Archiv der Kategorie 'Medien & Politik'

Geschrieben von Tim Cole am 05 Sep 2010

Neue Töne aus Berlin

Aufnahmeprüfung bestanden: IT-Minister de Maizière

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat sich bisher in der Debatte um die Zukunft der digitalen Gesellschaft eher seltener zu Wort gemeldet. Schade, denn was er sagt, hat Hand und Fuß. Jedenfalls würde er mit seinen Aussagen in der heutigen Ausgabe der „FAZ am Sonntag“ glatt die Aufnahmeprüfung in die Gesellschaft der Freunde Czyslanskys bestehen.

Prüfungsfach1: Recht & Internet

Frage: Regulierung – ja oder nein?

Ein Teil  der Internetcommunity meint, dass das Internet so neu ist, dass ganz andere – am besten gar keine – Regeln gelten. Dem muss ich als IT-Minister klar widersprechen: Alle Gesetze, die wir als Staat schützen, gelten auch im Internet. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum.“

Note: 2 – zwischen Recht haben und Recht bekommen klaffen nicht nur im Internet bekanntlich Welten.

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Geschrieben von Tim Cole am 04 Sep 2010

So sehen Bestseller aus!

Wie sich die Bücher gleichen…

“Deutschland schafft an, müste der Titel von Thilo Sarrazins neuem Buch eigentlich lauten. Das Ding geht jedenfalls schneller weg als warme Semmeln. Wie eine dpa-Umfrage ergab, war das Buch bereits am Freitag bei vielen Buchhändlern vergriffen. DVA erklärte, das bereits 70.000 Bücher ausgeliefert wurden und am Montag bereits die vierte Auflage mit weiteren 80.000 Exemplaren folgen soll. Auch die fünfte und sechste Tranche sei schon in Auftrag gegeben, so eine Sprecherin der Deutschen Verlags-Anstalt in München. Die Gesamtauflage werde bei 250 000 Exemplaren liegen, denn das Buch sei ein grosser Verkaufsschlager.

Auf der Bestsellerliste von Amazon ist das Buch längst auf dem ersten Platz zu finden, gefolgt von dem Werk “Das Ende der Geduld” von der verstorbenen Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig. Auch in meinem eigenen Online-Buchladen, wo das Werk von Sarrazin neben Schirrmachers Pestseller unter der Rubrik “schlechte Bücher – die man aber trotzdem gelesen haben muss, um mitreden zu können” feilgehalten wird, liegt der Noch-Bundesbanker deutlich vorn: 2 Besucher meiner Website haben dort in dieser Woche den roten Einband bestellt, nur einer griff zu grün. Im Übrigen entschuldige ich mich jetzt schon, wenn es noch ein bißchen dauert: Laut dpa liegt die Wartezeit für die Auslieferung bei bis zu drei Wochen.

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Geschrieben von Christoph Witte am 29 Aug 2010

Das große Löschen

Es ist wirklich nicht zu begreifen: Um den Regeln des neuen 12. Rundfunkstaatsvertrages zu genügen, fahren die öffentlich rechtlichen Sender ihre Internet-Auftritte zurück und löschen rund 70 Prozent der bisherigen Inhalte. SZ-Online berichtet ausführlich darüber.
Auf den ganzen Serienkram, der jetzt nach sieben Tagen aus dem Netz genommen werden muss oder den 25tausendsten Kalorienzähler, den die öffentlich rechtlichen jetzt auch nicht mehr in ihrem Online-Angebot haben dürfen, verzichte ich gerne. Aber das Politiksendungen ebenfalls schon nach einem Jahr offline gestellt werden müssen und nur Kultur und zeitgeschichtliche Dokumente nach dem sogenannten Verweildauerkonzept des Staatsvertrages nicht gelöscht werden müssen, ist nicht zu fassen. Auf diese Weise verliert das Netz ein ganzes Stück Gedächtnis und gerade dort wo Erinnern dringend gebraucht wird. Im Politikbetrieb, beim Überprüfen von Glaubwürdigkeit und Rechtschaffenheit von Politikern. Ohne jederzeit über Suchmaschinen abrufbare ältere Inhalte verliert der Normalverbraucher nämlich das, was ihm vor den Zeiten des Web nie zur Verfügung stand. Ein Archiv! weiter lesen »

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Geschrieben von Tim Cole am 17 Aug 2010

Warum sich neue Medien immer schwer tun

Aber wie soll man damit Geld verdienen?

Das Internet wird im Englischen häufig als eine „dispruptive technology“ beschrieben. Leider ist der Ausdruck schwer zu übersetzen, auch wenn Wikipedia etwas vorlaut Synonyme vorschlägt wie „etwas Bestehendes auflösend“ oder „ zerstörend“. Im Englischen ist der Begriff viel subtiler und suggeriert einen schleichenden Niedergang, eine unverhoffte Zeitenwende, deren Bedeutung sich den meisten erst sehr viel später erschließt. Es ist kein Säurebad, in dem eine Cleopatra ihre Perle vor den Augen eines staunenden Markus Antonius auflöst und trinkt, sondern schon eher ein saurer Regen, der eine mächtige Kathedrale über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte hinweg auffrisst und bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet.

