Author Archives: Sebastian v. Bomhard

Der Innenminister als Postbote

SchneckenpostVor ein paar Tagen war zu lesen, dass sich die Post aus DE-Mail zurückzieht. Unsicher sei es und nicht konform. Daran ist einiges erstaunlich. Zum einen verblüfft, daß die Post überhaupt dabei war. So wie es aussieht, war sie dazu gezwungen worden. Ein gewissen Großaktionär beider Unternehmen hat da wohl politischen Druck ausgeübt, dass “man” sich auf eine Lösung einigt. Zum andern verblüfft, dass die Unsicherheit auf einmal ein Thema ist. DE-Mail ist ein Krampf, der ohne politische Unterstützung längst von der Bildfläche verschwunden wäre. Die Kritik an diesem System ist lang und vernichtend:  Weiterlesen

Gesundmachen war gestern

AU-Bescheinigung

Grippewellen nerven – die Kollegen werden dahingerafft, die eigene Gesundheit wird auf die Probe gestellt. Wer sich mit Triefnase und röchelnd in die Arbeit schleppt, tut der Firma nur auf den ersten Blick etwas Gutes. Häufig ist der Respekt vor dem demonstrierten Leistungswillen geringer als die Angst vor Ansteckung. Jeder vernünftige Arbeitgeber wird daher erkennbar kranke Kollegen wieder nach Hause schicken. Auch dann, wenn die Personaldecke erschreckend dünn wird.

Blaumacher von Kranken zu unterscheiden ist ohnehin oft nicht schwer. Mancher wäre überrascht, wieviele Menschen nach längerer Krankheit mit Farbresten im Haar aus einer frisch renovierten Wohnung wieder zur Arbeit erscheinen oder braungebrannt und bestens gelaunt. Man sieht sehr wohl, dass es hier dem einen oder anderen durchaus möglich gewesen wäre, zumindest stundenweise zu arbeiten. Nicht jede Firma ist eine Schmiede oder ein Steinmetzbetrieb.

Dünnes Eis, klar. Weiterlesen

Melancholischer Abschied

2012-12-28 19.01.08Morgen ist Aschermittwoch. Für manch einen mag das Grund zur Melancholie sein, aber ich bin kein Rheinländer und wenn ich mir die Ballsaison in München ansehe, brauche ich keinen Aschermittwoch, um melancholisch zu werden. Nein, es geht um etwas ganz anderes: Diese Melancholie hat mir eine Firma eingebrockt, genauer die Firma Maurer Söhne, die im Münchener Norden am Frankfurter Ring zu finden ist. Viele Münchener kennen die Firma. Jeder Oktoberfestbesucher war schon in Kontakt mit Produkten dieser Firma. Die “Wilde Maus” zum Beispiel haben Maurer Söhne entworfen und gebaut.

Diesen Winter gab es eine neue Attraktion zu bestaunen: Der Welt größtes mobiles Riesenrad wurde hier gebaut. Wunderschön sah es aus, wie ein Raumschiff, das bei uns gelandet ist. Ohne Vergleich mit anderen Attraktionen sah man ihm nicht an, ob es nun das größte Riesenrad war oder einfach nur riesengroß. Dennoch, nahezu alle, die häufig im Münchener Norden unterwegs waren, wünschten sich insgeheim, dieses wahrzeichenhafte filigrane Kunstwerk möge uns erhalten bleiben. Dieser Wunsch wird nicht erfüllt, der Abbau ist seit ein paar Tagen nicht zu übersehen, es steht nur noch die Nabe und die Stützen des Rades. Weiterlesen

Unterbeschäftigung bei der EU?

Hört man von EU-Kommissaren, deren Namen man eher selten hört, wenn überhaupt, im Zusammehang mit wie auch immer gearteten “Maßnahmen”, ist milde Panik nicht ganz unbegründet. Aktuell hört man von einer gewissen Neelie Kroes, sie denke über eine Meldepflicht von Cyber-Attacken für Unternehmen nach. “Ich bin ein großer Befürworter von Selbstregulierung, aber in diesem Fall fürchte ich, dass wir damit nicht weiterkommen”, sagte sie der Süddeutschen Zeitung.

Die Panik verstärkt sich, wenn man liest, daß die Dame 71 Jahre alt ist und für Cloud Computing zuständig. Dabei wollen wir hier keineswegs irgendeinem Jugendwahn erliegen, bewahre, ich selbst darf ja auch schon länger ins Kino, ohne die Altersfreigabe zu beachten. Aber bei Menschen, die deutlich älter sind als ich, nagt doch das Vorurteil an mir, daß sie wenig Ahnung haben von Netzen, Computern und eben auch “Hackern”. Es entspricht zumindest meiner Lebenserfahrung und zahlreichen Gegenbeispiele mögen mir bitte nicht böse sein. Frau Kroes hat darüber hinaus etwas zweifelhafte Ziele: Zur vereinfachten Kollaboration durch die Cloud fällt ihr neben Jubel auch ein (Quelle: Derselbe Artikel in der Süddeutschen):

Aber es ist auch ein Weckruf”, betont sie. “Denn natürlich können sich Unternehmen ihre Entwickler so auch in China und Indien suchen. Dazu dürfen wir es nicht kommen lassen.

