Geschrieben von Tim Cole am 17 Aug 2010

Warum sich neue Medien immer schwer tun

Aber wie soll man damit Geld verdienen?

Das Internet wird im Englischen häufig als eine „dispruptive technology“ beschrieben. Leider ist der Ausdruck schwer zu übersetzen, auch wenn Wikipedia etwas vorlaut Synonyme vorschlägt wie „etwas Bestehendes auflösend“ oder „ zerstörend“. Im Englischen ist der Begriff viel subtiler und suggeriert einen schleichenden Niedergang, eine unverhoffte Zeitenwende, deren Bedeutung sich den meisten erst sehr viel später erschließt. Es ist kein Säurebad, in dem eine Cleopatra ihre Perle vor den Augen eines staunenden Markus Antonius auflöst und trinkt, sondern schon eher ein saurer Regen, der eine mächtige Kathedrale über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte hinweg auffrisst und bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet.

Das Internet wird gerne als die endgültige „disruptive“ Technologie beschrieben, und die Auswirkungen werden gerne mit denen der Druckerpresse verglichen. Wenn der Sprecher allerdings gebeten würde zu sagen, was genau die disruptiven Folgen der Erfindung beweglicher Lettern sei, geriete er vermutlich (ich schließe mich da ausdrücklich mit ein) schnell ins Stottern: Na ja, die Kopisten in den Klöstern waren irgendwann arbeitslos, aber sonst? Irgendwie scheint der Übergang vom Handgeschriebenen zum Bedruckten doch rückblickend ziemlich glatt über die Bühne gegangen zu sein.

Deswegen bin ich Andrew Pettegree dankbar, dem britischen Historiker, der an der ehrwürdigen St. Andrews-Universität die Geschichte der Reformation lehrt und der jetzt ein wunderbares Buch geschrieben hat, „The Book in the Renaissance“, in dem er einen Überblick über die turbulenten Frühtage des Buchdrucks gibt.
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Geschrieben von Tim Cole am 30 Jun 2010

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

Czyslanskys Fab Four im Flughafen Munich (Michael Kausch ist unser Pete Best)
Heute ist ein großer Tag. Ja, gut, Deutschland wählt sich einen neuen Bundespräsidenten, aber darum geht es gar nicht. Heute ist der Tag, an dem die Welt den Bloggern gehört. Das ist wörtlich gemeint: „Die Welt“, oder jedenfalls die Kompaktausgabe der Tageszeitung, wird heute von Bloggern produziert. Und vier Mitglieder der Gesellschaft der Freunde Czyslanskys sind mittendrin.

Von schäumender Vorfreude aus dieses bislang einzigartige crossmediale Experiment war aber in der Abflughalle des Münchner Flughafens noch nichts zu spüren, als sich Christoph Witte, Sebastian von Bomhard, Alexander Broy und der Schreiber dieser Zeilen bei lauwarmer Morgen-Latte und belegte Brötchen von schwammartiger Konsistenz versammelten. Jedenfalls hielt sich die gemeinsame Mitteilsamkeit, offline wie online, in Grenzen. „Wir würden ja Live-Bloggen, wenn wir schon wach wären“, fasste SvB die Stimmung in einem für die Uhrzeit erstaunlichen Ausdruck von Feinformulierung feststellte.

Im Taxi zum Springerhaus dagegen schienen sich die schlaffen Lebensgeister wieder aufzurichten. Zitate von Ringelnatz, Anekdoten über die Witwe von Michael Jackson sowie eine ausführliche lexigrafische Erörterung des Begriffs „Hagiografie“ verkürzten die Fahrt. Nun warten wir auf den Startschuss: Um 11:15 treffen sich rund 20 Blogger, darunter Robert Basic (@robertbasic), Jim Jarvis und Tina Pickhardt (@PikiHH), zur Redaktionskoferenz.

We’ll keep you posted, und zwar auf #weltkompakt

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Geschrieben von Tim Cole am 19 Mrz 2010

Für wen bloggen wir?

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Und wo liegt Deutschland?

Blogs sind Worte im Wind, ziellos in die endlose Freiheit des Netzes entlassene Gedankenfetzen, von der wir hoffen, dass sie wie Brieftauben irgendwann und irgendwie zum Empfänger gelangen. Doch wie groß ist die Chance? Etwa eins zu drei, wenn man der jüngsten Studie “(N)Onliner-Atlas 2009” der Initiative D21 und TNS-Infratest glauben darf. Demnach sind bislang nur 26 Prozent der Deutschen “in der digitalen Alltagswelt angekommen”, wie es in der einschlägigen Pressemitteilung heißt. 30 Prozent zählen sich zu den “Gelegenheitsnutzern”. Und die bei weitem größte Gruppe – 35 Prozent – haben mit Internet & Co. überhaupt nichts am Hut. Sie bezeichnen die Studienschreiber als “digitale Außenseiter”.

