Äpfel

Jahrzehnte, vielmehr Jahrhunderte hat sich der Mensch stetig bemüht durch geschickte Zuchtauswahl – und neuerdings sogar mit Gentechnik – Nahrungsmittel in seinem Sinne zu verändern. Er züchte aus Wölfen Yorkshire-Terrier und aus Gräsern Korn, aber die größte Errungenschaft angewandter Genetik stellt zweifelsfrei dar, dass jetzt alle Äpfel scheisse schmecken!

Früher, als bekanntlich alles besser war, nahm man sich einen x-beliebigen Apfel und er schmeckte – was zugegebenermaßen etwas profan war – nach Apfel.
Für die jüngeren unter den Lesern, die das nicht mehr wissen können, süß und zugleich sauer und saftig. Beim „kräftig zubeissen“, konnte man nicht nur zuverlässig eine mögliche Paradontose diagnostizieren, sondern auch ein lautes Knacken hören.

Nun gelang den Genetikern, Züchtern und Obstbauern in mühevoller Arbeit das Wunder, sämtliche Apfelaromen aus diesem Obst herauszuzüchten. Gleich in welchen Apfel man hineinbeisst, er schmeckt nach Nichts. Das gilt sowohl für die Bio- und Ökoäpfel, als auch für Grannys, Ladys, Braeburns. Sie alle haben dieses gewisse „Nichts“, was wir von den 5kg Tüten Bodenseeäpfeln vom Baumarkt kennen, wobei ich diesen nicht Unrecht tun will, sie sind schliesslich nicht für den menschlichen Verzehr gedacht, sondern zum Dämmen, Versiegeln und Beschweren.

Vermutlich – aber ich will nichts behaupten, was ich nicht beweisen kann – haben sie auch alle Vitamine herausgezüchtet. „An apple a day, keeps the doctor away“ ist vermutlich nur noch für CSU und FDP gültig – also ich meine: „the doctor away!“

Anyway, der Apfel, der einst den Ausweg aus der nicht selbstverschuldeten Unmündigkeit des Menschen darstellte, ist nicht mehr geeignet, irgendjemanden in Versuchung zu führen.
Bin ich paranoid, wenn ich einen Plan fundamentalistischer Christen hinter der Entgeschmackisierung des Apfels vermute? Wie perfide, es mit dem Know-how des Mönches Gregor Mendel zu tun. Müssen wir, wenn der Apfel schliesslich ein perfektes Aromenvakuum ist (so wie das Universum vor dem Urknall), wieder zurück in Gottes Paradies, um endlich wieder einen leckeren Apfel zu bekommen?

 

6 Gedanken zu „Äpfel“

  1. Hmm, um bei der Theorie des geringsten Widerstands zu bleiben:
    Anstatt eifrigen Apfelbauern die erfolgreiche Vernichtung des Geschmacks tausender Apfelsorten vorzuwerfen, kann es da nicht sein, dass du einfach eine veränderte Wahrnehmung hast? hä?

    Könnte sein, ist aber wahrlich nicht so. Vor kurzem auf ARTE noch eine Reportage über „Annis Äpfel“ gesehn. Anni, eine rüstige Rentnerin mit 79 Jahren, hat in ihrem Garten über 100 alte und neue Apfelsorten. Konsens der Sendug war, dass die Supermarktäpfel tatsächlich alle die gleiche Geschmacksrichtung haben: Ein volles Aroma nichts.

  2. Ich habe neulich erst einen Apfel gesehen, der außen wunderschön und glänzend war und sich auch fest angefühlt hat. Innen drin allerdings stellte sich raus, war alles vergammelt. Um sich Deiner Paranoia anzuschließen: Vermutlich reiben die heute die Äpfel auch noch mit Botox ein …

  3. Mein Wertester,

    das ist das Jammern der Städter am selbst verschuldeten Unglück. Wir Landmenschen treten heraus aus unserer Kate auf die Scholle und pflücken uns einen Apfel vom Baum. Der sieht zwar nicht so schön aus, ist nicht pausbäckig und wachsglänzend, aber er schmeckt. Den Baum hat der Großvater gepflanzt, damals in schwerer Zeit, um in die Zukunft zu investieren und die Kinder durchzubringen („Wir hatten ja nichts…“).
    Manch Apfel hat ein Wurmloch, beim anderen stimmt das Verhältnis Fruchfleisch-Kerngehäuse nicht, wieder andere passen nicht in EU-Normen. Aber man kann sie wenigstens mit Genuß essen. Reinbeißen oder Aufschneiden (wer Schiß hat, dass doch noch ein Wurm drin ist).

    Der Markt liefert, was die Mehrheit der Kunden kaufen will. Nicht anders herum. Wenn es also die kleinen knubbeligen, wurmstichigen Äpfel mit Aroma nicht mehr im Handel gibt, dann muss man sich mal fragen, warum das so ist…

    Wir hatten mal Besuch von einem Stadtkind. Es gab abends Suppe aus frischen Tomaten und Kräutern aus dem Garten. Mochte das Blag nicht. Omas Tomatensuppe würd ihm besser schmecken: Und die ist Maggi Instant gemacht. Das sagt doch alles.
    Anderes Beispiel? I gitt: Frische Kuhmilch. Bitte nur die entfettete H-Milch im Tetrapack. Die schmeckt wenigstens.

    Geh zum Bauern und hol Dir ’ne Stiege Äpfel. Da bist Du besser bedient als beim lebensmittelliebenden Supermarkt.

  4. Wenn das so einfach wäre, ich muss mal schauen, ob es eine Obstbaum-App fürs iPhone gibt, woher soll ich denn wissen wo so ein Apfelbaum steht (Geotagging?) und wie er aussieht! Nicht dass ich noch was furchtbar Giftiges esse. Du weisst doch, dass man uns Stadtkindern eingeschärft hat, nichts aus der Natur zu pflücken und zu essen!
    Beeren, Schwammerl, Kräuter, alles Gift!
    Aber beim Aldi, Lidl, Penny, Tengelmann, das kann man beruhigt essen, da ist kein Gift drin!

  5. Keine faden Ausreden, der Herr.

    Als alter Lutheraner solltest Du nicht nur wissen, wie ein Apfelbaum aussieht. Du solltest längst einen gepflanzt haben.
    Was Du ja auch getan hast, wie ich aus verbindlicher Quelle weiß. Also erzähl mir nicht, Du weißt nicht, wie ein Apfelbaum aussieht. Besinn Dich mal auf das Achte Gebot (und wenn Du das nicht mehr in Erinnerung hast, weil Du Deinen Katechismus nicht richtig gelernt hast, dann such halt bei Google.)
    A propos: Google und Bildersuche „Apfelbaum“ spendiert Dir 586.000 Ergebnisse in 0,23 Sekunden…

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