Invasion der Dongle-PCs

Image: Mashable/Karissa Bell

Image: Mashable/Karissa Bell

Sie sind so groß wie ein Schokoriegel und wahlweise quietschbunt (Google/Asus), pechschwarz (Intel) oder blitzweiß (Zotac). Und sie können fast jeden modernen Fernseher in einen vollwertigen PC verwandeln. Westentasche? Diese Dinger passen in jede Hosentasche und sind so simpel wie ein USB-Stick (mit dem sie ja auch eine große Ähnlichkeit haben).

Die Idee ist verblüffend einfach: Ein vollwertiger Stick-PC mit Windows oder Linux-OS für weniger als 100 Dollar. Steckt man sie in den HDMI-Schlitz, der inzwischen an der Rückwand von fast jedem modernen Flachbildschirm zu finden ist, installiert sich die Software selbst. Gesteuert wird wahlweise über eine intelligente Fernbedienung oder über die konventionelle Maus/Tastatur-Kombi, die entweder per USB oder drahtlos per Bluetooth angeschlossen werden. Auf gleiche Weise lässt sich beispielsweise eine Verbindung zu einem Drucker oder anderen Peripheriegeräten aufbauen. Weiterlesen

Auf die Plätze … fertig … Microsoft

Schuhe, bei denen sich per Windows-App eine Sohlenheizung zuschalten lässt, Schuhe mit eingebautem Schrittzähler und Schuhe, die das Bewegungsprofil des Fußes aufzeichnen und analysieren – alles das gibt es längst für den gesundheitsbewussten und digital ausgerüsteten Läufer. Schon heute alarmiert das Smartphone seinen Besitzer, wenn er wieder einmal einen langen Büro-Tag sitzend am Schreibtisch verbracht hat und er deshalb dringend zum Ausgleich am Abend noch fünftausend Schritte zu Fuß gehen sollte.

Microsoft setzt dieser Entwicklung nun die Krone auf: mittels eines kleines High-Torque-Schrittmotors erkennt die Software, die es vorerst nur für Windows-kompatible Smartphones geben soll, den Laufbedarf und startet den Laufschuh selbstständig.

Mehr exklusive Informationen gibt es hier: http://bit.ly/msschuh.

 

Tidal: Musiker gehen jetzt direkt ins Netz

Nur wer mitmacht kann gewinnen!
Nur wer mitmacht kann gewinnen!

Jahrzehntelang waren Musiker auf Gedeih oder Verderb auf das Wohlwollen der Musik-Bosse angewiesen. Sie bestimmten, wer einen Plattenvertrag bekam, wer besonders stark beworben wurde und wieviel Geld am Ende für den Künstler übrig blieb (meistens wenig bis gar nichts!). Die Folge: Außer ein paar internationale Blockbuster wie Madonna oder den Rolling Stones konnte kaum ein Künstler wirklich von dem Verkauf seiner Musik leben und war auf die Eintrittsgelder für seine Live Performances angewiesen. Daran hat auch das Internet bislang nichts geändert. Es sind nur neue Zwischenhändler in Erscheinung getreten, die dem Rahm abschöpften: Spotify oder Apple mit iTunes und neuerdings dem Streaming-Dienst Beats. Auch dort gehen die Künstler in der Regel leer aus.

Doch jetzt schlagen die Musiker zurück: Der amerikanische „Rapmogul“ Jay Z hat im März für 56 Millionen Dollar den Flatrate-Musik-Dienst Tidal erworben und will es mit Hilfe von Musikerkollegen zu einer Art „Musiker-Genossenschaft“ ausbauen, deren Gewinne direkt in die Taschen der Künstler fließen sollen. Weiterlesen

Germanwings: Mit elektronischer Patientenakte wäre das nicht passiert

Krankenakte LubitzDer furchtbare Fall des Fluges Germanwings 4U9525 birgt Lehren, die weit über den Flugverkehr hinaus wirken. Eine davon ist die unsinnige Angst der Menschen besonders in Deutschland vor der digitalen Gesundheitsakte.

Hätte es diese heute schon gegeben, wäre mit ziemlicher Sicherheit aufgefallen, dass der Pilot Andreas Lubitz offenbar von mehreren Ärzten parallel untersucht und behandelt worden ist, ohne dass sie selbst, die zuständigen Aufsichtsbehörden oder sein Arbeitgeber etwas davon gewusst haben. Das soll die digitale Patientenakte im Grunde verhindern, allerdings nicht aus Sicherheits- sondern aus Kostengründen: Dieser „Ärzte-Tourismus“ ist sehr weit verbreitet und kostet die Krankenkasse jedes Jahr Milliarden. Da gehen alte Mütterchen jeden Tag zu einem anderen Arzt, oft auch nur, weil sie einsam sind und ihnen die netten Herren Doktors zuhören. Und es werden für weitere Milliarden Medikamente mehrfach verschrieben und oft genug später weggeworfen.

