Die AfD ist eine Gefahr für die Demokratie

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An diesem Wochenende will die AfD auf ihrem Parteitag ein neues Grundsatzprogramm beschließen. Aus diesem Anlass beschäftigen sich zahlreiche Medien mit der Partei und meine geliebte Süddeutsche Zeitung sieht die AfD an der Weggabelung zwischen Nationalkonservatismus und Rechtsradikalismus. Das ist falsch!

Der Versuch zwischen nationalkonservativen und rechtsradikalen Teilen der AfD zu unterscheiden als fatal. Es gibt keine „guten“ und „bösen“ AfD-Teile. Vielmehr ist die Verbindung aus nationalkonservativen und rechtsradikalen Forderungen typisch für rechtsradikale politische Organisationen – nicht erst seit 1945.

Das doppelte Gesicht der AfD ist ein Januskopf: beide Seiten gehören zusammen

Im Entwurf für ihr Grundsatzprogramm beruft sich die AfD einerseits auf demokratische Traditionen – etwa auf die bürgerlichen deutschen Revolutionen von 1848 und 1989 – formuliert aber andererseits in vielen Punkten in faschistischer Tradition, in dem sie demokratisch gewählte Volksvertreter als Repräsentanten eines undemokratischen Systems brandmarkt. Unseren demokratisch gewählten Gremien wirft die AfD pauschal den „Bruch von Recht und Gesetz und die … Zerstörung des Rechtsstaats“ vor. Demokratisch gewählte Volksvertreter werden pauschal zu Verfassungsfeinden erklärt:

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Tschernobyl in Fürstenfeldbruck – Dem König treu ergeben

atomkraft nein dankeTschernobyl – dreißig Jahre ist es heute her, dass die Reaktorkatastrophe unseren Alltag erheblich durcheinander wirbelte, meinen Alltag jedenfalls. Ich saß damals über meiner Promotionsarbeit, vorzugsweise in unserem Garten in Fürstenfeldbruck, als die ersten Nachrichten hereinbrachen. Wenige Tage später gehörte ich mit meiner Frau zum Gründerkreis der Bürgerinitiative gegen Atomkraft in Fürstenfeldbruck. In den nächsten Wochen und Monaten organisierten wir mit einem örtlichen Metzger die Anschaffung einer eigenen Messstation für verstrahlte Nahrungsmittel, wir sorgten für den Austausch des Spielsands auf den örtlichen Spielplätzen, wir organisierten Kundgebungen, serviertem einem bayerischen Staatsminister verstrahltes Trockenmilchpulver, wir machten und taten und sorgten und wirkten – die Bürger wurden aktiv gegen Radioaktivität, weil allzu viele Politiker, weil die Behörden schliefen und logen, dass sich die Reaktoren bogen. Wenn wir heute darüber jammern, dass die Politik in Sachverwaltung erstarrt, dass Demokratie nicht gelebt wird, dann sollten wir uns erinnern, dass Ignoranz und Schwermut vor dreißig Jahren nicht leichter auf unserem Land lasteten und dass viele von uns erst mit einer ungehörigen Portion Caesium und Strontium aktiv wurden.

Damals wurden viele „anpolitisiert“, die sich vor der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl niemals hätten vorstellen können, einmal auf eine „Demo“ zu gehen. Gäbe es einen grünen Ministerpräsidenten in Stuttgart ohne Tschernobyl? Wohl kaum. Und gäbe es das Rückrat, das es heute bei vielen Kommunalpolitikern in den demokratischen Parteien gibt ohne Tschernobyl? Na, es gäbe jedenfalls weniger Rückrat und mehr Krümmung.

Es gibt am heutigen Jahrestag der Katastrophe genügend kenntnissreiche Rückschauen. Der Generation Ü40 muss ich eh nichts über die damaligen Monate erzählen. Statt einem Rückblick möchte ich einen kleinen Leserbrief abdrucken, den ich vor dreißig Jahren – einige Tage nach der Katastrophe – in meiner schon damals geliebten Süddeutschen Zeitung veröffentlichte.

Es treten auf: ein stummer Landrat, ein inzwischen verstorbener Ministerpräsident, ein Bürgermeister namens Steer, ein aufrechter SZ-Redakteur, ein Geigerzähler, eine WAA und viele protestierende Bürgerinnen und Bürger im Landratsamt Fürstenfeldbruck. Ein Märchen aus noch längst nicht vergangener Zeit:

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Die Restaurantkritik als Prosa-Rülpser, oder: wie TripAdvisor die Kunst der Rezension demokratisiert hat

Gut ist doch gut genug, oder?

Gut ist doch gut genug, oder?

Um Restaurantkritiker zu werden, sagte mir einmal Wolfram Siebeck, der Doyen dieser seltenen und etwas elitären Journalistengattung, musst du zuerst den Gegenwert eines Einfamilienhauses verfressen haben. Dann hast du wirklich Ahnung.