Diesen merkwürdigen Eurochauvinismus ignorieren wir sicherheitshalber. Ebenso die Tatsache, daß sich, wenn man in ihren Statements das Wort “Cloud” durch “Internet” ersetzt, der Sinn nicht ändert. Weiterlesen

Das ist keine Übung!

Heute war es also so weit: Zum ersten Mal in diesem Jahrtausend fiel in München großflächig der Strom aus, und zwar richtig. Eine kleine Panne in einem Umspannwerk, drei Transistoren mit je 100 kVA hat es zerlegt, wie man hört. So etwas ist durchaus spektakulär, das knallt richtig, es raucht und kleine Porzellanteile fliegen herum, aber andererseits sind diese drei Transistoren so groß auch wieder nicht: 300 kVA reichen bei weitem nicht, um auch nur eine einzige Firma wie SpaceNet zu versorgen.

Und doch: nach diesem Vorfall ging das Netz in die Knie und schon verbrachte geschätzt jeder zweite Münchener sein Frühstück bei Kerzenlicht. Für einen Internetprovider und Rechenzentrumsbetreiber ist das nicht lustig. Natürlich haben wir ein paar ordentliche Dieselaggregate. Natürlich haben wir einen ganzen Lagerraum voller Batterien, die reichen Stunden und werden doch nur benötigt, bis der Diesel angesprungen ist. Aber dennoch: geht der Strom aus, gibt es kein Internet mehr. Weiterlesen

Mythos #10: Wenigstens hilft das Leistungsschutzrecht den Verlagen

Dass das Leistungsschutzrecht in der vorliegenden Form weder gerechtfertigt noch unschädlich ist, wissen wir inzwischen. Nicht nur Bürgerrechtler, Piraten, Juristen und andere Internetaktivisten warnen vor den äußerst unschönen Nebenwirkungen eines solchen Gesetzes, das, sollte es denn kommen, das Internet verändern würde. Darüber kann auch die Beschränkung der Schutzgelderpressung auf “gewerbliche Nutzung” auch nicht hinwegtäuschen. So wie es im Entwurf steht, ist man bereits gewerblich, wenn man einen Sponsorenlink auf der Seite hat oder Flattr einbindet. Oder wenn man sich auf einem Feld äußert, auf dem man selbst tätig ist, sei es als Geschäftsmann, als Journalist, als Sachverständiger. Sicher ist also nur der, dem man ansieht, daß er unprofessionell seinen Senf zugibt und kaum Leser hat.

Wechseln wir vielleicht dennoch den Blickwinkel. Nehmen wir an, wir sind die Verleger. Das Leistungsschutzrecht kommt. Wir trinken Champagner. Den ganzen Abend über. Am nächsten Morgen – wir sind noch verkatert – kommt unser SEO Manager zu uns ins Büro. Das ist der Mann, der dafür zuständig ist, daß unsere Seiten im Internet gefunden werden. Nachdem sich Google mit uns noch nicht über einen Einkaufspreis geeinigt hat, mußten sie uns wohl aus dem Newsangebot nehmen. So war das nicht geplant. Zwanzig Minuten später kommt der Mitarbeiter, der die Werbung auf unseren Onlineseiten koordiniert. Er sieht beunruhigt aus – die neuen IVW-Zahlen sind katastrophal (IVW=”Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern”).

Nach einer Stunde steht der Finanzchef bei uns auf der Matte. Weiterlesen

Mythos #9: Das Leistungsschutzrecht verhilft den Verlagen zu ihrem gerechten Anteil am Kuchen

 

Es gibt einen Kuchen, jemand hat ihn gebacken, und nun will jemand anderes davon ein Stück haben, ein möglichst großes natürlich. Und ganz im Gegensatz zur Diskussion um geistiges Eigentum geht es hier um ganz konkrete Dinge. Kuchenstücke eben. Anteile an Geld.

Presse sieht heute so aus: Eine Zeitung bezahlt einen Reporter für die Beschaffung von Inhalten, oder, noch typischer, sie bezahlt einen Dienst mit der Lieferung von Texten, die mehr oder weniger bearbeitet ihren Weg in die Druck- und Online-Ausgaben finden.

Die Online-Ausgaben wiederum werden von Softwarerobotern durchforstet und ihrerseits von sogenannten Newsaggregatoren wie beispielsweise Google dem Publikum zur Verfügung gestellt. Alles sauber mit Quellenangabe – es soll nicht der Eindruck erweckt werden, Google würde die Texte erstellen.

