aus ist’s mit der ruhe in der u-bahn …

handyfrei

t-mobile, o2, vodafone und e-plus haben beschlossen die münchner u-bahn handytauglich zu machen. ab sommer 2009 sollen laut bild-online (ich wickle da immer meine pausenmails ein) die innenstadtstationen hauptbahnhof, stachus, sendlinger tor, odeonsplatz, marienplatz und theresienwiese und natürlich die dazwischenliegenden u-bahnröhren mit mobilfunkumsetzern ausgestattet werden.

die neue kommunikationsfreudigkeit an der station theresienwiese dient vermutlich vor allem zur wiesnzeit den sanka-notrufen volltrunkener niederbayern und italiener per spei-phone. wär echt nicht nötig gewesen …

anschließend wird die u6 bis raus zum bayerngrab („arena“) handytauglich. letzteres macht natürlich sinn, wenn man vom 60ger spiel kommt und hören will, wo es die roten gerade aus dem europacup gepfiffen hat.

ansonsten war’s das dann mit der ruhe in der u-bahn. künftig wird man auch am odeonsplatz nicht nur mit karajan aus den bahnsteiglautsprechern genervt, sondern man wird gleichzeitig erfahren, dass sich der kleine peter bei seiner mami für heute mittag schnitzel bestellt, herr lohmeier die schrauben erst mit zwei tagen verspätung liefern wird und fräulein trautmannsdorf noch drei folien für ihren netten neuen chef bauen muss. oh je …

ich frage mich und euch: brauchts wirklich handyempfang an jeder ecke? sollten wir nicht hier und da eine handyfreie zone ausrufen oder einen entsprechenden teppich vor uns ausrollen?

6 Gedanken zu „aus ist’s mit der ruhe in der u-bahn …“

  1. Ich bin für Handyverbot in der S-Bahn. Speziell in der S-8 vom Flughafen in die Innenstadt: Saß gerade neben einem Skandiavier, der so laut telefonierte, dass man ihn auch ohne Handy problemlos auch in Stockholm verstanden hätte.

    Oder anders ausgedrückt: Leute mit Manieren sollen von mir aus auch in der U-Bahn telefonieren. Solche ohne sollte man aus dem fahrenden Zug werfen.

  2. Ich finde es meistens ziemlich interessant, was vor allem Geschäftsleute am Handy alles von sich geben – als wenn sie Sanskrit sprechen würden. Wer es drauf anlegt, Betriebsgeheimnisse zu erfahren, braucht nur S8 zu fahren. Ist doch praktisch.

  3. Gilt nicht nur für die U-Bahn sondern vielleicht sogar in höherem Maße für das Taxi. Mein Taxifahrer,der mich seit Jahren zum Flughafen fährt, musste eine Non-Disclosure-Vereinbarung unterschreiben, bevor er den Chef einer großen Unternehmensberatung fahren durfte. „Es ist unglaublich, was Manager auf dem Rücksitz alles ins Telefon brüllen“, sagt er. Ich habe ihn mal gefragt, ob er schon mal aufgrund dessen, was er dort unfreiwillig mitgehört hat, Aktien gekauft oder verkauft habe. Er hat nur still gelächelt…

  4. erinnert ihr euch an bernie cornfeld, den gründer der anlagefirma ios, mit der in den 60iger jahren der damalige fdp-vizekanzler erich mende geschäfte machte. bernie verstarb 1995 als mehrfacher millionär. angefangen hat er in den 40iger jahren in new york – als taxifahrer!

  5. Auch Czylansky soll ja Ende der 20er Jahre kurz als Taxifahrer in New York gearbeitet haben, um seine strapazierte Finanzen aufzubessern. Dort hat er, wie Quittungen beweisen, wohl öfter einen Fahrgast namens Charles Ponzi befördert, dessen Geschäftsmodell („Ponzi Scheme“) darin bestand, gutgläubigen Anlegern 50 Prozent Rendite in 45 Tagen oder die Verdoppelung des angelegten Geldes in 90 Tagen zu versprechen. Wenn jemand darauf bestand, seinen Gewinn auch ausbezahlt zu bekommen, zahlte er sie mit dem Geld der anderen Anleger aus. Die meisten vertrauten ihm aber und ließen ihre „Gewinne“ wieder reinvestieren. Diese „Ponzi-Methode“ heißt auf deutsch „Schneeballsystem“ und bildet heute die Grundlage des modernen Finanzmanagements.

    Czyslansky erzählte später, dass er in seiner New Yorker Zeit „fast Millionär“ geworden wäre. Die Vermutung liegt nahe, dass er aus den Gesprächen, die sein berühmter Fahrgast im Fond mit Geschäftsfreunden führte, die Wahrheit über Ponzi erfuhr und entweder rechtzeitig ausstieg oder gar nicht erst investiert hat. Czyslansky blieb auch zeitlebens skeptisch gegenüber den Versprechen von Finanzjongleuren, weshalb er es auch nie zu bemerkenswertem Wohlstand brachte, dafür aber auch nie das Opfer von Krisen oder Wirtschaftskatastrophen wurde.

    Seine berühmte „Theory of Falling Returns“ soll im übrigen vom Anblick der zahlreichen Banker inspiriert worden sein, denen er vom Steuer seines Taxometers aus zuschaute, als sie sich nach dem „Black Friday“ (25.10.1929) reihenweise aus ihren Bürofenstern stürtzten, was Czyslansky mit den Worten quittiert haben soll: „Das ist schon mal ein guter Anfang!“

  6. Aber sicher erinnere ich mich an Bernie Cornfeld, und auch an Schmalzlocke Erich Mende. (Der Wirtschaftsminister versucht ja gerade, die Schmalzfrisur wieder in die Politik einzuführen). Nun, ich will mich kurz fassen, ohne 170 Zeichen garantieren zu können. Von Cornfelds Millionen, mit denen er 1995 starb, gehörten DM 2.500,- mir. Als das Geld weg war habe ich, damals Taxifahrer, wie weiland Czyslansky, eine unüberwindliche Skepsis gegenüber Finanzjongleuren als zweite Natur erworben. Nie wieder habe ich durch saudumme Geldanlagen Geld verloren. Und wem verdanke ich das? Meinem Guru Bernie Cornfeld, der mich noch heute davor bewahrt, mich aus dem Fenster zu stürzen.
    Was ich sagen will: Die Wege zur Erleuchtung sind so zahlreich wie die Menschen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .