Tag Archives: Werbung

Eine ganz normale Keksschlacht

Etwas mehr Ruhe, bitte!

Das beste am Super Bowl, der Weltmeisterschaft im Football (an der allerdings nur amerikanische Mannschaften teilnehmen dürfen; so klein ist die Welt…) ist, wie jeder weiß, die Werbung. Mehr als drei Millionen Dollar lassen sich die großen Markenhersteller ein 30-Sekudnen-Spot kosten – mehr als dreimal so viel wie sonst zur „Primetime“. Aber wo sonst kann man so gut wie jeden lebenden US-Bürger mit einem einzigen Clip abholen? Letztes Jahr schoß Chevrolet mit seinem inzwischen bereits legendären “Wild Ride” den Vogel ab: Mit 119,628,000 war es die meistgesehene Fernsehwerbung aller Zeiten.

Wie die Kreativlinge 2013 abgeschlossen haben, ist noch nicht ganz raus. Dafür aber habe ich meinen eigenen ganz persönlichen Lieblingsspot bereits gewählt: Oreo. Sie spielt in einer öffentlichen Bücherei, wo Unterhaltungen bekanntlich nur im Flüsterton geführt werden dürfen, weil sonst die alte Bibliothekschefin kommt und einem mit dem Lineal auf die Finger haut (jedenfalls war es in meiner Jugendzeit in Amerika noch so).

Außerdem ist es zum Verständnis wichtig zu wissen, dass sich die Fans des im Übrigen meistverkauften Keks der Erde in zwei absolut unversöhnliche Lager spalten: Solche, die zuerst die Cremefüllung abschlecken und solche, die zuerst die knackigen Schokoplätzchen knabbern. Weiterlesen

Marx und Engels gratulieren. Oder: Wann wir rauchen Seit an Seit …

Marx und Engels in der Anzeige

Heute erscheint die erste Anzeige auf Czyslansky. Das heißt, eigentlich zitieren wir die erste Anzeige auf Czyslansky. Sie ist nämlich einzigartig. Sie kommt vom Verband der deutschen Rauchtabakindustrie. Und wir bei Czyslansky sind ja einem guten Rauch selten abgeneigt. Diese Werbung ist jüngst exklusiv  in einer Sonderausgabe des VORWÄRTS aus Anlass des 150igsten Geburtstags der SPD erschienen. Und sie ist so originell, dass auch Google sie finden soll: nicht als Bild, sondern als Text:

Marx: “Warum sind wir eigentlich hier?”

Engels: “Weil wir Marx und Engels heißen und der SPD zum Geburtstag gratulieren wollen. Glückwunsch!”

Marx: “Lieber Engels, meinen Sie, das gefällt den Sozis?”

Engels: “Wieso nicht, Herr Marx?” Weiterlesen

Der Journalist als Auslaufmodell

Der Mensch im Zeitalter von Vernetzung und digitaler Beschleunigung hat mehr Information zu Verfügung als je zuvor – zu viel, wie Kulturpessimisten vom Schlage eines Frank Schirrmacher behaupten. Das Bild einer riesigen Tsunamiwelle aus Bits und Bytes, die uns alle zu überfluten droht, ist zum gängigen Klischee geworden, das vor allem von denjenigen beschworen wird, die bisher selbst gewohnt waren, an den Schleusentoren zu stehen und zu regulieren, welche Informationen letztlich bis zum “Konsumenten” der Information gelangten. Mit Floskeln wie “Qualitätsjournalismus” oder “Sorgfaltspflicht” haben die Nachrichten-Jäger und -Sammler selbst, vor allem aber diejenigen, die sie bezahlt haben – die Bosse in den Verlagen, Medienhäusern und Fernsehsendern – die angeblich so wichtige Funktion der Vorselektion und Interpretation der Ereignisse durch für eigens dafür ausgebildete und deshalb angeblich besonders kompetente “Informations-Profis” besungen. Wie die delphischen Orakel von einst sollen ihrer Meinung nach nur Eingeweihte in der Lage sein, aus dem wirren Geflecht von Fakten die allein seligmachende Wahrheit zu extrahieren, die sie dann bedeutungsschwanger auf den Leitartikelseiten oder mit sonorer Stimme in den “Tagesthemen” dem ungebildeten Volk verkünden.

