Author Archives: Tim Cole

6:1 fürs iPad

Versuchen Sie das mal mit einem PC!

Versuchen Sie das mal mit einem PC!

Als Apple 2010 seinen legendären iPad auf den Markt brachte und damit eine Gattung von intelligenten Endgeräten erschuf, die wir inzwischen „Tablet PC“ nennen, habe ich hier auf Czsylansky einen als „Vergleichstest“ getarnten satirischen Beitrag verfasst, in dem ich die relativen Vorzüge eines iPad mit denen eines Serviertabletts verglich. Natürlich war am Ende das Tablett der Sieger, und zwar deutlich: „5:1 für das Tablett“ lautete die Überschrift.

Wie schnell aus Satire Ernst werden kann! Wir sind ja letztes Jahr nach Österreich in den schönen Lungau gezogen, wo wir im Alten Forsthaus von St. Michael eine Idylle entdeckt haben, um die man uns mit Recht beneidet. Nur ein Problem gibt es: die langen Wege. Um von der Küche auf die Gartenterasse zu gelangen, muss man durch den Windfang (der bei uns „Thomas-Mann-Zimmer“ heißt, weil es uns an das Davos aus „Felix Krull“ erinnert), dann eine Treppe hinunter in den Garten und schließlich ums Haus gehen. Heute morgen nach dem Frühstück räumte meine Frau das Geschirr auf den Serviertablett und ging ins Haus. Ich blieb noch auf eine Tasse Tee sitzen. Als ich reingehen wollte, musste ich erstens die Tasse, zweitens die Zuckerdose, drittens die Milchkanne und viertens den iPad abräumen. Da ich nur zwei Hände habe, bedeutet das zweimal Gehen. Bis mir die Erleuchtung kam und ich das Zeugs einfach auf den digitalen Flachmann stellte.

Ich muss also im Nachhinein das Ergebnis meines Vergleichstests korrigieren: Er hätte 6:1 für den iPad lauten müssen – denn der Apple-Flachmann kann ja alles, was ein richtiges Tablett kann, und noch ein bisschen mehr (im Internet surfen, Mails ziehen, etc.).

Ob Steve Jobs daran gedacht hat, als er den iPad ersann? Zuzutrauen wär’s ihm ja…

Die Hi-Speed-Lüge

Wo sind meine Bits geblieben?

Wo sind meine Bits geblieben?

Jetzt ist amtlich: Internet-Nutzer werden Tag für Tag von ihren Providern belogen und betrogen. Die Bundesnetzagentur hat in dem bislang größten Test von so genannten „Hi-Speed“ Internet-Anschlüssen festgestellt, dass nur jeder fünfte Kunde tatsächlich die versprochene Übertragungsleistung, für die er bezahlt, auch abrufen kann. Knapp 69,2 % der Nutzererreichten 50% der vermarkteten Datenübertragungsrate oder mehr.

Eigentlich sollte uns das nicht überraschen. Unsere Provider sagen uns beim Vertragsabschluß, jedenfalls wenn wir nachfragen, dass wir unsere Anschlüsse in der Regel mit anderen teilen müssen. Nein, sie sagen uns nicht, mit wie vielen wir teilen müssen. Aber man merkt es schon: Morgens, wenn alle mit der Kaffeetasse am Rechner sitzen und Mail ziehen oder sich einen Nachrichtenüberblick verschaffen wollen, ist „das Internet“ oft quälend langsam, abends zwischen 19 und 22 Uhr meist noch langsamer. Wenn wir wirklich schnell surfen wollen, dann müssen wir uns den Wecker stellen, am besten auf 3 Uhr morgens oder so. Das lutscht es meistens. Wir älteren Netznutzer sind da klar im Vorteil: Die senile Bettflucht treibt uns oft zu nachtschlafender Zeit an den Computer, wenn Ihr Jungen (ja, @michael, damit bist du gemeint!) noch mit dem Sandmännchen unterwegs seid.

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Schnelle Truppe

Ganz schön eng!

Ganz schön eng hier!