Zu einer vernünftigen Reform des Gesundheitswesens müsste also eine digitale Patientenakte zwangsläufig dazu gehören. Wäre da nicht die fast schon paranoide Angst vor dem Datenverlust. Wobei niemand so richtig sagen kann, wer ein Interesse daran hätte, die Krankendaten von Oma Müller zu klauen. Manchmal hört man auf Sicherheitskonferenzen von ansonsten recht vernunftbegabten Rednern ein dumpfes Gemurmel über Arbeitgeber, die angeblich gerne an die Daten ran wollen, um kranke oder auch nur unliebsame Mitarbeiter loszuwerden, aber Belege kann natürlich keiner dafür nennen. Aber das Argument ist vortrefflich geeignet, um jeden Fortschritt in der Medizintechnik auszubremsen. Weiterlesen

Germanwings und die medialen Reiter der Apokalypse

kein Bild

Bei einer Katastrophe, wie dem Absturz der Germanwings A320, überwiegt bei mir gelegentlich doch die Wut die Trauer. Es ist so schäbig ansehen zu müssen, wie Blogger, Twitteristi, Facebook-“Freunde”, alte Medien und ganze Firmen die Katastrophe dazu nutzen, ihr eigenes billiges Süppchen zu kochen.

Ich habe den gestrigen Tag als Referent auf einem Storytelling- und Social-Media-Workshop bei Lufthansa Systems verbracht. Da war die Betroffenheit der Teilnehmer über das Unglück, das sich ja quasi in der eigenen Unternehmensfamilie abgespielte, sehr sehr groß. Und natürlich zwang mich das gestern die Reaktionen der Zeitzeugen in den sozialen Medien intensiver zu studieren, als ich dies sonst wohl getan hätte. Manche Leutchen in den sozialen Kanälen mögen ja wirklich betroffen gewesen sein und sie versuchten vielleicht ihre Trauer durch Postings, Tweets und Kommentare durch Teilen abzuarbeiten. Ich werde aber das Gefühl nicht los, dass viele Selbstdarsteller unter den Trauernden die “Story” auch für ihre ureigensten wirtschaftlichen oder publizistischen Interessen zu nutzen trachteten.

Den Gipfel bildete gestern wohl jenes Unternehmen, das seine Fähigkeiten zur Datenrettung mit einer Sonderaktion für die Hinterbliebenen in einem Pressetext so beworben hat:

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Von der Länge des Gemächts…

wp2Von der Länge des Gemächts redet ein zorniger Münchner in seinem Youtube Video. Nicht aber von seinem eigenen, das geht niemanden etwas an. Selbiges bleibt schamvoll hinterm Reißverschluss oder Hosenlatz verborgen – wie es sich gehört.
Weniger schamvoll aber will der aufgebrachte Wutbürger der bayerischen Landeshauptstadt jetzt mit dem Gemächt seiner Mitmenschen umgehen. Selbiges nämlich droht er zu filmen und ins Netz zu stellen.
Dazu hat er den Youtube Channel Ledererstrassenpisser installiert. Und dort will er mit einer Kamera Wildbiesler filmen und diese Filmchen ins Netz stellen. “Und die mit den kürzesten Schwänzen sind zu oberst…”

Der Zorn des Anwohners in direkter Nachbarschaft zum Hofbräuhaus ist verständlich. Heerscharen Betrunkener wanken nächtens durch die Münchner Altstadt und erleichern ihren Blasendruck gerne mal an Hauswänden, Türeingängen und Laternenpfählen. Den Anwohnern stinkt’s verständlicherweise gewaltig:


Ob aber so ein digitaler Pranger das richtige Abwehrverhalten ist, und ob das Ganze überhaupt rechtens ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Oft schon war auf dieser Seite über digitale Pranger zu lesen, sei es, dass sie Verkehrssünder in Abensberg waren, als Ladendieb in Regensburg in die Videoüberwachung gestolpert sind oder in Louisiana als Sexualstraftäter verurteilt worden sind. Mit der Kampagne #myNYPD hat die New Yorker Polizei sich selbst einen Bärendienst getan, in dem Amerikanier angefangen haben, Bilder gewalttätiger Polizisten zu veröffentlichen und so anzuprangern. Der Lookismus schließlich hat – auch davon war hier zu reden – keine Hemmung, unter voller Nennung des Namens und Abbildung der Gesichter via Tumblr Neonazis digital zu enttarnen. Immer steht hier ein riesiges Fragezeichen der Rechtmäßigkeit solchen Handelns – zumindest in Deutschland – mit im Raum.

