Geschrieben von Tim Cole am 05 Nov 2009

Ich surfe, also bin ich

Vom Golfspiel sagen eingefleischte Anhänger, es sei keine Sache von Leben und Tod – es sei in Wahrheit viel, viel wichtiger… Vielleicht gilt das auch fürs Internet. Jedenfalls kann ich mir kein Leben mehr ohne Internet vorstellen. Die Welt hinter dem Bildschirm hat inzwischen für alle Lebensbereiche Relevanz, und sogar über das Leben hinaus.

Deshalb ist die Frage relevant: Wie nimmt das Internet Einfluss auf unsere intimsten Augenblicke? Nein, ich meine nicht Sex, oder jedenfalls nicht nur. Ich meine den Moment, an dem ein Kind geboren wird oder ein Mensch stirbt. Welche Rolle spielt das globalste aller Medien bei derart persönlichen und deshalb zwangsläufig recht lokalen Ereignissen? Wie teilt sich jemand mit in einer Situation, die geradezu nach Mitteilung und Selbstausdruck schreit?

Früher hat der glückliche Vater, den die Nachricht von der erfolgreichen Niederkunft seiner Frau erreichte, dicke Zigarren an die Freunde und Kollegen verteilt. Heute schickt er oft Minuten nach der Geburt die ersten Fotos eines winzigen, etwas verschrumpelten Lebewesens, das mit zusammengekniffenen Augen abschätzig seine neue Lebensumgebung mustert, als E-Mail-Anhang an sämtliche Outlook-Kontakte oder stellt das verschwommene Live-Video vom Geburtsvorgang gleich bei YouTube ein. Trauergäste twittern bei der Beerdigung. „O tempore, o mores!“, rufen da die Internet-Skeptiker, „geil!“ die Hardcore-Onliner.

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Geschrieben von Tim Cole am 15 Aug 2009

Ohne Papier keine Kultur

Papier ist überall. Es nimmt unsere Ideen und Gedanken auf, transportiert und konserviert sie. Wir wickeln darin unsere Frühstücksbrötchen ein und trinken aus ihm unseren Morgenkaffee. Es hängt neben der Toilette und in den größten Museen der Welt, von Künstlern wie Pablo Picasso und George Braque zu Kunstwerke von unschätzbarem Wert verarbeitet. Wir wickeln darin unsere Wertsachen ein, legen sie in Umzugskartons und ziehen damit um. Wir falten daraus kleine Flugzeuge und lassen sie mit unseren Träumen davon fliegen. Wir schleifen Unebenheiten mit ihm glatt und isolieren damit Elektroleitungen. Wir bezahlen damit beim Einkaufen oder blättern gedankenverloren darin  herum, wenn wir beim Friseur oder beim Zahnarzt warten müssen. Manchmal ziehen wir es sogar an und laufen darin herum. Papier ist vielseitig und funktionell, flexibel und verfügbar, billig und benutzerfreundlich, anpassbar und allgegenwärtig, natürlich und authentisch, leicht und kräftig, zuverlässig und zeitlos.

„Ohne Papier gäbe es unsere Kultur nicht“, sagte mir neulich Dr. Dorothea Eimert, Leiterin des Deutschen Papiermuseums in Düren, einer Kleinstadt am Nordrand der Eifel, das jahrhundertelang von Papier gelebt hat und immer noch als Zentrum der deutschen Papierindustrie gilt. Hätte Guttenberg einen anderen, ähnlich variablen und robusten Beschreibstoff für den Buchdruck gefunden? Zwar hat der Mensch in seiner Geschichte Zeichen und Buchstaben in Tontafeln und auf Baumrinde geritzt, die alten Ägypter hatten ganze Bibliotheken auf Papyrusrollen, im Mittealter haben Mönche ihre Illuminationen auf Rinderhäute gepinselt. Aber die Entstehung unserer heutigen allgegenwärtigen Bild- und Schriftsprache verdanken wir mit einiger Sicherheit dem namenlosen Erfinder des Papiers.

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Geschrieben von Tim Cole am 17 Jul 2009

Die digitale Entschleierung

Interessante Frage: Darf man jemanden, der anonym twittert, outen? Aktuell wird das gerade bei einem ziemlich heftigen Kommentar-Krieg der sich rund um das angeküdigte Video-Weinportal “TVino” des Hamburger Weinverkosters Hendrik Thoma entzündet hat. Es handelt sich nämlich ganz offensichtlich um eine PR- und Marketingmaßnahme des mächtigen Hanseatischen Weinhandelskontors HAWESKO, was aber in den Pressemitteilungen zu einer “Zusammenarbeit” mit Thoma verniedlicht wird.

