Mit der CIA werden wir auch noch fertig

Gute Überschrift. Gut gebrüllt, Löwe! Aber noch bevor ich darüber nachdenken kann, ob ich dem Löwen aus der Augsburger Puppenkiste wirklich zutraue, es mit der CIA aufzunehmen oder ob das ein Sommernachtstraum bleibt („Well roared, lion“ – erste Szene im fünften Aufzug. Der Löwe brüllt, Demetrius sagt „Gut gebrüllt, Löwe“, Thisbe läuft weg und Theseus sagt „Gut gelaufen, Thisbe“. Was nicht sonderlich charmant ist …), holen mich diverse Newsmeldungen hart in die Realität zurück.

Darüber bin ich gestolpert:

Bildschirmfoto 2016-08-31 um 21.17.21

Weiterlesen

Ich weiß was, was du nicht weißt, Facebook!

Facebook weiß alles, aber sonst nichts!

Facebook weiß alles, aber sonst nichts!

„Facebook weiß alles über dich!“, so lautet ein beliebter Kassandraruf digitaler Bedenkenträger. Irgendwo in den unerforschlichen Windungen der riesigen Datenbänke schlummern angeblich alle unsere geheimsten Sehnsüchte, unsere Wünsche und Bedürfnisse, unsere Vorlieben und Abartigkeiten, die ständig von Facebook durchgekämmt und in maßgeschneiderte Werbeangebote umgemünzt werden. Auf diese Weise schreibt uns Facebook mit der Zeit vor, was wir lesen, was wir anziehen und letzten Endes sogar was wir denken sollen.

Wie weit diese utopische Vorstellung eines allwissenden Überwachungsapparats von der banalen Alltagsrealität entfernt ist, kann jeder selbst herausfinden. Er muss sich nur die Mühe machen, diesen Link zu folgen: https://www.facebook.com/ads/preferences (vorher muss man sich bei seinem Facebook-Konto einloggen.)

Dort sehen wir dann, welche Kriterien und Suchbegriffe Facebook über uns gespeichert hat und damit auch, über welche Grundkenntnisse der Algorithmus über unser Innenleben verfügt. Weiterlesen

Dringendes Bedürfnis nach Teufelskult

Radar2

Mit Facebook ist es wie mit dem Rest des Internets, aber auch mit dem Rest des Lebens überhaupt: 99 Prozent ist Müll – aber für das eine Prozent lohnt sich die ganze Sache! Und so stößt man immer wieder auf kleine Juwelen, die schmunzeln machen oder nachdenklich, froh oder traurig, oder bei denen man einfach zu sich sagt: „Mensch, toll das es das gibt!“

So ein Juwel ist die Facebook-Gruppe „Polizeikontrollen Lungau“. Keine Ahnung, wer auf die Idee gekommen ist, andere Autofahrer per Posting zu warnen, wenn er irgendwo einen Streifenwagen am Wegrand sieht, aus dem heraus ein Beamter das Messgerät auf entgegenkommende Autofahrer richtet. Jedenfalls hat er damit ganz offensichtlich ein dringendes öffentliches Bedürfnis erkannt und befriedigt.

Die Gruppe ist jedenfalls, gemessen an der Größe der Bevölkerung des Lungau, sensationell erfolgreich. Als ich das letzte Mal reingeschaut habe hatten sich hier schon 2.701 Facebooker registrieren lassen. Hier im „Innergebirg“, wie die Salzburger diesen entlegenen kleinen Bezirk hinterm Tauernmassiv nennen, lebten bei der letzten Erhebung 2014 nur 20.668 Personen – Tendenz fallend. Wie viele strukturschwache Gebiete abseits der großen Ballungszentren leidet der Lungau seit Jahren an Landflucht: Die Jungen müssen raus, wenn sie studieren oder eine höhere Berufsausbildung machen wollen, und viele kommen nicht mehr zurück, weil es an Jobs und Aufstiegschancen fehlt.