Wie groß das Haus war, das ich selbst verfressen habe, weiß ich nicht, aber es hat mich immerhin in die Lage versetzt, in einem früheren Leben recht gut von dem Schreiben von Rezensionen über Restaurants und Hotels zu leben. Meine mehr oder weniger sachkundigen Meinungsäußerungen wurden immerhin regelmäßig in so angesehenen Organen wie dem Feinschmecker, dem Playboy und dem Diners Club Magazin abgedruckt. Und auch wenn sich der Schwerpunkt meines Schaffens inzwischen in Richtung Internetjournalismus verändert hat, drängt es mich hin und wieder immer doch dazu, nach einem besonderen kulinarischen Erlebnis zur digitalen Feder zu greifen und meine Eindrücke in Textform festzuhalten.

Meistens veröffentliche ich das Ergebnis selbst auf meinem Cole-Blog oder auf meiner Facebook-Seite. Aber in den letzten Jahren habe ich Spaß daran gefunden, Kritiken für TripAdvisor zu schreiben, und ich habe es dort immerhin zu etwas Ansehen gebracht: Ich bin dort als „Profi-Bewerter“ und als „Luxushotelexperte“ geführt, und neulich bekam ich von denen eine elektronische Post, die mich schmunzeln lies: „Glückwunsch“, schrieb man mir, „Sie sind die Nummer eins unter den Bewertern aus St. Michael im Lungau!“ Weiterlesen

Schallplatten digitalisieren: Weil Vinyls im Auto immer so sperrig sind

Schallplatten digitalisieren ist wie Kobe-Rind durch den Fleischwolf drehen! Es gibt nur einen guten Grund für dieses Unterfangen seine wertvolle Zeit zu opfern: Im Auto kann man nur Singles hören.

Schallplatte im Auto

Schallplatten digitalisieren ist eine Alternative zum Vinyl-Falten

Im Ernst: ich habe mir lange überlegt in mein Auto einen Plattenspieler einzubauen. In der Bucht findet man immer wieder mal gut erhaltene Einzelstücke aus US-Besitz. Drei Gründe sprechen aber eindeutig gegen dieses Unterfangen:

Erstens: Angesichts des Volumens dieser Geräte würde aus meinem Zweisitzer wohl ein Einsitzer. Wobei: braucht man bei guter Musik unbedingt einen Beifahrer? Oder gar eine Beifahrerin?

Zweitens: Die Dinge schlucken nur 7-Zöller, also Singles. Und alle fünf Minuten rechts raus fahren zum Plattenwechsel – wohlgemerkt nicht wegen eines Plattens, sondern wegen der Platten – nervt auf lange Strecken auch.

Drittens: Würden irgendwelche wohlmeinende Freunde kräftige Burschen in weißen Kitteln schicken, um mich abzuholen? Ich will das nicht ausschließen.

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„Brechet die Stifte entzwei“ – Wider die Kommerzialisierung der Kontemplation

stiftbruch

In painting, you have unlimited power. You have the ability to move mountains. You can bend rivers. But when I get home, the only thing I have power over, is the garbage.
(Quelle des Unfugs: Bob Ross)

Staedtler, Schwan-Stabilo, Faber-Castell – Jahrtausende alte Startups erleben in diesen Tagen eine Renaissance des Irrsinns.  Mehrwöchige Lieferfristen für simple Buntstifte – was nach DDR klingt ist längt bundesdeutsche Wirklichkeit. Und schuld daran ist nicht eine Jahrhundertwelle von Schulanfängern, nein, die Verursacher sind Eltern und Großeltern. Die Räumung der Buntstiftauslagen ist das Ergebnissen des aktuellen Hypes um Ausmalbücher für Erwachsene.

Wie jammern Matthias Huber und Jakob Schulz in der Süddeutschen Zeitung so überaus treffend:

Eigentlich ist es ganz schön unfair: Erst mopst Mama dem Söhnchen das Malbuch, um damit einen gemütlichen Feierabend zu verbringen. Und dann kauft sie im Schreibwarengeschäft auch noch das Regal mit den Buntstiften leer.

Wir erleben derzeit das weltweite Phänomen stifteschwingender Erwachsener. Und sie pinseln nicht rossophil auf leere Leinwände, sondern sie färben Ausmalbücher für Erwachsene. Was mir als Kind zutiefst verhasst war, die Gängelung durch die Malvorlage, wird heute massenhaft freudig begrüßt.

Ihren Ursprung fand der neue Wahn vermutlich bei Inselbewohnern. Die britische Illustratorin Johanna Basford konnte binnen weniger Monate angeblich bereits mehr als 16 Millionen Exemplare ihrer ersten drei Malbücher für Erwachsene an Mann und Frau bringen. Auf amazon stürmen heute Titel wie „Malbuch für Erwachsene: Meditation: Mit wundervollen Bildern alle Sorgen gehen lassen“ oder „Komm zur Ruhe: Mit friedvollen Bildern vom Alltag entspannen“ die Charts. Die Mandalaisierung der Freizeit schreitet voran.