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Geschrieben von Tim Cole am 06 Jul 2009

Happy Birthday, Czyslansky!

Auf den Tag genau vor einem Jahr startete mit czyslansky.net ein wegweisendes, ja ein bahnbrechendes, vor allem aber ein längst überfälliges Experiment. Dass es längst an der Zeit gewesen ist, dem großen Genius des Digitalen ein passendes -  sprich: digitales – Denkmal zu setzen, war Kennern seines einzigartigen Lebenswerks natürlich klar. Doch welche Form sie annehmen sollte, darüber gab es ungefähr so viele unterschiedliche Meinungen, wie es Czyslansky-Jünger gibt. Der Vorschlag, eine Säule hell pulsierendes Lichtes von einer Hügelspitze in seinen geliebten nordbömischen Isergebirge erstrahlen zu lassen, wurde als “steroidgeschwängerter Schwert der Jedi-Ritter” abgetan, ebenso die Idee einer geschmackvollen Messingtafel an dem Gebäude in der Züricher Blunschligasse zu enthüllen, wo er seinen legendären “Mechanischer Merker” baute, dessen tausende von mittels Wäscheklammern an eine Kurbelleine befestigte Karteikarten Tim Berners-Lee vermutlich den Anstoß zur Entwicklung des universellen Wissensspeichers World Wide Web gab. weiter lesen »

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Geschrieben von Tim Cole am 25 Apr 2009

Eine Reise mit dem Mini

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HP hat einen wunderschönen kleinen Laptop herausgebracht, der sogar aufs Wort gehorcht.

Wenn man als Journalist über ein Thema schreiben soll ist es stets hilfreich, etwas davon zu verstehen. Als ich also von den Kollegen von „ProFirma“ den Auftrag erhielt, ein Stück über die neuen Kleinst-Laptops, den so genannten Netbooks, zu schreiben, habe ich mich gleich an die Pressestelle von HP gewandt und darum gebeten, ein solches Teil für ein paar Tage ausliehen zu dürfen, um mich damit vertraut zu machen. weiter lesen »

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Geschrieben von Christoph Witte am 29 Mrz 2009

Wider das kostenfreie Web

Unter dem Titel “Das wollt ihr nicht wirklich” hat Marek Lieberberg einen bemerkenswerten Beitrag veröffentlicht. Am Beispiel der Musikindustrie verdeutlicht der gelernte Konzertveranstalter, welche Folgen der ungehinderte und kostenfreie Zugang auf Inhalte haben kann. Die Rechnung, die er aufmacht ist ganz einfach: Wenn niemand mehr kreative Leistungen bezahlt, werden keine mehr erbracht, oder nur noch im Nebenberuf. Dass das nicht unbedingt hohe Qualität erzeugt, ist jetzt schon allerorten zu bemerken.

…Der willkürliche, ungehinderte und kostenlose Zugriff auf alle geistigen Inhalte sowie der sogenannte freie, benutzergenerierte content führen über file sharing und digitale Piraterie zu einer Erodierung kreativer Rechte. Jetzt schon spürbare Konsequenzen sind das Versiegen intellektueller Quellen und die Verarmung der kulturellen Landschaft, die sich in der Schließung von Zeitungen, der Ausdünnung von Reporternetzen und der Aufgabe von bibliographischen Verlagen manifestiert. Alles nur wegen der Krise? Von wegen! Orientierungslosigkeit und laissez faire sind Wegbereiter dieser Entwicklung.

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Geschrieben von Christoph Witte am 20 Mrz 2009

Twitter wächst wie blöd

Nielsen berichtet, dass Twitter zwischen Februar 2008 und Februar 2009 um sage und schreibe 1382 Prozent gewachsen ist. Die Redaktion von CNET wird über dieser Wachstumsrate ganz ehrfürchtig, ist ja auch toll. Jetzt müssten die Jungs nur noch Geld verdienen. Apropos Geld: in einer Unterhaltung unter zwei Nicht-Twitter-Profis ( ich war einer davon) kam die Frage auf: Berechnet der jeweilige Mobilfunkprovider die SMS eigentlich ganz regulär, die man sich über Twitter aufs Handy schicken lässt, wenn eine neue Nachricht auftacht? Das kann ja teuer werden.