Es machen also mehr als 13 Prozent aller Lungauer bei einer einzigen Facebook-Gruppe mit. Auf eine Stadt wie Wien übertragen hieße das, dass rund 226.000 Menschen sich auf eine entsprechende Facebook-Gruppe eintragen lassen müssten. Was sagt uns das? Weiterlesen

Reiseblogs liegen im Trend – ein Ferien-Post

Ein neuer Reiseblog

Travellers Insight – der neue Reiseblog des Flughafens München

Sommer, Sonne, Kaktus – wer jetzt nicht im Sand liegt, durchs Wasser pflügt oder das Opernhaus im Urwald sucht, der liest, und zwar einen Reiseblog. Die Zeiten, da man mit dem Finger im Diercke Atlas auf Reisen ging, sind vorbei. Reiseblogs liegen im Trend. Und zwar schwer.

Jahr für Jahr steigen die Zugriffszahlen auf Reiseblogs, steigt die Zahl der Reiseblogs, steigt die Zahl der bloggenden Weltenbummler. Und immer mehr Reiseblogger können von ihren Blogs leben. Denn die Industrie – Reiseveranstalter, Luftmatratzenbauer und Sonnenölmixer, aber auch Markenhersteller aller Branchen – haben die Reiseblogs längst als interessantes Werbeumfeld entdeckt.

Die Wachstumskurven der Reiseblogs macht lüstern:

Reiseblogs im Trend

Reiseblogs liegen voll im Trend. Hier die aktuellen Daten der „Google Trends“.

Dass die Reiseblogs nicht nur das Fernweh ihrer Leser bedienen, sondern offenbar auch relevant für die Wahl und Buchung von Reisen sind, darauf deutet der Peak der saisonalen Suchvorgänge nach „Reiseblog“ im Januar hin, dem Monat, in dem viele Menschen ihren Jahresurlaub buchen.

Weiterlesen

Wer sich blind aufs Navi verlässt ist selber schuld!

TeslaDer Unfall eines selbstfahrendenTesla, bei dem ein Mann in Florida ums Leben kam, hat eine breite Dikussion um SInn, Unsinn, Grenzen und Möglichkeiten autonomer Fahrzeuge angezettelt.

Tesla, wie jeder weiß, ist nach dem serbischen Erfinder Nokila Tesla benannt, der einst Thomas Edison herausforderte, was zu dem berühmten „Krieg der Spannungen“ führte: Edison war ein Anhänger des Gleichstroms, Tesla machte sich für die Wechselspannung stark. Am Ende gewann Tesla, aber er bekam zunehmend einen Ruf als „verrückter Wissenschaftler“. So lebte er die letzten Jahrzehnte zurückgezogen in einem New Yorker Hotel, wo er 1943 starb.

Kurz vorher besuchte ihn Czyslansky, und die beiden heckten (unter erheblichem Aukolholeinfluß!) die Idee einer „Quantenspannung“ aus, in der Strom gleichzeitig in entgegengesetzte Richtungen fließen sollte. Beim Versuch, eine Pilotanlage zu bauen, brannten sie das Hotel bis auf die Grundmauern ab, und Tesla war gezwungen, ein allerletztes Mal umzuziehen, während sich Czyslansky unauffällig in einem Trampfrachter außer Landes brachte.

Aber das nur am Rande. Zum Thema selbstfahrende Autos hat Czyslansky nur eine Skizze hinterlassen über einen „Robo-Chauffeur“, der auf festen Routen fahren und so einen individualisierten Gegenentwurf zur Straßenbahn und zum Personennahverkehr bilden sollte. Weiterlesen

Was noch fehlt: Das Geschenk Gottes

Achtung – Zynismus

zynismus

… und wieder ist die große Stunde der Heuchler, der Profiteure und der Stimmungsmacher gekommen.
Da macht einer für sie die Drecksarbeit, einen Scheißjob, der neun anderen Menschen das Leben kostet und 27 Menschen zum Teil schwer verletzt. Ein absoluter, mörderischer Scheißjob – und vollkommen unnötig noch dazu.
Und noch während niemand etwas Genaues weiß und die Münchner Polizei vorbildhaft agiert, ist sie da: Die Stunde der Hetzer und Heuchler. Weiterlesen