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Empört Euch – “Science: it’s a girl thing”

Science is a girl’s thing lautet die Kampagne der EU-Kommission, deren Ziel es ist, vor allem Mädchen, Schulabgängerinnen und junge Frauen für eine Ausbildung oder einen Arbeitsplatz in der Wissenschaft zu interessieren. Immerhin sind Wissenschaft und Forschung noch immer weitgehend in Männerhand und der Mangel an guten und qualifizierten Forschern ist riesig. Wo, wenn nicht bei den Schulabgängerinnen, qualifizierten Nachwuchs suchen und ausbilden?

Soweit die Theorie.

Kaum ist jedoch der dazu gehörige Videoclip ins Netz gegangen, donnern Kritik und Häme aus allen Ecken: Die österreichische Zeitung Der Standard beschreibt die Kampagne so: Was die Macher der Kampagne allerdings präsentiert haben, ist eine Ansammlung von Stereotypen und sexistischen Bildern: In einem pink-lastigen Werbespot staksen drei junge Frauen perfekt gestylt in Highheels durch ein Labor, posieren dort wie Models und das Logo der Kampagne wird von einem Lippenstift gekrönt. Dann verweist der Standard auf die zahllosen höhnischen Kommentare, die der Spot bei Youtube mittlerweile eingefahren hat.


Thats a rather odd looking kitchen. schreibt dort ein User, ein anderer This is a fucking disgrace  ein Dritter Get back in the garage and get me a beer!

Wie zu erwarten, sind von den Kommentaren nicht nur Häme und Spott zu lesen. Umgehend  kam auch der Sexismus-Vorwurf aufs Tapet. Der W&V-Branchendienst fasst zusammen: Bunte Farben, heiße Feger, Miniröcke, Stöckelschuhe, coole Fotos in lässigen Posen vor ausgefallener Kulisse, dazu ein Lippenstift-Logo. Viele Stimmen im Netz beklagen sich, einmal mehr reduziere das Frauen darauf, dass sie heiß zu sein hätten und weiter nichts.

Gleichzeitig melden sich im Netz Wissenschaftler zu Wort, die kritisieren, diese Kampagne habe mal rein gar nichts mit ihrem Berufsbild zu tun.  Das wundert nicht, Weiterlesen

Keine Sklavenschuhe aus Herzogenaurach

Über Geschmack lässt sich bekanntlich recht gut streiten. Über Mode erst recht. Und findet sich für einen Streit nur genügend Publikum, dann ist es eine Frage der Zeit, bis die Medien aufmerksam werden. Jüngst geschehen im Fall der Firma Adidas. Die nämlich wollte in den USA einen neuen Schuh auf den Markt bringen, den Adidas JS Roundhouse Mid:

Facebook Screenshot

Und wie Unternehmen im Zeitalter des Web 2.0 gern agieren, hat Adidas diesen Schuh bei Facebook den potentiellen Käufern vorgestellt. Zielgruppenaffin, interaktiv und innoativ.

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Voller Briefkasten! Die komplizierte Welt der Werbebriefe

Dem IHK-Rundbrief entnehme ich:

Briefwerbung: Übergangsfrist für Altdatenbestände läuft aus – bei Missachtung droht Bußgeld

Die Verwendung personenbezogener Daten in der Briefwerbung ist sensibel: Nach aktueller Rechtslage dürfen Werbebriefe mit personalisierten Adressen nur noch mit ausdrücklicher Zustimmung des Empfängers verschickt werden. Laut IHK-Juristin Rita Bottler galt für sogenannte Altdatenbestände bislang eine Übergangsfrist. „Darunter fallen Adressen und Kundendaten, die vor dem 1. September 2009 erhoben und seitdem nicht verändert wurden. Diese Datensätze konnten im Rahmen der dreijährigen Übergangsfrist ohne Einschränkung verwendet werden. Diese Frist endet aber nun am kommenden 31. August“, erklärt die IHK-Fachfrau. Sie rät den betroffenen Unternehmen, ihre Verteiler rechtzeitig zu aktualisieren und zu pflegen. Wer die Altdatenbestände in vollem Umfang weiter benutzen wolle, müsse vor dem Stichtag die rechtwirksamen Einwilligungen für Briefwerbung der Empfänger einholen oder nötigenfalls Adressen streichen. „Diese Pflichten sind ernst zu nehmen. Bei Missachtung drohen Bußgelder“, warnt Bottler. Weitere Hinweise enthält das IHK-Merkblatt „Umgang mit personenbezogenen Daten zu Werbezwecken via Brief, E-Mail, Fax und Telefon.