Das Internet wird gerne als die endgültige „disruptive“ Technologie beschrieben, und die Auswirkungen werden gerne mit denen der Druckerpresse verglichen. Wenn der Sprecher allerdings gebeten würde zu sagen, was genau die disruptiven Folgen der Erfindung beweglicher Lettern sei, geriete er vermutlich (ich schließe mich da ausdrücklich mit ein) schnell ins Stottern: Na ja, die Kopisten in den Klöstern waren irgendwann arbeitslos, aber sonst? Irgendwie scheint der Übergang vom Handgeschriebenen zum Bedruckten doch rückblickend ziemlich glatt über die Bühne gegangen zu sein.

Deswegen bin ich Andrew Pettegree dankbar, dem britischen Historiker, der an der ehrwürdigen St. Andrews-Universität die Geschichte der Reformation lehrt und der jetzt ein wunderbares Buch geschrieben hat, „The Book in the Renaissance“, in dem er einen Überblick über die turbulenten Frühtage des Buchdrucks gibt.
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Geschrieben von Tim Cole am 12 Aug 2010

Mitmachen im Alt-Herren-Klub

Eine unaufhaltsame Entwicklung

Traue bekanntlich keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Oder zumindest selbst ausgelegt. Diese alte Weisheit fiel mir wieder ein bei der Lektüre der ARD/ZDF-Onlinestudie 2010, deren Ergebnis HR-Intendant Helmut Reitze, stellvertretender Vorsitzender der ARD/ZDF-Medienkommission, so zusammenfasste: „Sie zeigt, dass es keinen Verdrängungswettbewerb zwischen Fernsehen und Hörfunk einerseits und Internet andererseits gibt.“

Das ist erstens nur die halbe Wahrheit: Während die Fernsehnutzung, ausgedrückt in durchschnittlicher Nutzungsdauer pro Woche in Stunden, in den letzten 10 Jahren um 20 Prozent zugelegt hat, hat das gute alte Dampfradio 10 Prozent verloren. Wer hier wen substituiert hat, bleibt offen.

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Geschrieben von Tim Cole am 06 Aug 2010

Ein Recht auf Vergessen

Das war wohl keine gute Idee…

Das Internet vergisst bekanntlich nichts. Offenbar vergibt es auch nichts, wie das Beispiel von Stacy Snyder zeigt. Die 25jährige wollte Lehrerin werden und studierte deshalb an der Millersville University School of Education in Pennsylvania, allem Anschein nach mit großem Erfolg. Bis zu dem Tag, an dem sie sich auf einer Party fotografieren ließ mit einem Plastikbecher in der Hand und einem Piratenhut auf dem Kopf.

Das Foto stellte sie auf ihre Profilseite bei MySpace, und dort entdeckte es ein Professor, der das Bild überhaupt nicht lustig fand. Wenige Tage vor der Abschlussfeier wurde der jungen Dame das Lehrerdiplom verweigert. Ihr Verhalten sei „unprofessionell“ gewesen, weil sie damit Schüler indirekt zum Alkoholkonsum ermuntert habe. Stacy ging vor Gericht, weil sie im Vorgehen der Schule einen Verstoß gegen ihre im ersten Verfassungszusatz der Vereinigten Staaten garantierte Meinungsfreiheit eingeschränkt sah.  Ein Bundesrichter wies ihre Klage aber ab.

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Geschrieben von Sebastian v. Bomhard am 03 Aug 2010

Böses Netz

Am Wochenende hat Klaus Ott auf der ersten Seite der Süddeutschen Zeitung mit seinem Artikel über Telephonbetrug eine Lawine losgetreten:

Abkassieren per Telefon

Der Telefonbetrug wächst drastisch – und die Polizei ist völlig hilflos. Inzwischen kapitulieren bereits die Behörden, weil die Täter meist im Ausland sitzen. Zehn­tausende Geschä­digte haben Anzeige erstattet. Ihre Aus­sicht auf Erfolg? Bescheiden.

Viele Zeitungen griffen das Thema in der Saure-Gurken-Zeit dankbar auf. Auf Bayern2 konnten besorgte Bürger Radio­state­ments zum Thema ab­geben. Aller­dings per Telephon, was an­ge­sichts des Themas nicht ohne Brisanz war. Ich hätte Internet­tele­phonie via Skype empfohlen. Oder gleich die “Jetzt red i”-Variante, direkt über­tragen aus einem Wirtshaus.

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Autor Sebastian v. Bomhard Dieser Artikel wurde von Sebastian v. Bomhard geschrieben.
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Geschrieben von Tim Cole am 15 Jul 2010

Das Toyota-Komplott

Wer ist nun eigentlich der Dumme?

