Alle Beiträge von Christoph Witte

Christoph Witte bloggt auch auf Wittes Welt

Komplette Lebensgeschichte via App

Diese Digitalisierungsgeschichte spielt auf der kleinen Insel Tory Island. Sie handelt von einem kommunikativen Abenteuer zwischen einem älteren japanischen Gentleman und einem jüngeren irischen Hotelmanager. Der eine spricht kein Englisch und der andere kein Japanisch. Trotzdem haben sie sich bestens verstanden.

Foto: Breandán Ó Nualltáin/flickr

Foto: Breandán Ó Nualltáin/flickr

Tory Island ist eine nur 4 Kilometer lange Insel vor der irischen Nordwestküste. (Überfahrt von Magheroarty, County Donegal) Die 180 Bewohner sprechen noch fließend gälisch (irish), es gibt keine Polizei, aber ein Hotel, zwei kleine Läden, einen Leuchtturm und riesig hohe, zerklüftete Klippen, einige naive Maler und gefühlt 1 Million wilde Kaninchen.
Weil wir begeisterte Irlandfahrer sind und von der irischen Westküste nicht genug bekommen können, haben wir vor 2 Wochen auf Tory Island übernachtet – im einzigen Hotel der Insel, im Harbour View Hotel. Die Bar des Hotels ist der soziale, gesellschaftliche, musikalische und auch in fast jeder anderen Hinsicht Mittelpunkt des Insellebens.
Über einem Pint Guiness kamen wir mit Pad, dem Hotelmanager, Barkeeper und ehemaligem Hochseefischer ins Plaudern, über Tory, über die Menschen im Allgemeinen und über Hotelgäste im Besonderen. Vor einigen Wochen, erzählte Pad, sei ein älterer Japaner zu Gast gewesen. „Er sah aus wie 60, war aber 88 und sprach kein Wort englisch.“ Man verständigte sich zunächst über Gesten. Grundbedürfnisse wie Essen, Schlafen, Trinken etc. lassen sich ja so relativ leicht vermitteln. Bei den höheren Kommunikationsformen wird es dann allerdings schwieriger. Deshalb lud sich Pad eine Übersetzungs-App aus dem Netz und fragte den Mann via iPhone, was ihn nach Tory Island verschlagen hat.
Pad hat uns das vorgemacht (die App kann auch vom Englischen ins Deutsche übersetzen). Dazu redet er auf Englisch ins Handy, hält uns das Gerät ans Ohr und nach einigen Sekunden, bringt die App tatsächlich die gesprochene Übersetzung. Nicht perfekt natürlich, aber gut genug. Mit dem Japaner habe das nicht immer geklappt. Weiterlesen

Von Harrison Ford bis Lady Gaga – Anmerkungen zum Weltmännertag (6)

Czyslansky-Mann

Heute ist internationaler Männertag. Ich habe bisher von der Existenz dieses – was eigentlich? Gedenktages? Freudentages, Trauertages? – nichts gewusst. Habe in fröhlicher Unkenntnis und Bewusstlosigkeit mein Dasein als Mann gefristet, nicht gewahr, dass meinem Geschlecht schon ein Tag angewiesen ist – ähnlich wie bedrohten Arten, Randgruppen oder auch Frauen. Seit 1999 (Danke, Wikipedia) gibt es den Tag schon. Eingeführt in der Karibik (wahrscheinlich unter Abrauchen einer dicken Tüte) und inzwischen von der Unesco anerkannt (wahrscheinlich ohne Tüte). Weiterlesen

Warum reden eigentlich immer alle von Informationstechnologie geredet?

Wie lässt sich die IT in Unternehmen in Zukunft am besten steuern? Während einer Diskussion zu diesem Thema, stellte jemand eine spannende Frage: Warum reden in Anwenderunternehmen eigentlich alle von IT? Warum wird die Arbeit des CIOs und seines Teams gemeinhin als Informationstechnik bezeichnet, wenn sie doch die Technik in erster Linie benutzen, um Prozesse zu unterstützen, Daten zu analysieren oder Informationen zu verarbeiten. Das ist ungefähr so, als wenn man einen Lehrer als Tafelmanager bezeichnete oder einen Wissenschaftler als Füllfederspezialist.
Zwar gehört das Funktionieren von Hardware, Software und Netzen auch zum Verantwortungsbereich der Informatikabteilung, aber in Zeiten des Service- und Cloud-Paradigmas kümmern sich immer öfter Hersteller und Service-Provider um das Funktionieren der Technik. Viel wichtiger für die Unternehmen ist doch, was auf Basis dieser Technik bereitgestellt wird: Informationen, Daten, Wissen, Abläufe und zunehmend auch digitale Produkte. Weiterlesen