Auch Autor und Freund Tim Cole hat sich ausführlich mit dieser Frage auseinandergesetzt, als Hochspringerin Ariane Friedrich einen Stalker digital angeprangert hat. Mik Kausch hat über Sexismus und digitale Anprangerung im Fall von Adria Richards gebloggt. Ihre Sicht, wie auch meine, ist kritisch, enorm kritisch. Es geht um Stigmatisierung, um (Vor-)verurteilung, um Personenschutz und informationelles Selbstbestimmungsrecht der betroffenen Personen. All das könnte dem Anwohner nämlich ganz schnell nach Veröffentlichung eines Videos die erste Klage an den Hals bringen. Hinweisschild hin oder her…

Achtung... Gemächt drin lassen

Ganz zu schweigen, ob das Schild überhaupt abschreckende Wirkung hat oder nicht sogar im Gegenteil angetrunkene Wildbiesler erst recht dazu ermuntert, blank zu ziehen.

Nun ist es aber so einer Sache mit der Veröffentlichung im Netz. Etwas hochzuladen und zu veröffentlichen heißt noch lange nicht, dass es auch eine Öffentlichkeit hat. Im konkreten Fall Man darf man sich ruhig fragen, wer sich das am Ende eigentlich anschauen soll und wird. Betrunkene Zechbrüder, die in einen Hauseingang pinkeln dürften kaum einen sehenswerten Anblick abgeben – noch dazu, wenn sie schlecht ausgeleuchtet und weder Gesicht noch Gemächt richtig zu erkennen sein werden. Und Freunde einschlägiger, sexueller urophiler Präferenzen werden wohl im Netz Aufregendes geboten bekommen…

Bilder: Screenshot aus dem auf Youttube veröffentlichtem Video

Eine Granate namens Hitler wirkt immer – (Netiquette2015.beta #06)

keep-calm-and-follow-netiquetteDies ist der sechste Text unserer kleinen Serie zum Thema Nett im Netz. Weitere Beiträge folgen in loser Reihenfolge. Eine Übersicht über die erschienenen Beiträge finden Sie jeweils am Ende des Textes.

 

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So eine kleine Revolution ab und zu ist eine gesunde Sache, finden Sie nicht?
ramius1
Irgendwie erinnere ich mich an diese legendäre Erkenntnis des U-Boot-Kommnndanten Marko , als ich mit meinem Czyslansky-Freund Alex telefoniere. Ramius hat Recht. Alex allerdings auch. Der nämlich proklamiert, dass hin und wieder eine Handgranate in einer Forendiskussion oder Facebook-Gruppe auch eine gesunder Sache wäre: “Einfach mal eine Handgranate in die Diskussion werfen, Kaffee holen, sich zurücklehnen und schauen, was passiert.” Dann erzählt er mir, dass er in einem Tabakforum eine solche Granate gezündet hat, als er sich über die dogmatisch-besserwisserische Klugscheißerei der Diskutanten aufgeregt hat. Beste Erfahrungen, so sein Post, hätte er damit gemacht, gebrauchte Pfeifenreiniger in der Spülmaschine zu säubern. Die Ironie hätte nicht jeder verstanden, es habe genug gegeben, die das für bare Münze genommen haben.