Ist das eine gute oder eine schlechte Nachricht? Kommt wohl auf den Standpunkt an. Das ist so wie die Sache mit den Optimisten und den Pessimisten: Der Optimist sieht beim Schweizer Käse den Käse, der Pessimist die Löcher. Die gute Nachricht lautet doch: Wir Blogger können bis zu 56 Prozent der Deutschen erreichen, allerdings nur mit etwas Glück und viel Rückenwind. Ein Drittel unserer lieben Mitbürger sind – auch wieder eine Frage des Standpunkts – ausgeschlossen oder wehren sich erfolgreich gegen die digitale Aufdringlichkeit.

Übrigens liegt Deutschland damit ziemlich gut im europäischen Durchschnitt, jedenfalls wenn man der Website Internet World Stats glauben darf. Im Vergleich zum Internet-Stammland USA fällt die Alte Welt allerdings weit zurück: Jenseits des Atlantik waren Ende 2009 angeblich 252.908.000 Menschen mehr oder weniger regelmäßig online, macht satte 74,2 Prozent!

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Geschrieben von Tim Cole am 12 Aug 2009

Brauchen wir ein Gesetz gegen Unlautere Blogger?

Blogger investieren viel Zeit und Gehirnschmalz in ihre Online-Tagebücher, und man fragt sich manchmal warum. Ich blogge jedenfalls seit vielen Jahren und habe noch nie einen Pfenning – Verzeihung, einen Cent – dafür bekommen. Und so geht es fast allen Bloggern, die ich kenne.

Gut: Robert Basic hat es geschafft, seinen Blog „basicthinking“ für knapp 47.000 Euro über eBay zu versteigern. Und hier und dort sieht man ein einsames Werbebanner auf einer Blogsite. Aber reich werden tut keiner davon.

Das könnte auch daran liegen, dass die Werbefinanzierung von Blogs anders funktioniert als in anderen Medien, unauffälliger, vielleicht sogar heimlich. Der Blogger steckt nämlich in einem Zwiespalt: Lässt er Werbung zu, leidet seine Glaubwürdigkeit. Er hat das gleiche Problem wie ein guter Journalist, dessen Unabhängigkeit und Unbestechlichkeit sozusagen sein Markenzeichen sind. Lässt er sich auf irgendwelche Schweinedeals ein, dann ist sein Ruf ganz schnell ruiniert und damit sein Wert für denjenigen, der ihn bezahlt.

In der deutschen Bloggerei gibt es bereits Anzeichen dafür, dass Werbegelder heimlich fließen. Das löst das Imageproblem, hat aber den Nachteil, unehrlich zu sein. Kommt es raus, ist der Schaden umso größer. weiter lesen »

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Geschrieben von Michael Kausch am 29 Jul 2009

Schiller und Goethe bloggen "live" – Was geschieht mit Czyslanskys Briefwechsel?

DNT in Weimar<br /> Aufnahme : Maik Schuck, Schützengasse 5,  99423 Weimar<br /> Fu.Tel.:    0172 36 31 274      Tel.:0 36 43 77 82 57<br /> Fax.:        0 36 43 77 82 58     foto@maikschuck.de<br /> Veröffentlichungen und Reproduktionen<br /> honorarpflichtig zzgl. 7 % MwSt<br /> Postbank Frankfurt am Main<br /> BLZ: 500 100 60 Kto.-Nr. 5805 10-608<br /> Ich bitte um ein Belegexemplar.<br /> www.maikschuck.de

Eine wunderbare Idee: Goethe und Schiller bloggen ihren Briefwechsel.

Goethe schreibt an Zelter am 30. October 1824: „Ich redigire meine Correspondenz mit Schiller von 1794 bis 1805. Es wird eine große Gabe seyn, die den Deutschen, ja ich darf wohl sagen, den Menschen geboten wird.“ Und nun erscheint diese große Gabe Zug um Zug auf dem Blog http://www.briefwechsel-schiller-goethe.de.

Alle Briefe werden im Blog von Giesbert Damaschke exakt 215 Jahre nach dem Datum ihres Verfassens veröffentlicht. So lässt sich seit dem 13. Juni und voraussichtlich bis zum 26. oder 27. April 2020 der Briefwechsel der beiden Giganten in aller Ruhe verfolgen.

Natürlich stellt sich hier die Frage, ob wir nicht auch Czyslanskys Briefwechsel veröffentlichen sollten? Zumindest der Teil, der nicht die intimen Interessen noch lebender Personen betrifft. Und natürlich auch nur der Teil, der uns heute im Nachlass vorliegt. Viel ist es ja nicht. Aber vielleicht sollten wir uns die Arbeit machen. Was Goethe gerecht wird, sollte Czyslansky nicht minder zur Ehre gereichen. Wir werden in unserer kleinen Gesellschaft das Thema disputieren …

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Geschrieben von Tim Cole am 17 Jul 2009

Die digitale Entschleierung

Interessante Frage: Darf man jemanden, der anonym twittert, outen? Aktuell wird das gerade bei einem ziemlich heftigen Kommentar-Krieg der sich rund um das angeküdigte Video-Weinportal “TVino” des Hamburger Weinverkosters Hendrik Thoma entzündet hat. Es handelt sich nämlich ganz offensichtlich um eine PR- und Marketingmaßnahme des mächtigen Hanseatischen Weinhandelskontors HAWESKO, was aber in den Pressemitteilungen zu einer “Zusammenarbeit” mit Thoma verniedlicht wird.

