Ich heiße nicht I

Völlig sinnlos, diese E-Mail zu beantworten, die ich letztens in meinem digitalen Briefkasten hatte.

Ich-nicht

Ich tue es trotzdem, denn Weiterlesen

Punktabzug für die Gleichberechtigung

Marie-Olympe-de-GougesSind Frauen bei uns gleichberechtigt? Ich denke, eine Frau aus Saudiarabien oder Indien wird die Frage grotesk finden. Ebenso wie die Menschen aus unserer eigenen Vergangenheit: Natürlich haben Frauen und Männer bei uns heute dieselben Rechte. Und man merkt das auch, noch nie in der Geschichte gab es so viele Frauen in leitender Funktion, noch nie gab es so viele Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen, Politikerinnen wie jetzt. Es wäre also an der Zeit, damit anzufangen, Frauen auch ernst zu nehmen. Ein Bildhauer will doch an seinem Werk gemessen werden, nicht an einer künstlichen Frage, ob er gut ist, obwohl er eine Frau ist. Es interessiert doch nur noch Gestrige, wenn man bei einem bestimmten Musikstück darauf hinweist, dass der Komponist eine Frau ist. Wenn man also darauf besteht, dass der Komponist eine Komponistin ist.

An einer Schule hat sich neulich erst ein Fall ereignet, der meinen eigenen kleinen Privat-#Aufschrei ausgelöst hat, aber mein Entsetzen wird von einigen nicht geteilt, das weiss ich schon. Weiterlesen

Eine Geschichte, wie sie nur das Leben schreiben kann: Fahre mit der Bahn von Salzburg nach München und schreibe eifrig auf dem Laptop einen Text. Auf einmal sind wir in München-Ost. Ich klaube schnell meine Siebensachen zusammen und steige in letzter Sekunde aus. Nach einer Stunde Anruf meiner Frau: „Gerade hat mich so’n Typ von deinem Handy aus angerufen. Er hat ihn im Zug gefunden.“ Ich rufe also mit meinem deutschen Zweithandy bei mir selbst an. Meldet sich der Zugschaffner. Er sei gerade in Karlsruhe, aber um Abend komme er wieder am Ostbahnhof an. Allerdings hält der Zug nur zwei Minuten. Ich stehe also zur verabredeten Zeit mit einer Flasche Wein am Bahnsteig 8, der Austausch klappt wie geschmiert. Will noch einer wissen, warum ich so gerne Bahn fahre?

In die Röhre schauen…

Wer macht das schon gern – also in die Röhre schauen?

Aber wenn, dann möchte man wenigstens, das Licht in der Röhre ist, wenn man einen Braten, einen Kuchen oder einen Auflauf in selbige schiebt. Das ist jetzt durchaus ernst gemeint. Die Backofeninnenbeleuchtung ist ein Segen der modernen Zivilisation. Und im Gegensatz zum Kühlschrank lässt sich selbige im Ofen auf seine Funktionalität hin überprüfen. Oder eben auf seine Dysfunktion. Dann nämlich bleibt es dunkel in der Röhre. Das muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass es auch kalt bleibt. Oder: Um es kurz zu machen: So ein Birnchen brennt gerne mal durch. Auch im Backofen. Aber der heizt dann trotzdem weiter.

Nun ist das Birnchen in einem AEG (Mod.: BP 5014321M) Einbauofen gar kein Birnchen sondern ein Halopin; genauer gesagt: Eine OSRAM Halogen Backofenlampe EEK D G9 bis 300 Grad Special Oven T-Kolben / 40 Watt / Stecksockel / warmweiß – 2700K.
halopinUnd ein solches Teil gibt im heimischen Herd seinen Geist auf – also kein Licht mehr ab. Und damit beginnt eine merkwürdiges Wiederbeschaffungsodyssee.

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Information will frei sein

…und möglichst auch umsonst!