Das ist doch alles sehr, sehr merkwürdig. Weiterlesen

Athena Hohenberg warnt: Nutella gefährdet Ihre Gesundheit

Gesunde Kost? Eher nicht. Foto: Rainer Zenz über Wikipedia.

Zucker, Palmöl, Haselnüsse, Kakao und fettarme Milch – das klingt nicht gerade nach gesunder, ausgewogener, fettarmer Ernährung. Das ändert aber nichts, dass hunderttausende, wenn nicht millionenfach Menschen einen wohlschmeckenden, süßen Brotaufstrich, der 1944 vom Italiener Pietro Ferrero in Alba erfunden wurde, löffelweise aus dem Glas ohne Umweg über eine Backware in sich hineinstopfen.
Es ist ihr gutes Recht – und sicher keine Seltenheit. Schließlich ist Nutella eine weltweite Marke. Besonders gesund aber ist das Produkt offensichtlich nicht – und damit mussten sich us-amerikanische Gerichte gerade erst beschäftigen.
Was einem der gesunde Menschenverstand, ein wenig Allgemeinbildung zum Thema Ernährung und der Blick auf die Zutatenliste verraten könnte, ist nun auch Athena Hohenberg, Mutter eines Kindes, und im kalifornischen San Diego beheimatet, bewusst geworden. Sie hat im Februar 2011 den us-amerikanischen Ableger der Ferrero-Gruppe verklagt, weil Ferrero den süßen Brotaufstrich als «Beispiel für ein ausgewogenes und schmackhaftes Frühstück» sowie als «gesünder» darstelle, als er in Wirklichkeit sei, bewerbe. Sie sei «schockiert» gewesen zu erfahren, dass Nutella «nicht gesund», sondern kaum besser als Süßigkeiten sei, noch dazu habe es einen «gefährlich» hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren, hieß es in der Klageschrift weiter.

Fragt man sich, und nicht nur als ernährungsbewusster Verbraucher, was Athena Hohenberg eigentlich erwartet hatte, als sie ein Produkt in schokoladiger Farbe und mit schokoladigem Geschmack gekauft hatte…

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Backe backe Kuchen…

Nachdem sich die Freunde Czyslanskys in den vergangenen Tagen besonders den Reiz- und Erregerthemen gewidmet haben (Peta & Tierschutz, Passivrauch-Komplott & Nichtraucherschutz, Lecker & Schlecker) kommt jetzt hier ein richtiges Genussthema. Gereizt und erregt wird dann später wieder…

Es geht um eines der heiligsten deutschen Kühe überhaupt: Neben dem Auto, dem ungebremsten Fahrvergnügen, dem deutschen Wald, dem deutschen Fußball und der Oper gibt es wohl kaum etwas, das dermaßen hochstilisiert, emotional überhöht und weltweit verehrt wird wie das gute deutsche Brot.
Kräftig war es schon immer, vielgestaltig, gehaltvoll und ein wahrer Genuss. Mal abgesehen von den wenigen tierischen Beigaben eines süddeutschen Großbäckers (liegt nicht in den Insekten die Zukunft der Welternährung?) weiß ein jeder das Brot und seine Bäcker zu schätzen. Davon konnte ich mich heute erst in einem Telefonat mit Czyslansky-Kollege Broy überzeugen.

Man geht nicht einfach zu irgendeinem Bäcker, man geht zu seinem, dem wahren, dem einzigen, der das Handwerk richtig beherrscht. Bei ihm schmeckt das Brot, bei der Konkurrenz sind das doch nur getrocknete Badeschwämme.