bombenstimmung2Auch ich kenne solche Diskussionen, die in Themenforen und mittlerweile auch zahlreichen Facebook-Foren geführt werden. Und überall verläuft es gleich. Es gibt die Empörungs- und Erregungsmaschinisten, die gefühlsduselig gleich (“OMG”) stöhnen, vor allem in Tierforen, wenn eine gequälte Kreatur gezeigt wird. Es gibt die Rufer nach dem starken Staat (“Warum tun Behörde/Stadt/Gemeinde/Staat… nichts. Man müsste die anzeigen…”), die aber selbst nie aktiv werden. Es gibt die, die niemals aufhören, die provozieren. Es gibt die Ironiker und Zyniker, die selten verstanden werden, die intellektuell Erhabenen, die sich auch so aufführen und es gibt die störrischen Dogmatiker, die Klugscheißer, die trotzigen Besserwisser, die immer aggressiver werden, je mehr man auf ihre Ratschläge und Empfehlungen nicht hören will. Da fallen dann Beschimpfungen wie “beratungsrestsitenter Anfänger” bis hin zu “Ernährungsfaschist”, als es mal wieder ums Essen ging und ein überzeugter Vertreter der veganen Küche seinen feuer- und schwertmissionarischen Eifer nicht im Griff hatte. Und schon sind wir bei den “Radlnazis”, den “Tierschutzfaschos”  oder dem “Political-Correctness-Diktator”, den “Tugendterroristen” oder, oder, oder… Von Netiquette keine Spur, von Beachtung der oft aufgestellten Foren- oder Facebookgruppenbenutzerregeln ebenfalls nicht. Es ist eine wahre Freude, zuzuschauen, wie sich erwachsene Menschen verbal an die Gurgel gehen, Tiefschläge austeilen, zutiefst beleidigen oder beleidigt werden. Oder auch nicht! Weiterlesen

Von Hotels ohne Wasser und WLAN

Die Bundeszentrale für Politische Bildung, die mich zu einer Podiumsdiskussion auf ihrem diesjährigen Bundeskongress in Duisburg eingeladen hatte, hat für mich ein Zimmer gebucht im Hotel „Plaza“, einem Viersternehaus in zentraler Lage. Leider war das Hotel bei meiner Ankunft offenbar immer noch im Bau: Die Decke im Erdgeschoss war aufgerissen, und eine Menge Blaumänner waren dabei, mit Schlagbohrern und Hammer darum zu wetteifern, wer mehr Lärm und Dreck produzieren kann.

In dem Zimmer, das ich zuerst zugewiesen bekam, konnte ich weder mit dem Laptop noch mit dem iPad das versprochene Hotel-WLAN sehen, also rief ich an der Rezeption an. Die freundliche junge Dame meinte, ich solle doch den „Verstärker“ verwenden. Was denn ein Verstärker sei und wie er aussehe, fragte ich, denn in dem relativ schmucklosen Zimmer war nichts zu sehen außer Bett, Schrank und einem zwar großen, aber absolut leeren Schreibtisch.

Schließlich gelang es mir, sie davon zu überzeugen, dass es in diesem Zimmer jedenfalls keinen „Verstärker“ gab, was sie aber erst wirklich glauben wollte, als sie nach oben gekommen und sich per Augenschein davon überzeugt hatte. Ich weiß übrigens immer noch nicht, was das gewesen sein soll. Sie beschrieb es als einen „pyramidenförmigen Kasten“. Sicher ein kleines Wunderwerk der Technik, nur leider fehlte es. „Hat wohl einer mitgenommen“, sagte sie achselzuckend.

Das Hotel erwies sich als ziemlich ausgebucht, und die Suche nach einem anderen freien Zimmer als schwierig. Sie fand schließlich eines, das aber, wie sie warnte, „noch nicht fertig renoviert“. Aber dafür bekam ich wenigstens ein schwaches Internet-Signal und konnte Mails checken, bevor ich zum Abendessen ging. Später ging ich ins Bett, ohne den Computer nochmal zu bemühen.

Am nächsten Morgen war ich, wie es meine Gewohnheit ist, früh wach und wollte noch etwas arbeiten, aber leider fehlte vom WLAN jede Spur. Die werden das Internet doch nicht nachts abschalten, ging es mir durch den Kopf. Als ich im Pyjama in den Hotelkorridor hinaus und bis zur Treppe vor ging, sah ich aber das Signal wieder und konnte mich einloggen. Als ich wieder in mein Zimmer kam, war es aber wieder weg. Also raus in den Flur, Mails ziehen und hoffen, dass kein anderer Frühaufsteher jetzt aus seinem Zimmer kommt und mich sieht.

Ich war zu diesem Zeitpunkt, wie Sie vielleicht verstehen, etwas angesäuert und überlegte mir schon, wie ich der Rezeptionistin beim Bezahlen meinen Unmut mit ein paar beissenden Bemerkungen deutlich machen könnte. Am besten gefiel mir: „Ein Hotel ohne WLAN ist ungefähr so wie ein Hotel ohne Warmwasser!“

Meine besten Ideen habe ich in der Dusche, oder zumindest wahrend ich in der Dusche das Wasser laufen lasse. Das war auch hier der Fall. Das Wasser lief und lief, aber jedesmal, wenn ich Hand in den Strahl hielt, war es eiskalt. Ich drehte am Hahn, mal nach links, mal nach rechts. Kein Unterschied. Nur wenn ich ihn mit Gewalt nach links drehte, erstarb der Strahl zu einem dünnen Rinnsal, der allerdings zumindest lauwarm war. Nur zum Duschen reichte er nicht aus.