Von Ossi Urchs und Tim Cole

 

„Information wants to be free“, so lautet die Mantra einer ganzen Generation von Internet-Nutzern, die im globalen Netz einen Garant für Meinungsfreiheit und Menschenrechte sehen. „Paid content“ gilt in solchen Kreisen als Schimpfwort: Künstler und Konzerne sollen ihre medialen Inhalte kostenlos zur Verfügung stellen und sich anderweitig refinanzieren: Über den Verkauf von Services, zum Beispiel, die aus dem „Rohstoff“ Content durch Veredelung Mehrwert schaffen, oder durch Werbung, die um kostenlose Inhalte herum gruppiert werden. Extremisten fordern sogar ein „kommerzfreies“ Internet, getreu dem libertären Grundsatz eines „Menschenrechts auf Informationen“: Wer etwas geheim hält oder nur beschränkt zugänglich macht, begeht ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Auch wenn die Schreiber dieser Zeilen den Gedanken an ein schrankenloses Internet reizvoll findet, so sind wir doch Realisten und wissen: Ohne Moos nix los! Im und mit dem Internet wird viel Geld verdient, und zu glauben, dass es anders sein kann, ist hoffnungslose Utopie. Weiterlesen

Herr P. sagt „fertig“

Seit Langem wächt es… mal langsam, mal schnell. Tage gehen ins Land, Wochen, Monate. Es wechselt ständig seinen Namen. Heute habe ich es STWB-06-01-2016-1 genannt.
Das Dokument.
Und dann – ganz plötzlich – spürst Du dieses schwer beschreibbare Gefühl, dass Du sagen kannst: Fertig.

langtNach nur 35.143 Wörtern. Eine Mischung aus Stolz und Zweifel macht sich breit.
Plötzlich weißt Du, dass jedes weitere Wort eines zu viel wäre. Was jetzt vielleicht noch fehlt, kann ich mir aus meinem Kopf auch nicht mehr herauspressen. Wenn, dann müsste es schon weitaus mehr sein als nur ein weiterer Absatz, ein paar originelle Formulierungen oder eine Randbemerkung. All das braucht es nicht mehr. Es würde den Text nicht signifikant verbessern, nur noch verlängern – künstlich aufblähen und damit verwässern. Es wäre nur noch eine Kette aus Verschlimmbesserungen, die – wenn man einmal damit anfängt – nie mehr abreißt. Weiterlesen

Das Ende einer Erfolgsstory, oder warum ich meinen Tee jetzt bei Amazon bestelle

Schön war's - aber nun ist's vorbei...

Schön war’s – aber nun ist’s vorbei…

Die Wiege des Onlinehandels in Deutschland stand in Oldenburg in Holstein. Studenten der Fachhochschule Flensburg waren auf der Suche nach einem typischen Einzelhändler, den sie als Fallstudie ins neugeschaffene World Wide Web stellen und damit beweisen konnten, dass dieses Webs-Dingsda auch als Verkaufsplattform taugt und nicht nur als akademische Spielwiese. Der alte Frank Franken, der in Oldenburg seit vielen Jahren ein Teegeschäft betrieb, schien ihnen ein geeignetes Opfer zu sein, und sie bauten mit seiner Zustimmmung einen noch recht primitiven Webshop, der aber funktionierte. Das Problem war nur: Der alte Herr Franken hatte keinen Computer. Macht nichts, sagten sich die Kids, und programmierten ihm eine Fax-Weiche, so dass die Online-Bestellungen bei ihm halt ganz altmodisch aus dem Faxgerät herausgerattert kamen.

Der Web-Laden war ein großer Erfolg, und auch ich habe dort von Anfang an meinen Tee gekauft, zumal Herr Franken einen wunderbaren, allerdings auch sehr teuren Oolong namens „Butterfly of Taiwan“ anbot, der mir bis heute sehr gut schmeckt. 20 Jahre lang habe ich dort brav meinen Tee bestellt, auch später, als Herr Franken längst tot war und seine Nachfolger das alte Ladengeschäft geschlossen hatten und den Tee nur noch per Internet vertrieben. Ich benützte das Beispiel auch in meinen Vorträgen als eine der typischen kleinen Erfolgsstories des E-Commerce in Deutschland. Weiterlesen

Die genussvolle Entdeckung des Unerwarteten

serendipityDas Zwischenjahr – die Zeit nach Weihnachten bis Dreikönig – ist fast unerträglich langweilig. Wenn man, wie ich, zu alt ist, um bis Mitternacht aufzubleiben um zuzuschauen, wie die Menschheit das Geld verballert, das dringend nötig wäre, um den Hunger in der Welt zu stillen oder wenigstens ein paar Flüchtlingen einen Platz in der Herberge zu bezahlen, dem bleibt eigentlich nur – das Internet!

