Apotheken, wozu genau gibt es die noch?

Möglicherweise bin ich etwas vorbelastet als Kind von Heilpraktikern und Enkel eines Naturheil- Biochemie-Homöopathie-Herstellers und nicht immer ganz objektiv … Zugegebenermaßen wirke ich vielleicht auch etwas spleenig wenn ich im Tweedanzug in eine Apotheke gehe und ein Fläschchen Lebertran verlange. Ich bin halt „oldschool“ und will keine Kapseln sondern richtig ekligen Lebertran. Vor dem Frühstück ein Löffelchen Dorsch für die Kinder und mich, danach ganz schnell Orangensaft hinterher… Kindheitserinnerung und sehr gesund. Die Isländer schwören darauf; nicht nur wegen der Vitamine, die uns in der dunklen Jahreszeit fehlen, sondern auch als Mittel gegen die Winterdepression und DIE müssen es ja wissen.

Lebertran gibt es in der Apotheke nicht, sondern nur Kapseln und als ich starrsinnig auf Tran bestehe, heisst es, der würde so schnell ranzig, deshalb füllen sie ihn nicht mehr ab. Tatsächlich schlägt mir die Verkäuferin vor, einen ganzen Liter zu nehmen, den könnte ich haben … 1 Liter Lebertran? Also so viele Kinder habe nicht mal ich und so viel Hass am Frühstückstisch halte ich nicht aus (über die 3-4 Jahre, die ich mit einem Liter Tran auskäme).

Einen Hustensaft nach dem Rezept meines Vaters zubereiten zu lassen, habe ich längst aufgegeben. Vermutlich wüsste die Arzneimittelverkäuferin gar nicht mehr was ein Dekokt ist. Einen Tee bekomme ich natürlich auch nicht mehr gemischt und wenn dann nur säckeweise.

Die anderen obskuren Naturheilmittelchen, die ich noch haben will, muss sie natürlich auch bestellen, aber das ist ja normal und auch nicht so schlimm, geht ja schnell. Ich habe dann noch kurz gefragt, ob es nicht frustrierend ist, fünf Jahre lang Pharmazie zu studieren, um dann nur kleine Päckchen zu verkaufen und bin gegangen.

Den Lebertran, meinen Naturheil/Kurpfuscherkram, Hustensaft etc. habe ich, zurück im Büro, gerade im Internet bestellt und dabei 17 Euro gespart …

Das war mein letzter Besuch in einer Apotheke, es ist eine traurige, arme Welt geworden, aber sagt nicht, ich hätte es nicht wenigstens versucht …

Ein Gedanke zu „Apotheken, wozu genau gibt es die noch?“

  1. Werter Herr Broy, bei
    20tsd Apotheken in Deutschland wird es doch nicht so schwer sein, eine vernünftige zu finden! Dass Sie Lebertran nicht im 10ml Fläschen erhalten, liegt daran, dass es dafür schlicht keinen Markt gibt. Reis bekommen wir auch nicht im 20gramm Beutel! Leider hat bei uns Apothekern nach 14 Gesundheitsreformen dermaßen die Marktwirtschaft Einzug gehalten, dass solche unrentablen Dienstleistungen ( 1000ml Lebertran kaufen, 50ml abfüllen, Rest wegschmeißen, weil es keiner weiter kauft )nicht mehr zu leisten sind, so gerne wir das weiterhin tun würden, wir können es uns schlichtweg nicht mehr leisten. Und ja, Apotheker verdienen nicht mehr die Welt, würden sonst nahezu nur Frauen in diesem Beruf arbeiten? Nein!! Und glauben Sie mir, jeder Apotheker weiss, was ein Dekokt ist, jede PTA sowieso..und nein, Verkäuferinnen beschäftigen wir nicht, ist nämlich unsinnig, Unwissende auf Patienten los zu lassen. Wenn Sie sich ein wenig mit der Materie beschäftigen mögen, dann sind Sie herzlich eingeladen, bei mir 1 Woche zu hospitieren, ich selber bin studierte( logisch) Apothekerin mit Zusatzquali Palliativpharmazie und seit 14 Jahren selbstständig und ich behaupte mal, ich weiss mehr über Pharmazie, als Ihnen Fragen einfielen. Auch trotz Ihrer familiären Vorbelastung. Es gibt tolle Apotheken, es gibt ja auch tolle Handwerker, Baumärkte, Bahnmitarbeiter, Journalisten und Politiker! Ist nicht alles scheisse, man muss nur gucken!! Wie gut sind Sie eigentlich in dem, was Sie tun?
    Ein tolles 2015 wünscht Ihnen Frau de Ahna

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