Gefühlter Beschiss bei hotel.de

Eigentlich weiß ich ja, dass man als Reisender immer aufpassen muss, nicht über den Tisch gezogen zu werden. Andere Länder, andere Sitten etc. Aber dieses Mal passierte es recht unerwartet mitten in Deutschland, genauer gesagt spielte sich ein Teil der Geschichte in Bonn und ein anderer Teil im Web ab. Wohlgemerkt, es handelt sich hier nicht um Betrug im rechtlichen Sinne, sondern eher um gefühlten Beschiss. Das schmerzt deshalb so sehr, weil ich eigentlich selbst schuld bin.
In vollem Bewusstsein, mein Bloggerprivileg zu missbrauchen, hoffe ich (zaghaft) zwei große Wellen auszulösen: eine solidarische, die mir das widerfahrene (subjektive) Unrecht versüßt und eine zweite Welle der Entrüstung (eine Flut wäre mir noch lieber) gegenüber dem absolut (subjektiv) unfairen Verhalten des Hotelbuchungsportals hotel.de (Ich entschuldige mich an dieser Stelle schon einmal im Voraus für die unjournalistische häufige Namensnennung dieses (subjektiv) schändlichen Portals hotel.de. Ich möchte unbedingt, dass der Googlebot diesen Text als relevant einstuft und ihn immer dann anzeigt, wenn jemand Gutgläubiger nach einem Hotelbuchungsportal sucht und auf hotel.de stößt. Weiterlesen

Das Orakel der IT-Industrie

Manchmal frage ich mich, ob Gartner die größte Marketingmaschine der IT-Industrie ist, oder tatsächlich so viel Weitblick haben kann, dass seine Analysten Trends bereits im embryonalen Stadium erkennen, an deren Realisierung sich die IT-Szene teilweise noch über Jahre und Jahrzehnte abarbeiten muss: Nicht self fullfilling prophecy, sondern Gartners fullfilling prophecies. Zumindest bei Service orientierten Architekturen (SOA) und in noch größerem Maße bei Cloud Computing hat es funktioniert. Auch Begriffe wie Realtime Enterprise haben dank Gartner beachtliche Karrieren gemacht und viele Investitionen verschlungen.
Jetzt versucht Gartner sich gerade am nächsten großen Wurf: Die „Personal Cloud“ so die Auguren in ihrer neuesten Mitteilung würde ab 2014 den Personal Computer als Zentrum des digitalen Lebens ablösen. Wie genial ist das denn?! Weiterlesen

Lobbygruppe der Softwarehersteller sollte Datenschutz als Chance begreifen

Die Business Software Association (BSA) hat ein Ranking vorgelegt, in dem 24 Staaten nach ihrer Eignung als Standort für Cloud Computing bewertet werden. Die gute Nachricht zuerst: Deutschland schneidet sehr gut ab und gelangt noch vor den USA auf Platz drei. Nur Japan und Australien sind laut BSA besser. Die Lobby-Organisation der großen Software-Anbieter (Microsoft, SAP, Adobe, Symantec u. a.) bewertet die Cloud Readiness der Länder auf Basis von Gesetzen und Regularien in sieben verschiedenen Bereichen: Datenschutz, Cybersecurity, Cybercrime, Schutz des geistigen Eigentums, Technologie-Interoperabilität, Gesetzesharmonisierung (mit anderen Staaten), freier Handel und IT-Infrastruktur. In fast allen diesen Sektoren schneidet Deutschland gut ab.

Die schlechte Nachricht: Weiterlesen

Mein Kindle

Eines ist jetzt schon klar. Ich gebe ihn nicht wieder her. Auf Reisen ist er absolut Gold wert, nur leichter als das Edelmetall und viel leichter als die vielen Paperbacks, die ich sonst immer mitschleppen muss.
Als ich allerdings das auch E-Reader genannte Gerätchen zum ersten Mal in Händen hielt, konnte ich mir nicht vorstellen, dass es ein ganzes Buch geschweige denn bis zu 1400 (Herstellerangabe) ersetzen könnte. So unscheinbar, ohne Touchscreen (ich habe einen Kindle 4) nur dunkelgrau/hellgrau anzeigend, wirkte er. Und auch der Bildschirm mit seinen in den Seitenpanelen eingelassenen Tasten zum Vor- und Zurückblättern beeindruckt eher durch seine Mickrigkeit. Dafür passt er, wie ich später feststellte, in die Innentasche jedes Sakkos.
Aber wild entschlossen, nicht weiter am althergebrachten Papier zu kleben – Print-Sozialisierung hin oder her – habe ich den Kindle ins WLAN eingeklinkt und das erste Buch heruntergeladen. Dabei machte ich mit einer weiteren Besonderheit Bekanntschaft. Weiterlesen

10 3/4 Wahrheiten über Cloud Computing

Es ist viel erzählt und geschrieben worden zum Thema Cloud Computing. Wie immer, vor allem in hiesigen Diskussionen, neigen die Teilnehmer des Diskurses zur Lagerbildung – auf der einen die Enthusiasten, auf der einen Seite die Skeptiker. Je nach Lager wird Cloud Computing in den Himmel gelobt oder in die Hölle verdammt. Zeit also für ein paar „wahrste Wahrheiten“.

1. Wahrheit: Die Cloud ist sicher.
Alle Annahmen und Berichte, wonach Public Clouds im Gegensatz zu Private Clouds (vulgo: Ihr eigenes Rechenzentrum) etliche Unsicherheiten bergen, weil zum Beispiel Workloads auf virtuellen Maschinen durch Angriffe auf Hypervisoren attackiert werden können, sind maßlos übertrieben. Das gilt auch für Berichte, wonach Hacker Cloud Services als Ressource für Denial of Service Attacken nutzen.

2. Wahrheit: Cloud Services sind immer verfügbar.
Die Verfügbarkeit von Cloud Services ist fantastisch. Unternehmen können jederzeit auf sie zugreifen. Ausfälle gab es bisher keine. Die mehrmaligen Abwesenheiten von Google und Amazon existierten nur in der Presse und in der Blogosphäre. Dass sich die beiden Anbieter dafür entschuldigt haben, war blankes Versagen der Pressesprecher. Sie glaubten den falschen Berichten in den Medien und versandten ihre mea culpas, ohne ihre eigenen Spezialisten gefragt zu haben.

3. Wahrheit: Cloud Computing entspricht den deutschen Datenschutzbestimmungen.
Jeder Buchstabe des deutschen Datenschutzgesetzes wird eingehalten. Das gilt vor allem für die weltweit verteilten Clouds, in denen die personenbezogenen Daten der Anwender des Öfteren in verschiedenste Länder verschoben werden. Weder haben Geheimdienste bestimmter Länder Sonderzugänge zu diesen Clouds, noch liest sonst irgendjemand die Daten aus. Außerdem weiß jeder Anwender, der personenbezogene Daten in die Cloud lädt, ganz genau, wo sie sich zu bestimmten Zeitpunkten befinden, und wer, was gerade nicht mit ihnen macht. Weiterlesen

Social Media für CIOs

Je populärer ein soziales Netzwerk wird, desto mehr Leute registrieren sich und desto schwieriger wird es, sich dem Sog zu entziehen. Das gilt insbesondere für Facebook. Es ist mit 500 Millionen registrierten Nutzern weltweit inzwischen so groß, dass es mehr „Einwohner“ hat als die USA.
Das macht die stark weiter wachsende virtuelle Nation inzwischen nicht nur für Unternehmen aus der Beratungs- (z. B. McKinsey, Accenture)und IT-Branche (z. B. Microsoft, IBM) interessant, sondern auch für IT-Profis und IT-Verantwortliche. Folgerichtig tauchen in letzter Zeit verstärkt CIOs in Facebook auf. Weiterlesen

Das große Löschen

Es ist wirklich nicht zu begreifen: Um den Regeln des neuen 12. Rundfunkstaatsvertrages zu genügen, fahren die öffentlich rechtlichen Sender ihre Internet-Auftritte zurück und löschen rund 70 Prozent der bisherigen Inhalte. SZ-Online berichtet ausführlich darüber.
Auf den ganzen Serienkram, der jetzt nach sieben Tagen aus dem Netz genommen werden muss oder den 25tausendsten Kalorienzähler, den die öffentlich rechtlichen jetzt auch nicht mehr in ihrem Online-Angebot haben dürfen, verzichte ich gerne. Aber das Politiksendungen ebenfalls schon nach einem Jahr offline gestellt werden müssen und nur Kultur und zeitgeschichtliche Dokumente nach dem sogenannten Verweildauerkonzept des Staatsvertrages nicht gelöscht werden müssen, ist nicht zu fassen. Auf diese Weise verliert das Netz ein ganzes Stück Gedächtnis und gerade dort wo Erinnern dringend gebraucht wird. Im Politikbetrieb, beim Überprüfen von Glaubwürdigkeit und Rechtschaffenheit von Politikern. Ohne jederzeit über Suchmaschinen abrufbare ältere Inhalte verliert der Normalverbraucher nämlich das, was ihm vor den Zeiten des Web nie zur Verfügung stand. Ein Archiv! Weiterlesen