ITler leben in einer äußerst schnelllebigen Branche. Das hat schon Gordon Moore erkannt, der legendäre Mitbegründer von Intel, der 1965 das nach ihm benannte Gesetz formulierte, wonach sich die Komplexität von integrierten Schaltkreisen alle 18 Monate verdoppelt. Die Chips werden zwar schneller, aber offenbar nicht billiger, was irgendwie unlogisch ist.

Eigentlich müsste ich heute den Computer, den ich vor zehn Jahren gekauft habe und der mir wahrscheinlich auch heute noch gute Dienste leisten würde, heute geschenkt bekommen, aber so funktioniert das nicht. Stattdessen werden die Programme immer dicker und die Datenmengen, die mein Computer verarbeiten muss, immer größer, so dass ich ungefähr alle 18 Monate gezwungen bin, mir einen neuen Rechner zuzulegen, der natürlich auch immer gleich teuer ist. So bleiben wenigstens die Verdienstmargen der Hersteller gleich, egal was der alte Moore dazu sagt.

Einmal allerdings hat es so ausgesehen, als ob dieser Teufelskreis durchbrochen werden würde nämlich als 2008 mit dem Asus EeePC 700 der erste so genannt „Netbook“ auf den Markt kam. Weiterlesen

Wo bleibt meine goldene CeBIT-Nadel?

Damenwahl
Damenwahl

Es ist wie Weihnachten: Die CeBIT kommt immer so plötzlich, Ich habe nachgerechnet – es ist meine 29ste. Was witzig ist, denn die CeBIT findet ja erst seit 1986 statt, heuer also seit 27 Jahren. Aber ich war schon zwei Jahre früher dort.

Streng genommen gibt es die CeBIT  nämlich schon seit 1970, als die legendäre Riesen-Halle 1 eingeweiht wurde, die den namen “Centrum für Büro- und Informationstechnik” erhielt. Übrigens hätte sie fast “CeBOT” geheißen, denn als zweiter Kandidat ar der Name “Centrum für Büro- und Organisationstechnik” im Rennen, und wurde nur knapp geschlagen. Weiterlesen

Eine Zeitung stirbt – und lebt doch weiter

Wenigstens muss er das nicht mehr erleben

Wenigstens muss er das nicht mehr erleben

Das Zeitungssterben ist ja in vollem Gänge. “Frankfurter Rundschau” und “Financial Times Deutschland” sind prominente Beispiele hierzulande. In meiner Heimat Amerika sieht es noch schlimmer aus. Dort sind Tageszeitungen laut einer von der Website “Newspaper Death Watch” veröffentlichten Studie die am schnellsten schrumpfende Industrie der USA. Der Passauer Prof. Wolfgang Henseler hat schon ausgerechnet, wann die letzte Tageszeitung das Erscheinen einstellen wird, nämlich ungefähr im Jahre 2036. Bis dahin, so hat er durch Extrapolation der bekannten Auflagen- und Anzeigenentwicklung errechnet, wird es sich für keinen Verlag mehr lohnen, Nachrichten und Meinungen auf tote Bäume zu drucken.

Und nun das: Die “International Herald Tribune”, seit mehr als 30 Jahren meine tägliche Morgenlektüre, verschwindet auch! Das schreibt die Zeitung selbst in ihrer heutigen Ausgabe, die ich – pikanterweise – neuerdings nur noch elektronisch auf dem iPad lese, weil die es die aktuelle Printausgabe leider morgens nicht bis in den fernen Lungau schafft, wo ich seit ein paar Monaten wohne.

Die gute Nachricht lautet: Die IHT wird weiterleben, jedenfalls vorerst. Sie wird nur anders heißen. Weiterlesen

Einfach mal abschalten!

Der Personalrat des Arbeitsministeriums in Berlin ist laut “Süddeutsche” sauer, weil bei den Mitarbeitern das Dienst-Handy aufhabendes und am Wochenende klingelt. Dabei wird Hausherrin Ursula von der Leyen nicht müde wird, den Menschen im Lande kluge Ratschläge zu geben, nach dem Motto: einfach mal abschalten!