So sitzt man vor dem Bildschirm, hat eigentlich nichts dringendes dort zu suchen – und findet viele Dinge, die er entweder vergessen hat, oder auf die er nie von alleine gekommen wäre. Man klickt sich durch von Link zu Link, schmunzelt oder zieht die Stirn in Falten, je nachdem, wohin die digitalen Götter die Schritte lenken. „Browsen“, hieß das in den Frühtagen, weshalb das Softwareprogramm, das wir alle täglich verwenden, „Browser“ heißt. „To browse“ bedeutet im Englischen „blättern“ oder „durchsuchen“. Da wir Native Speakers aber für fast jedes Wort in unserer so wortreichen Sprache mindestens eine, meist aber mehrere Alternativen besitzen, hätte der „Browser“ auch genauso gut ganz anders heißen können.

Zu den Synonymen für „to browse“ zählen zum Beispiel „to scan“, „to hunt“ oder „to rummage“, wie in „to rummage around in a suitcase“, also einen prallvollen Koffer zu durchwühlen. Aber „scanner“ und „hunter“ sind bereits anderweitig belegt, und wer will schon einen „Rummager“ verwenden. Klingt irgendwie nach „rumackern“.

Dabei hätte es ein viel schöneres Wortgebilde geben können, eines, das die geradezu philosophische Dimension des Browsens, also der Suche nach Erkenntnis, beschrieben hätte. Ich meine das wunderbare Wort „serendipity“. Weiterlesen

Syrien oder Amerika: Wo lebt’s sich gefährlicher?

Der ganz alltägliche Wahnsinn!

Der ganz alltägliche Wahnsinn!

In San Bernadino, ein friedliches Städtchen am Fuße der Sierra Nevada östlich von L.A. wo ich als Kind einmal gewohnt habe, hat es wieder geknallt. 14 Menschen sind tot, 17 verletzt, zwei der drei Täter wurden von der Polizei erschossen. Ob die Tat einen terroristischen Hintergrund hat (worauf zunächst einmal die arabisch klingenden Namen der Identifizierten hinzudeuten scheint), oder ob einer von ihnen ein Angestellter in dem Behindertenzentrum war, der Streit mit seinen Kollegen hatte, werden wir erst in ein paar Tagen genau wissen, aber eines ist schon mal sicher: In Amerika ist das Risiko, Opfer einer Massenschießerei zu werden, viel größer als sonst irgendwo auf der Welt mit der möglichen Ausnahme der von IS besetzten Gebiete Syriens und Iraks. Weiterlesen

Nachklapp zu #Naidoo: Thomas Schreibers Schuh

Kaum zwei Tage dauerte es, bis die ARD eingeknickt ist und einen Rückzieher machte: Xavier Naidoo wird Deutschland (Sie erinnern sich: Das Land, dass es nach Naidoos Anscht gar nicht als souveränen Staat gibt) nicht vertreten. Die über 25.000 Unterzeichner der verschiedenen Online-Petitionen können sich zurücklehnen, ebenso Twitterdeutschland, die vielen Naidoo-Kritiker auf Facebook und die großen Medien. Denn auch sie alle haben über die heftige Kritik gegen den Mannheimer Sänger berichtet, zum Teil mit sehr deutlich formulierten kritischen Worten.
Spiegel Online ist es immerhin eine Eilmeldung wert, die über dpa und andere Preseagenturen gestreute Meldung an seine Leser zu bringen:
spon-shotDort heißt es, ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber sei klar gewesen, dass Naidoo polarisiert. Mit der Wucht der Reaktion habe der Sender jedoch nicht gerechnet. Weiterlesen