Bis jetzt ist alles prima. Weiterlesen

Mythos #8: Alles, was von Komponisten geschaffen wird, muss geschützt werden

Der Begriff „Komponist“ ist sehr weit gespannt. Wovon leben klassische Komponisten? Urheberrecht hin oder her, die können von der Musik ohnehin nur leben, indem sie wohlbestallte Professoren an Musikhochschulen sind oder Virtuosen oder beides. Dann gibt es die modernen Komponisten, die man auch nicht direkt der Pop- oder Rockmusik zuordnen würde. Manche sind nur Spezialisten bekannt, dabei kennt jeder ihre Melodien. John Barry zum Beispiel, der am 30. Januar 2011 gestorben ist. Von ihm stammt das Thema zu „James Bond“, aber nicht nur das: Mehr als die Hälfte, nämlich zwölf der ersten 22 Bond-Filme nennen ihn bei den Komponisten der jeweiligen Titelmelodie. „A ViewTo A Kill“ zum Beispiel, gespielt von Duran Duran. „The Living Daylights“, aufgeführt von a-Ha. Ähnlich erfolgreich und vielleicht noch bekannter sind Filmkomponisten wie Ennio Morricone (“Once Upon a Time in the West” (Spiel mir das Lied vom Tod), “Once Upon A Time In America”), Vangelis Papathanassiou (Bladerunner, 1492 –  Conquest of Paradise), Henry Mancini (Breakfast at Tiffany’s, The Pink Panther), Harald Faltermayer (Beverley Hills Cop, Feuer und Eis), die Liste ist nicht vollständig. Alle hatten auch schon mal ein Stück, das es in die Charts geschafft hat, aber das beschreibt die Kraft ihrer Werke nur unvollständig – ein Großteil der Klassiker der letzten hundert Jahre stammt aus ihrer Feder, wobei das Werk meist bekannter ist als der Schöpfer.

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Meldung

Alles redet über das neue Meldegesetz, besser das “Gesetz zur Fortentwicklung des Meldewesens”, kurz: MeldFortG. Dann geht es ja nicht, daß hier zu dem Thema nicht zu lesen ist. Aber bevor wir zum Punkt kommen, müssen wir ein wenig ausholen. In der heutigen Süddeutschen war im gedruckten Teil die Rede von der Schwarmintelligenz. Fische befolgen einfache Regeln und alle profitieren davon, zumindest meistens.

  1. Kohäsion: Immer in die (subjektive) Mitte schwimmen
  2. Separation: Abstand zu den Nachbarn halten
  3. Alignment: Immer in die Richtung schwimmen, in die die anderen schwimmen

Klar, das klappt nicht immer, manchmal widersprechen sich die Regeln, aber irgendwie pendelt sich das immer ein. Jeder wird das bestätigen, der je einen Fischschwarm gesehen hat, diese ästhetischen Gebilde aus silbernen Leibern, die scheinbar zufällig durcheinanderschießen und dennoch ein kompaktes Bild der Schönheit abgeben. Im Verhalten des Schwarms eine eigenständige Intelligenz zu sehen ist nicht sofort abwegig. Nun hat aber ein sadistischer Forscher einer Elritze das Gehirn entfernt. Nicht ganz, aber doch so, daß diese Elritze ihr Schwarmverhalten verlor. Sie verließ einfach den Schwarm und schwamm ihrer Wege. Und was tat der Schwarm? Schwamm ihr nach, notfalls auch mitten rein ins Maul eines Raubfisches! Daraus lernen wir, daß die Schwarmintelligenz sehr verletzlich ist. Ein einziger Hirnamputierter reicht und wir kommen zur Schwarmverblödung.

Was hat das nun mit dem Thema zu tun? Weiterlesen

Mythos #6: Ohne Verwertungsrechte sähe die Musik heute ärmer aus

Wir haben erfahren, daß das Kopieren von Musik nicht gegen das Urheberrecht verstößt. Nur das Aufführen von Musik löst Tantiemen aus. Was nicht heißt, daß das, was Musikproduzenten zum Teil mit erheblichem Einsatz herstellen, einfach von jedem kopiert werden darf. Wer nicht polemisch oder verblendet ist, kann durchaus einsehen, daß Verwertungsrechte bei Großprojekten hilfreich sind. „Thriller“ von Michael Jackson war nicht nur bahnbrechend, sondern auch irrsinnig teuer und musste seine Kosten erst wieder einspielen. Was auch gelungen ist, aber gleichzeitig mussten auch Kosten für viele andere Stücke wieder hereingeholt werden, und da waren sicher auch einige dabei, die sich als Flops herausstellten. Ohne Verwertungsrechte und ohne das Leistungsschutzrecht der Produzenten und Interpreten wäre es vermutlich in weitaus selteneren Fällen zu teuren Studioproduktionen gekommen. Wir erinnern uns: Die meisten an einer Produktion beteiligten Menschen werden für ihre Leistung direkt bezahlt, haben dann allerdings keine Rechte an dem Werk. Der Produzent bringt diese Vorleistungen nicht, weil er so gerne Musik hört oder es so cool findet, ein paar Tage mit der Band im Studio abzuhängen. Er macht das vermutlich durchaus davon abhängig, ob er eine Chance sieht, sein Geld zu vermehren oder zumindest wieder hereinzubekommen.

Andererseits verhindern Verwertungsrechte auch viel Musik. Weiterlesen