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Peta – Nur lustig, lustig, tralalala? Mitnichten, die meinen das ernst…

Steffen Groth gegen Fleischesser. Foto: Melissa Töller für Peta

Schon immer hat PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) durch spektakuläre Kampagnen auf sich aufmerksam gemacht. Regelmäßig gelingt es den militanten Tierschützern, prominente Models, Sänger, Sportler und Schauspieler in ihre öffentlichkeitswirksamen Aktionen einzubinden.
Dabei ist Peta in der Wahl der Bildsprache und Werbebotschaften nicht gerade zimperlich – im Gegenteil. Während die meisten Tier- und Umweltschutzaktivisten wie z.B. der WWF in erster Linie auf die Bedrohung der Tierwelt hinweisen, die Tiere für sich sprechen und um Sympathie werben lassen, geht Peta den umgekehrten Weg. Sie polarisieren und polemisieren, indem sie immer wieder die gleiche Botschaft kommunizieren: Es gibt eine Gruppe Menschen, die Tiere töten, Tiere quälen, Tiere ausbeuten. Diese Menschen sind durch und durch schlecht – dazu gehören Pelzträger ebenso wie Zirkusbesucher, sofern in den Zirkussen Tierdressuren gezeigt werden.
Letztlich zählt – und damit stößt sich Peta auch an der Massentierhaltung – jeder dazu, der nicht vegetarisch lebt. All diese Menschen – so der Subkontext – sind moralisch fragwürdig, wenn nicht sogar ganz und gar verkommen.
Schon allein diese Art der Kampagnen, die unverhohlen Aggressivität schürt und sich zu Nutze macht, ist fragwürdig, fußt sie doch komplett auf das gegenseitige Ausspielen von Menschen verschiedener Ansichten, auf die moralische Überlegenheit des Einen über den Anderen. Das zielt unter die Gürtellinie, und das ist vollkommen beabsichtigt.
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Achtung: IM Radio – der Spitzel in der Mittelkonsole

Es gibt so Momente, da bin ich nicht sicher, ob ich das, was ich zu hören bekomme, witzig und genial finden soll oder einfach nur unverschämt. Vergangene Woche war so einer – und nein: Es geht nicht um mich. Niemand war ungehörig zu mir, nicht mal die eigenen Kinder, und das will was heißen.
Es geht lediglich um Werbung…
Worum ging’s?
Sie kennen sicher die Empfehlung, in der digitalen Welt bei der freiwilligen Bereitstellung der eigenen Daten Vorsicht walten zu lassen. Das ist nicht unbegründet, muss an dieser Stelle allerdings nicht zum 100. Mal wiederholt werden. Die Warnung der Web-Kritiker reicht bis zur totalen persönlichen Apokalypse, weil man auf irgendwelchen Party-Pics volltrunken die Hosen heruntergelassen hat. Das schlimmste aller Dinge, die passieren können, aber ist: “Wer alles von sich preis gibt, muss sich nicht wundern, wenn er zielgerichtet auf sein Profil Werbung ins Haus bekommt.”
Was, so frage ich mich, ist so schlimm daran? Bin ich nicht alt genug, zu entscheiden, ob ich ein Produkt kaufe oder nicht, und wenn die Werbung noch so auf mich zugeschnitten ist. Noch bin ich derjenige, der den analogen oder digialen Warenkorb füllt.
Jedes Mal, wenn ich den Fernseher einschalte und ein bestimmtes Programm anschaue, läuft Werbung, die speziell für mich und meines gleichen in diesem Umfeld eingebucht wurde. Jede Anzeige richtet sich an die Leser der Zeitung, die ich gerade in der Hand halte. Und trozdem: Ich allein treffe die Entscheidung und muss sie verantworten, ob ich aufgrund einer zielgerichtten Werbebotschaft etwas kaufe oder nicht. Was soll also das ganze Geschnattere?
Und hier kommt ein Beispiel von Marktforschung und wir kehren zurück zur einleitenden Frage “Ist es genial oder ist es unverschämt?”

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