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Geschrieben von Tim Cole am 24 Jun 2009

Coelho und der Arzt von Neda

Kleines Drama am Rande des großen Dramas, das sich gerade im Iran abspielt: Der brasilianische Beststeller-Autor (“Der Alchimist”) und UN-Friedensbotschafter Paulo Coelho hat in auf dem mittlerweile millionenfach abgerufenen YouTube-Amateurvideo, das die Erschießung von Neda Agha Soltan zeigt, seinen Freund, den iranischen Arzt Arash Hejazi, wiedererkannt. Auf seinem Blog gibt er einen geradezu gespenstigen Email-Wechsel wieder zwischen ihm und Hejazi, in dessen Armen Neda starb, und der mittlerweile aus Angst vor Repressalien nach London geflohen ist. Coelho selbst hat darüber auf Twitter berichtet: “# Iran My friend, the doc who tries to revive Neda, just landed in UK. You can see him, our emails at http://bit.ly/TNrPz“. Mit geht dabei ein ganz und gar analoger Schauer über den Rücken!

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Geschrieben von Tim Cole am 11 Feb 2009

Chinas Blogger machen Journalisten Feuer unterm Hintern

Verbotenes Bild: Hotelbrand in Bejing

Verbotenes Bild: Hotelbrand in Bejing

Wenn die richtigen Journalisten ihren Job nicht machen können oder wollen, dann werden ihn eben die Blogger machen. Das ist die Botschaft, die aus China zu uns kommt nach dem verheerenden Feuer, bei dem am Montag das neuerbaute Hotel Mandarin Oriental bis auf ein ausgeglühtes Stahlskelett ausbrannte.

Inzwischen ist klar, dass es Mitarbeiter des Staatsfernsehens China Central Television (CCTV) waren, die mit einem illegalen Privatfeuerwerk die Brandkatastrophe ausgelöst haben. Überall in China werden am letzten Tag des Mondjahres Böller gezündet und Raketen abgefeuert. Eigentlich ist das verboten, weil in der Vergangenheit immer wieder Unglücke passiert sind, aber die Behörden drücken meist ein Auge zu – Traditionspflege und so.

Nun ist die Sache gründlich schief gegangen, eines der Wahrzeichen der Olympiade von Bejing ist eine verkohlte Ruine, und das zu einer Zeit, in der das ganze Land aufgrund von Wirtschaftskrise und Exportrückgang an Katzenjammer leidet. An Symbolträchtigkeit ist das eigentlich nicht mehr zu überbieten – nur bekommen die Chinesen die Bilder nicht zu sehen.

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Geschrieben von Tim Cole am 04 Feb 2009

PR 2.0 bei der Bahn: Die Blogger sind schuld!

Als ob Bahnchef Mehrdorn nicht genug Ärger am Hals hätte mit der Online-Schüffelei. Jetzt fährt er auch noch schweres Geschütz gegen den Blogger auf, der den Stein so richtig ins Rollen gebracht hat.

Markus Beckedahl gehört zur seltenen Spezies der deutschen A-Blogger. Seit mehr als acht Jahren veröffentlicht er auf seinem Blog “netzpolitik.org ” geistreiche und witzige Betrachtungen zu Themen wie Datenschutz, Digitalkultur, Urheberrecht und Online-Überwachung. Er hat sich eine treue Lesergemeinde geschafft, und einer von ihnen arbeitet wohl bei der Bahn. Jedenfalls spielte dieser Leser dem Blogger Beckedahl das Memo des Berliner Landesdatenschutzbeauftragten Alexander Dix über die Rasterfahndung der Deutschen Bahn zu, bei der die persönlichen Daten von  mindestens 220.000 Bahn-Mitarbeiter (Stand 4. Februar, Tendenz steigend) an einen kleinen externen Dienstleister übermittelt hat. Die kleine Berliner Network Deutschland GmbH wurde, wie die Bahn zugibt,von 1998 bis 2007 in mindestens 43 Fällen engagiert, um per Datenabgleich möglichen Betrügern bei der Bahn auf die Schliche zu kommen.

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Geschrieben von Michael Kausch am 29 Jan 2009

handelsblatt öffnet sich bloggern

habla

natürlich konnten sie auch bisher schon wichtige notizen ins handelsblatt schreiben (s.o.). künftig aber kann ich mitlesen. das handelsblatt öffnet seine elektronischen seiten den bloggern. seit heute verweist die online-ausgabe des handelsblatts am ende jeden artikels auf blogs, die auf den entsprechenden artikel verweisen. genutzt wird dazu die blogsuchmaschine twingly, die die freunde des gepflegten czyslansky-blogs freilich schon lange (!) kennen. letztlich handelt es sich um – dank twingly – spamfreie trackbacks. wer mehr zu diesem service wissen will, der lese beim habla-kollegen knüwer nach.

Autor Michael Kausch Dieser Artikel wurde von Michael Kausch geschrieben.
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