Vom Terror der Sozialen Medien – Der Anschlag von München im GeTwitter

Terror tv

„Wir hatten Bilder, meist Bruchstücke, mit Handy-Kameras aufgenommen. Oft aus einer Deckung heraus. Fetzen von Informationen. es war erst einmal nicht viel, aber es hätte gereicht, eine Sendung voranzutreiben, notfalls mit zigfacher Wiederholung des immer wieder selben Materials. Doch was wäre das für eine Sendung geworden?“ (Claus Kleber, Süddeutsche Zeitung von heute)

Claus Kleber spricht nicht von gestern. Er spricht von der Berichterstattung über den Putsch in der Türkei. Ja, was wäre das wohl für eine Sendung geworden? Ungefähr so eine, wie die Tagesschau von gestern, die nahtlos in die Tagesthemen überging: Die immer gleichen Handy-Videos in Endlosschleife, die immer gleichen Statements mit Null-Aussagen. Kurz nach acht Uhr durfte ein Experte den Anschlag von München analysieren. Zu dieser Zeit wusste man nicht, wie viele Täter, wie viele Opfer, wie viele Tatorte, welche Motive. Man wusste nichts, man hatte nichts, aber man sendete. Auf allen Kanälen.

Vor 15 Jahren, an 9/11, machte RTL den öffentlich-rechtlichen Sendern vor, wie aktuelle News-Reportagen funktionieren. Darauf weist ZDF-Nachrichten-Profi Claus Kleber in einem lange geplanten Gastbeitrag heute in der Süddeutschen hin.  Als er diesen Artikel verfasste, konnte er die Vorfälle von gestern nicht einmal erahnen. Umso wertvoller ist sein Beitrag, den lesen muss, wer sich für Medien interessiert! Denn er plädiert für eine gründliche und sachliche Nachrichtenaufbereitung in den öffentlich-rechtlichen Medien. „Es ist niemandem geholfen, wenn die Öffentlich-Rechtlichen sich mit ihren traditionell ausgestrahlten Programmen auf ein Rattenrennen mit SocialMedia einlassen. Oder Netzfunde unreflektiert weitergeben.“ Aber genau dies geschah gestern: das Rennen der Ratten auf allen Kanälen und in allen Rennbahnen.

„Es ist schon alles getwittert, nur noch nicht von allen“ (frei nach K.V.)

Man musste gar nicht selbst das Twitterland durchreisen. Man konnte ja in der Tagesschau hören, dass eine Skirennläuferin mit ihren Gedanken gerade in München ist, dass das Schwabinger Krankenhaus seine Ärzte aufgefordert hat, „den Toten zu helfen“, dass es weitere Schießereien am Karlsplatz UND am Münchner Stachus gebe. Eine unseelige Mischung aus Belanglosigkeiten – die Dame ohne Ski – und hektischem Irrsinn – der ganze widerliche Rest. Weiterlesen

Bei Königs in der Loge

Oper

Zur Zeit sind Opernfestspiele in der Staatsoper München

Zur Zeit sind Opernfestspiele in München. Ich mag Oper. Und ich gehe auch gerne hin. Schon weil ich dort eigentlich nie Bekannte und „Freunde“ aus dem Social-Media-Universum treffe. Und was noch wichtiger ist: Ich vermute, es gibt dort keine Pokemons. Gar keine. Die Oper ist eine pokemonfreie Zone.

Und so mag ich auch die Opernfestspiele. Am kommenden Sonntag gibt man Mephistofele von Arrigo Boito. Ein teuflisches Vergnügen:

  1. Akt: Im Studierzimmer: Der Faust findet des Pudels Kern und schließt seinen faustischen Pakt.
  2. Akt: Im Garten: Gretchen gerät es aus dem Auge, aus dem Sinn.
  3. Akt: Im Kerker: „Es ist so elend, in der Fremde schweifen“; das zitiere ich nur, um ein wenig Werbung für unser neues Reiseblog zu machen und einen klugen Link zu setzen …
  4. Akt: Die Hexen tanzen endlich orgiastisch auf dem Brocken: „Das Teufelspack, es fragt nach keiner Regel. Wir sind so klug, und dennoch spukt’s in Tegel“. Kein Wort von BER.