Das Handy, nämlich. dabei klappt das bei Firmen wie VW oder EON ja längst. Das heißt: Bei der Telekom hebt vorsichtshalber keiner mehr ab, auch tagsüber nicht. Jedenfalls nicht, wenn ich beim Kunden-Hotline anrufe. Aber diese Form der Sprachdienstverweigerung kennt man ja auch andernorts, bei der Telekom, Vodafon, eigentlich bei fast jedem großen Anbieter von Dingen, die oft kaputt gehen und wo man dringend mal mit jemandem reden müsste.

Um dem berüchtigten Beamten-Burnout vorzubeugen sollen jedenfalls nach Ansicht der Verdi-Betriebsgruppe im Arbeitsministerium schleunigst konkrete Vorschriften erlassen werden, die das Abschalten nach Feierabend zwingend vorschreiben.

Ich bin zwar kein Beamter, aber vom Burnout trotzdem akut bedroht.   Weiterlesen

Nur Beten hilft gegen BYOD

Blind auf einem Auge

Blind auf einem Auge

Die ganzen Sorgen und Nöte eine leidgeprüften IT-Chefs lassen sich heute kurz und präzise in genau vier Buchstaben ausdrücken: BYOD! Das ist die Abkürzung für den englischsprachigen Begriff „Bring Your Own Device“, was auf Deutsch heißt: „Bring dein eigenes Gerät“. Eigentlich fehlt aber bei dem Kürzel das Wichtigte, denn die Fortsetzung des Spruchs müßte lauten „…in die Firma“. Und genau da wird die Sache prekär. Denn wenn jeder sein eigenes Smartphone oder Tablett-PC zur Arbeit mitbringt, öffnet das Hackern, Industriespionen und sonstigen Bösewichten im wahrsten Sinne des Wortes Tür und Tor. Denn Privatgeräte sind, anders als die vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Modelle, in aller Regel schlecht oder gar nicht gegen Schadsoftware geschützt. Und der IT-Chef hat auch keine Möglichkeit, den Kollegen Vorschriften zu machen, etwa darüber, welche Virenschutzsysteme zu verwenden oder wann Patches aufzuspielen sind. Schließlich sind die Geräte ja Privateigentum!

Firmenbesucher vergrößern nur das BYOD-Problem. Aber da kann man ja wenigstens bei der Einlasskontrolle etwas tun. Fragt sich nur, ob man das Richtige tut. Denn eines ist auch klar: Wenn man das Problem mit Hilfe fehlbarer Menschen beizukommen versucht, geht die Sache häufig schief. Weiterlesen

Olympia ringt ums Ringen

Sind wir nun olympisch oder nicht?

Sind wir nun olympisch oder nicht?

Das Olympische Komitee hat das Ringen aus dem Programm der Olympiade 2020 geschmissen. Es seien ohnehin viel zu viele Sportsarten vertreten, und wer interessiert sich schon für dicke Männer, die sich gegenseitig umarmen und dabei so tun, als wollten sie etwas anderes als bloß nur schmusen?

So stirbt wieder einer der Gründungswettbewerbe von Olympia. Er folgt dem legendären παγκράτιον, dem Pankrátion, das ab 648 v. Chr. jeweils am vierten Wettkampftag stattfand. Es war eine Verbindung von Ringen (Pale) und Boxen (Pygme), wobei im Gegensatz zum Boxen mit bloßen Händen (also ohne Bandagen) gekämpft wurde. Der Sieg beim Pankration führte nur über K.O., Aufgabe oder den Tod des Gegners. Es waren sowohl Schläge und Tritte, Knie- und Ellenbogenstöße als auch Würfe, Hebel und Würgegriffe sowohl im Stand als auch im Bodenkampf erlaubt.

Das ist auch das Problem. Früher ist wenigstens einer dabei gestorben. Heute geht es im Ringen ja nur noch um irgendwelche Punkte oder allenfalls darum, dass der eine den anderen auf Kreutz legt. Für die Einschaltquoten bringt das nix.