Jetzt ist amtlich, was Autoexperten schon seit Jahren gewusst haben: Nicht irgendwelche verrutschten Bodenmatten oder falsch konstruierte Gaspedale sind Schuld an der unheimlichen Pannenserie bei Toyota (“…nichts ist unmöglich!”) in den USA, sondern die Fahrer selbst! Sie sind schlicht und ergreifend aufs Gas gestiegen statt auf die Bremse. Das hat eine neue Untersuchung der US-Regierung ergeben.

Toyota nützt die späte Erkenntnis  jetzt leider nicht mehr viel, Der erlittene Imageschaden ist nämlich kaum wieder gut zu machen, was sich unter anderem daran zeigt, dass der Ausdruck „to do a Toyota“ inzwischen in die amerikanische Umgangssprache eingegangen ist um zu beschreiben, dass jemand Mist gebaut hat. Und das einem Autobauer, der jahrzehntelang sich mühevoll einen Ruf aufgebaut hat dafür, die sichersten und bestgebauten Autos der Welt zu produzieren.

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Geschrieben von Alexander Broy am 02 Jul 2010

Die Welt Kompakt ist erleichtert, wir auch?

Nachdem ich vermutlich einer der wenigen (Probe)Abonnenten der #Weltkompakt bin, die vorgestern an der #Scrolledition mitgearbeitet haben, konnte ich heute den resümierenden Beitrag von Frank Schmiechen über eben dieses Experiment lesen.
Er erklärt darin seinen Lesern, was WIR ALLE gelernt haben. (hier nur ein paar Schnipsel)

Gelernt haben wir, dass eine Zeitung eben mehr ist als eine Versammlung guter Texte

Eine Zeitung braucht einen eigenen Rhythmus. Das Wechselspiel aus harten Nachrichten, weichen Reportagen und sorgfältig ausgewählten Nachrichtenfotos

und noch vieles mehr, was sicher sehr gut für eine Einführungsrede vor neuen Rekruten der Springerakademie geeignet wäre.
Wissen das ER als Stellv. Chefredakteur ganz sicher auch schon VOR dem Experiment hatte.

Was ich mich jetzt frage: wenn er das alles wusste, warum hat er dann uns die Texte vorproduzieren lassen und hat sie einfach hintereinander geklatscht?
Als wir in Berlin ankamen, war die Ausgabe fast fertig. Die Fotos waren auch schon drin. Es gab keine Diskussion über den “Rhythmus”, Dramaturgie, über das Wechselspiel. Für harte Nachrichten war kein Platz (ausser wir hätten unsere vorproduzierten Beiträge rausgeworfen, und wer will das schon) und es war auch keine Zeit, unser Redaktionstag begann erst Mittags. Wieso macht er das, gegen besseres Wissen?

Ich wollte den kritischen Kommentaren in den Blogs keinen Glauben schenken, die behaupten, dass wir von Springer nur vorgeführt wurden, damit Schmiechen beweisen kann, dass nur richtige Journalisten eine Zeitung machen können, aber sein Schlusssatz gefällt mir nicht.

Heute erscheint die WELT KOMPAKT wieder in bewährter Form. Die meisten von Ihnen werden erleichtert sein. Wir sind es auch.

Dabei vergisst er, dass wir doch eigentlich gar nicht vor hatten tote Bäume zu bedrucken. ER hat UNS gebeten mitzumachen. Aber vielleicht bin ich auch bloß eine Blogger-Mimose oder eine WEB2.0-Zicke und überempfindlich …

Autor Alexander Broy Dieser Artikel wurde von Alexander Broy geschrieben.
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Geschrieben von Alexander Broy am 30 Jun 2010

Ich spiele Weltkompakt

Ein wenig fühle ich mich wie das Kamerakind bei der Kindersendung “Eins, zwei oder drei …” (war das mit  Michael Schanze?) Gekennzeichnet durch einem rosa Rahmen im Bild darf ich die große Kamera durchs Studio schwenken.

In diesem Fall ist es keine Kamera, sondern die Weltkompakt an der ich mich versuchen darf. Mein Beitrag über Literatur im Netz, der morgen übrigens nahezu ungekürzt erscheinen wird, war mehr oder weniger ein Heimspiel, aber was ich mir dann aufgehalst habe, war etwas völlig Neues für mich.

“Kamerakind” Alexander ist nämlich jetzt einen Tag der “Sportchef” der rechten Spalte mit den Meldungen, die keinen so richtig interessieren, die man aber der Vollständigkeit halber unbedingt erwähnen muss. Und jetzt beginnt das, was für Journalisten ganz normal ist und für mich richtig anstrengend. Agenturmeldungen lesen, sortieren, Themen vorschlagen, Texte verfassen, Texte kürzen, Nachrichten rausschmeissen, andere Prioritäten setzen … Wenn wichtigere Nachrichten hereinkommen, müssen Unwichtige weichen, wenn Neue kommen, müssen Alte weg …

Ein komisches Medium dieses Print … Anstatt das alles einfach auf der Timeline nach unten zu verschieben …

Autor Alexander Broy Dieser Artikel wurde von Alexander Broy geschrieben.
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