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Geschrieben von Tim Cole am 04 Mrz 2009

Mit Twitter ist alles gesagt

Twitter-Posts sin wie Worte in den Wind, kurz in den Cyberraum hinausgehauchte Beobachtungen und Bemerkungen über einzelne Themen oder über das Leben an sich. Ich erkenne erst langsam selbst den Wert solcher “Internet-Telegramme”, deren rigide Beschränkung auf maximal 140 Zeichen eine völlig neue, äußerst faszinierende Form von Kommunikationskultur entstehen lässt.

Nehmen wir nur die CeBIT 2009, auf der sich natürlich besonders viele Twitter-Anhänger tummeln, was in der Natur der Sache liegt. Aus vielen kleinen Kommentaren verdichtet sich ein Bild. So habe ich nacheinander über einen Zeitraum von rund 48 Stunden meiner mitlesenden Umwelt folgendes mitgeteilt:

“so schlecht kann es der cebit nicht gehen – der ice von muenchen nach hannover ist gerammelt voll”

“Guten Morgen! Wunderbar geschlafen in einem richtigen 2-Zi.Appt. – Hotel Frick in Langenhagen. 100 Euro – und das zur Cebit!”

“Mit dem Auto zur Cebit. 8:30 und weit und breit kein Stau!”

“Im Presse-Arbeitsraum der CeBIT sind am Abend des Pressetags (Montag) noch jede Menge Arbeitsplätze frei. Wo bleiben denn die Kollegen?”

“Habe gerade eine CeBIT-Bockwurst genossen. Den Plastik-Kartoffelsalat schenke ich mir lieber…”

“Es gibt jede Menge freie Schließfächer im Pressezentrum”

“re:cebit-stimmung – das presse-restaurant ist halb leer (oder halb voll). das schnitzel ist dagegen wie jedes jahr – ungeniessbar!”

“Träume noch vom Abendessen im Roma – Scampi, Lamm. Und das Beste: kein Gerhard Schröder am Nebentisch! Nur Thomas Gottschalk :-(

“O-Ton Uli Pfaffenberger (“Pfaffi”) von EditorNetwork: “Ich war 86 auf der ersten CeBIT, und ich werde 2014 auf der letzten wieder da sein.”

So, damit ist doch eigentlich alles gesagt, oder?

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Geschrieben von Tim Cole am 26 Jan 2009

Die Evolution des Handy-Daumens

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Schnell: Mit welchem Finger drücken Sie die Haustürklingel? Mit dem Zeigefinger? Dann sind Sie über 30. Junge Menschen benützen den Daumen, weil sie mit Handy und PDA aufgewachsen sind. Das behauptet jedenfalls Alice Rawsthorn in einem Beitrag für in Paris erscheinende die International Herald Tribune. Dank der ständigen Verwendung bei der Texteingabe sei der Daumen junger Menschen heute stärker, beweglicher und ausdauernder als früher, was sie als Beweis für die These zitiert, dass sich der Mensch unter dem Einfluss seiner Technologie evolutorisch weiterentwickelt. Das gelte nicht nur für die physikalischen, sondern auch für die mentalen Eigenschaften junger Menschen, die angeblich inzwischen die Fähigkeit des Multitasking erlernt haben: Sie können gleichzeitig ein Gesrpäch führen und eine Textnachricht tippen, während sie sich gleichzeitig aus den Ohrknöpfen ihrer iPods die neuesten Musikstück ins Hirn pusten.

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Geschrieben von Sebastian v. Bomhard am 14 Jan 2009

Der Wert der Freundschaft

“Jeder” ist inzwischen Mitglied in mindestens einer dieser neuen, bunten und teilweise sinnvollen, teilweise aber auch völlig zweck­freien Web-2.0-Com­mu­ni­ties. Obwohl ich mich nicht für einen typi­schen Social Net­worker 2.0 halte, fallen mir auf Anhieb mehrere Com­mu­ni­ties ein, bei denen ich selbst ein­ge­tra­gen bin. Manche besuche ich regelmäßig, manche nie. Es würde zu weit führen, meine per­sön­liche Ein­stel­lung zu all diesen Por­ta­len auf­zu­zäh­len. Wer­tungs­los liste ich also alle, die mir auf An­hieb ein­fallen, in alpha­beti­scher Reihen­folge auf. Ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit.

www.linked-in.com
www.lokalisten.de
www.orkut.com
www.utopia.de
www.xing.com

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