Wie ist dieser Wahn einzuordnen? Was treibt vorgeblich erwachsene Menschen dazu, wie Kinder, vorgezeichnete Blumen, Mond und Berge zu colorieren?

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#wish@godund andere Katastrophen

Was geht

Ich glaub’s nicht: Das Buch mit den Beiträgen aus dem Kreativwettbewerb meines Freundes Sebastian von Bomhard von Spacenet ist schon da. Dabei ist die Preisverteilung erst Mitte April. Die besten 36 Kurzgeschichten und die besten 31 Bilder zum reichlich abstrusen Thema „Was geht, wenn nichts mehr geht?“

Sowas kann auch nur SvB einfallen; er hat so einen Humor.

Jedenfalls fanden die meisten der sage und schreibe 170 Möchtegern-Bestseller und Amateur-Wortschmiede das Thema offenbar so schwer, dass ihnen nichts weiter als seichte Endzeit-Szenarien und absolut unlesbares „End-of-life“-Gesulze eingefallen ist. Weiterlesen

Fallbeispiel: So funktioniert Social Media wirklich!

wordpressstats200316Wenn ich mal Zeit habe, schreibe ich eine Fallstudie über die letzten Tage auf Facebook und in den sonstigen sozialen Medien.

Es fing eigentlich ganz harmlos an mit einem Beitrag, den ich auf LinkedIn geschrieben habe und in dem es um den scheinbar unaufhaltsamen Niedergang der einstigen „Leitmesse“ CeBIT ging. Die CeBIT 2016 war für mich eine riesige Enttäuschung, obwohl ich viele alte Freunde und Kollegen dort getroffen und tolle Gespräche geführt habe. Aber dazu hätte ich ja nicht unbedingt nach Hannover fahren und für 250 Euro die Nacht im Airport Maritim Hoetl übernachten müssen. Der Höhepunkt der Messe war für mich ohnehin schon am Vorabend, als ich mich mit Gunnar Sohn, Hannes Rügheimer, Christian Spanik und weiteren alten Mitstreitern im „Roma“ getroffen habe, um auf unseren viel zu früh verstorbenen Freund Ossi Urchs anzustoßen. Alles, was danach kam, war eher antiklimaktisch. Und den guten, alten Presse-Shuttle haben sie auch abgeschafft… Weiterlesen

Israel

IsraelDa war er wieder – dieser eklige judaphil-antisemi-tische Standlospunkt, der mich seit Jahren erbost: „Ich habe nichts gegen Juden, wirklich nicht, aber Juden und Israel, das sind doch zwei verschiedene Dinge. Man kann das eine mögen ohne das andere zu akzeptieren.“

Um es ein letztes Mal zu sagen: NEIN, DAS KANN MAN NICHT! Israel ist eine Heimat jedes Juden – und das aus gutem Grund.

Aufgekommen ist die unselige Diskussion anlässlich meiner Empfehlung des Großen Gesangs des Jizchak Katzenelson in der ganz formidablen Übertragung von Wolf Biermann. Ich empfehle dieses Werk gerne und jedem, der sich für jiddische Kultur interessiert, aber selbst die Mameloschn nicht spricht. Und eben da kam sie wieder, diese bei Linken gerne geübte Unterscheidung zwischen Juden und Israel, eine Unterscheidung, die nicht aufgehen will.

IsraelIsrael ist eine Heimat für jeden Juden, sei er Zionist oder nicht. Und natürlich darf man Israel ebenso kritisieren, wie man jeden Juden kritisieren darf. Wer sich beides nicht erlaubt, agiert antisemitisch, ob er will oder nicht.  Wer aber Israel angreift, der greift immer zugleich das Judentum an.

Warum das so ist, das möchte ich am liebsten mit einer sehr persönlichen Erfahrung vermitteln:

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Ist E-Mail tot?

emaildeadMein alter Kollege Mehmet Toprak sucht gerade Zitatgeber für eine Cebit-Story in der WirtschaftsWoche über Unified Communications, und mich hat er gefragt, ob E-Mail tot ist?

Meine Antwort: Leider nicht! Dabei ist E-Mail nachweislich einer der größten Effizienzvernichter im modernen Arbeitsleben. Führungskräfte verbringen bis zu 20 Stunden pro Woche allein mit dem Lesen und Schreiben von Mails. Mitarbeiter im mittleren Management verbringen in manchen Unternehmen mehr als ein Viertel ihrer Arbeitszeit mit dem Abarbeiten von Mails. Dabei handelt es sich bei mehr als 50% aller neuen digitalen Inhalte um Aktualisierungen oder überarbeitete Versionen vorhandener Informationen, wie die Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung in einer Studie herausgefunden hat. Je früher wir Mail begraben und durch moderne UC-Techniken, durch Kollaborationstools wie Teamräume, durch Firmenwikis oder durch Unternehmensblogs, desto besser für die deutsche Wirtschaft.