Weiterlesen

Tock, tock, tock …

SpechtSeit einigen Tagen klopft immer wieder jemand außen an meine Hauswand. Wer dabei unter dem Stichwort „film noir“ an den ebenso wunderbaren wie weitgehend vergessenen Film Themroc mit Michael Piccoli denkt, der liegt daneben. Und zwar völlig.

Vielmehr bittet immer mal wieder ein Specht um Einlass. Und da mich in meinem Home Office nur eine bunte Wand in Holzständerbauweise vom Gemüsegarten trennt, kann es schon mal sein, dass ein Specht mein Haus für einen hohlen Baum hält, mein Wohnzimmer für eine Wohnhöhle. Sollte er es eines Tages schaffen – und nichts spricht dagegen – die Holzwand zu durchhämmern, so wird er freilich seine neue Nisthöhle besetzt vorfinden. Und zwar von mir. Und natürlich von Pablo, meinem Papagei, der ebenso wenig wie ich geneigt ist, seine Höhle mit einem Specht zu teilen. Wobei: bei Pablo bin ich mir da nicht so sicher. Immerhin ist der zudringliche Specht ein hübscher gefiederter Geselle. Und warum soll nicht mal ein Mohrenkopfpapagei – nein: diese Bezeichnung ist nicht rassistisch – mit einem bunten Specht …

Also wir leben ja nun wirklich in einem weltoffenem multikulturell geprägtem Haushalt. Aber eines sollte klar sein: wenn hier ein Specht einziehen will, so kann man wohl erwarten, dass er sich anpasst. Migration setzt Assimilation voraus. Gerade bei Vögeln. Bei uns kommt man nicht durch die Wand herein. Man nimmt die Haustür. Und da wird geklingelt. Wir haben eine Läutkultur. Und die gilt auch für Spechte. Und Amseln, Finken, Drosseln. Ich werde eine Partei gründen. Eine Anti-AFD gegen assimilierungsunwillige Amseln, Finken, Drosseln. Und Spechte.

Ich bin doch nicht bekloppt, Herr Specht.

Neues aus der Czyslansky-Forschung: Wie Moses einmal das Meer geteilt hat.

Mythos Cole

Czyslansky-Forscher Tim Cole bei der Erforschung des Mythos auf Kreta im Mai 2016

In letzter Zeit ist es ja ein wenig still geworden um die Czyslansky-Forschung. Nun aber meldet sich das Team zur Erforschung des großen Czyslansky mit einem Paukenschlag zurück: Auf einer Forschungsreise durch Kreta, die mich gemeinsam mit meinem Forschungskollegen Tim Cole vor einigen Tagen durch Kreta führte, stießen wir im Archiv der Synagoge des nordkretischen Chania auf eine bislang unbekannte handschriftliche Skizze Czyslanskys, in der dieser als Zwölfjähriger die Teilung des Roten Meeres durch Moses wissenschaftlich zu erklären versuchte.



Mit Grethe auf Kreta

Synagoge in Chania

Die alte Synagoge in Chania auf Kreta (Bild mik)

Der historische Hintergrund:

Im Alter von zwölf Jahren besuchte Czyslansky seine Mitschülerin Grethe Grünbaum in den Sommerferien auf Kreta. Grethes Vater Jitzchak Grünbaum war zu jener Zeit als Rabbiner der Etz-Hayyim Synagoge in Chania tätig und selten kam der junge Czyslansky seiner großen Jugendliebe Grethe näher, als in jenen Sommerwochen auf Kreta.

Bekannt waren der Czyslansky-Gemeinde bislang zahlreiche schwärmerische Tagebuchaufzeichnungen des jungen Czyslansky über lange gemeinsame Wanderungen mit Grethe entlang der kretischen Nordküste. Nicht selten führten diese Exkursionen auf die nahe Halbinsel Akrotiri und dort bis hinauf nach Stavros, dessen Schönheit Czyslansky schon viele Jahre bevor Anthony Quinn in der Rolle des Alexis Sorbas dort seinen sagenhaften Sirtaki tanzte, beeindruckte. Eine kleine Sensation durften Tim und ich dann aber im Archiv der alten Synagoge entdecken:

Weiterlesen