zu sein, wenn Leute ihren Arsch hochbekommen auch oder gerade weil sie am Ende der Welt wohnen. Man kann ihre Profile lesen, Fotos schauen und sich freuen, dass man ihnen helfen kann ihr Leben zu gestalten und ihre Familien zu ernähren. Und das Beste ist, es gibt auch eine iPhone App, mit der man auch von Unterwegs schauen kann, ob sie alle brav zurück zahlen und dann geht es wieder los …

Ich hör jetzt auf zu schreiben und verteil mal wieder ein paar Dollars in der Welt, aber gleich welch tolle Geschäftsidee ein noch so kreditwürdiger Mensch aus Takatukaland oder Hinterostbatschakistan hat, wenn er Horst heisst, kriegt er von mir nix.