Deshalb mein Vorschlag: Lasst die Ringer im Programm – aber gebt ihnen irgendwelche Schlag- oder Schusswaffen mit. So eine Uzi („Der Herr ist meine Stärke“) würde dem faden homoerotischen Gefummel doch gleich eine ganz andere Dringlichkeit verpassen! Das täte ein paar anderen olympischen Disziplinen auch ganz tut, zum Beispiel:

  • 100 Meter-Lauf: Den letzten beißen (im Wortsinn) die Hunde: Hinter dem Läuferfeld rennen abrichtete Pitbull-Terrier her und räumen auf.
  • Schwimmen: Haifische im Becken würden garantiert für ständig neue Weltrekorde sorgen!
  • Military-Reiten: Wir wär’s mit ein paar gut visierten MG-Nestern entlang der Strecke?
  • Tischtennis: Wer den Tisch nicht trifft, wird ans Kreuz genagelt.

Schade finde ich auch, dass es den altbewährten Wagenrennen, der einst das Herzstück von Olympia war, seit der Neuzeit leider nicht mehr gibt. Spätestens seit dem Film „Ben Hur“ mit Charleton Heston wissen wir doch, wie hoch das Zuschauerinteresse ist, wenn der Gegenfahrer erst mal seine spitzen  Messerenden am Achselende ausfährt und dir mal so ordentlich in die Speichen fährt.

Merke: Bei Olympia muss wieder Blut fließen – sonst haben die keine Chance gegen „Dschungelcamp“.

Eine ganz normale Keksschlacht

Etwas mehr Ruhe, bitte!

Das beste am Super Bowl, der Weltmeisterschaft im Football (an der allerdings nur amerikanische Mannschaften teilnehmen dürfen; so klein ist die Welt…) ist, wie jeder weiß, die Werbung. Mehr als drei Millionen Dollar lassen sich die großen Markenhersteller ein 30-Sekudnen-Spot kosten – mehr als dreimal so viel wie sonst zur „Primetime“. Aber wo sonst kann man so gut wie jeden lebenden US-Bürger mit einem einzigen Clip abholen? Letztes Jahr schoß Chevrolet mit seinem inzwischen bereits legendären “Wild Ride” den Vogel ab: Mit 119,628,000 war es die meistgesehene Fernsehwerbung aller Zeiten.

Wie die Kreativlinge 2013 abgeschlossen haben, ist noch nicht ganz raus. Dafür aber habe ich meinen eigenen ganz persönlichen Lieblingsspot bereits gewählt: Oreo. Sie spielt in einer öffentlichen Bücherei, wo Unterhaltungen bekanntlich nur im Flüsterton geführt werden dürfen, weil sonst die alte Bibliothekschefin kommt und einem mit dem Lineal auf die Finger haut (jedenfalls war es in meiner Jugendzeit in Amerika noch so).

Außerdem ist es zum Verständnis wichtig zu wissen, dass sich die Fans des im Übrigen meistverkauften Keks der Erde in zwei absolut unversöhnliche Lager spalten: Solche, die zuerst die Cremefüllung abschlecken und solche, die zuerst die knackigen Schokoplätzchen knabbern. Weiterlesen

Herr, gib mir einen Titel!

Wer in Österreich etwas auf sich hält, trägt Titel. Die Wiener Toilettenfrauen sind berühmt dafür, dass sie jeden, der vors Urinal tritt, wahlweise mit “Herr Professor” oder “Herr Hofrat” anreden, je nach Höhe des Trinkgelds. Und wer in meiner neuen Wahlheimat nicht einen “Doktor” vor dem Namen stehen hat,  schmückt sich wenigstens mit einem “Mag” – oder, der Steigerungsfall, einem “Mag, Mag”. Das ist der so genannte “Doppelmag”, auch manchmal  “Big Mag” genannt, was aber häufig peinliche Verwechslungen mit den Erzeugnissen einer bekannten schottischen Feinschmeckerkette auslöst. Weiterlesen