Nun, Deospray wird hoffentlich die Morgendusche ersetzen, und ich bin ja heute Abend wieder daheim in den Alpen, wo es warmes Fliesswasser gibt. Was mich aber am meisten ärgert, ist das ich mir jetzt einen neue. Spruch für die Rezeptionsdame überlegen muss. Am frühen morgen und ungeduscht fällt mir das richtig schwer.

Traffic von einem Toten

Tim Cole Familie

Tim Coles Familie (Foto: Robert W. Rodriguez/Star-Telegram)

Vor drei Tagen schossen plötzlich die Zugriffszahlen auf meinen Blog, www.cole.de, sprunghaft in die Höhe. Und ich hatte keine Ahnung, warum. Ich hatte an diesem Tag nämlich nicht einmal etwas geschrieben.

Eine Auswertung des Besucherlogs gab die Antwort: In Google News hatte die Meldung gestanden, dass mein Namensvetter Tim Cole für die Ehrennadel des amerikanischen Präsidenten vorgeschlagen worden war. Tim Cole war ein junger Student schwarzer Hautfarbe, der 1985 aufgrund einer fadenscheinigen Zeugenaussage wegen Vergewaltigung einer weißen Frau zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt worden war und 1995 im Gefängnis starb. Nach seinem Tod ergaben DNA-Untersuchungen , dass er eindeutig unschuldig war. Inzwischen hat der Bundesstaat Texas eine Kommission nach ihm benannt, deren Aufgabe es ist, Fehlurteile im Justizsystem aufzuspüren. Weiterlesen

Terry Pratchett ist tot

Terry-Pratchett-c-David-Bird-280x300Sir Terry Pratchett ist tot. Das ist unsagbar traurig, auch wenn wir uns in aller Welt schon seit sieben Jahren darauf einstellen konnten. Vor sieben Jahren schon hieß es, er leide an Alzheimer und es werde keine Bücher mehr von ihm geben.

Das hat mich damals traurig gemacht und ich bin es heute noch. Seit der Nachricht vom Tod von Douglas Adams hat mich kein Tod eines Schriftstellers mehr so erschüttert. Das lag natürlich an seinen Büchern, denn persönlich gekannt habe ich ihn nicht, sieht man von einer Lesung ab, die ich das Glück hatte besuchen zu können.

Stellen wir uns noch einmal eine riesige Schildkröte vor, auf deren Rücken vier Elefanten stehen, die eine Scheibe tragen: Die Scheibenwelt. Nur Terry Pratchett konnte das so beschreiben, dass es weder albern noch konstruiert klang. Und wenn auf der Scheibenwelt die Kirche erbarmungslos alle Menschen verfolgt, die meinen, die Erde sei eine Scheibe, wo doch jeder weiss, sie ist eine Kugel, so hat man ein Bild im Kopf, das einen ein Leben lang nicht mehr verlässt. Dass man mit Trollen am besten im Kühlhaus diskutiert, denn nur dort sind sie intelligent, dass Ghoule ein Privatleben haben und dass der Schwarze Mann selbst von Ängsten geplagt ist, dieses Wissen verdanken wir ihm. Und eines der schönsten Wörter, die sich je jemand ausgedacht hat, ist das Inhumieren, eine Kunst, die von der Assassinengilde angewendet wird.

Bereits sein erstes Buch war grandios, da war er noch nicht berühmt, nicht einmal erwachsen. Es entstand aus der Überlegung, wie es sich wohl in einem Teppich lebt, wenn man winzig klein ist, und ist auf Deutsch unter dem Namen “Die Teppichvölker” erschienen. Wenn die Helden von den roten Regionen zu den blauen wandern, wenn sie aus Angst vor etwas, das sich etwas wie ein Staubsauger anhört, abtauchen in die verfilzten Regionen, wo die Monster hausen, und wenn sie ein Kupfervorkommen abbauen, das sich bei näherer Betrachtung als Penny entpuppt, was aber den Protagonisten so unklar ist wie unglaubwürdig, dann wird klar, dass bereits dieses Buch allein für die Unsterblichkeit gelangt hätte.

Alle Helden bei Terry Pratchett sind auf eine unbeschreibliche Weise sympathisch, Hexen, Zauberer, sogar der Tod persönlich. Vermutlich haben sie das von ihrem Schöpfer geerbt.