Author Archives: Michael Kausch

Deutsche Zeitschriftenverleger prophezeien ein rosiges Jahr 2014

“Nur um der Hoffnungslosen willen ist uns die Hoffnung gegeben”

(Walter Benjamin)

Es mag unseren Verlegern das Wasser bis zum Halse stehen, sie werden noch im letzten Atemzug vermelden: “Nichts ist wichtiger, denn Blei und Holz”!

Wie meldet Kress heute so schön:
“‘Die deutsche Zeitschriftenbranche ist vital. 2014 wird für sie ein Jahr konjunktureller Stabilität auf der Basis weiter zunehmender Relevanz, des Innovationsschubs durch Neugründungen, dem Ausbau der digitalen Präsenz und Rekord-Reichweiten.’ So fasste VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer am Montag auf der Jahrespressekonferenz die Perspektiven der Branche zusammen.”

Kein Wort vom Zeitschriftensterben, kein Mucks von der Hilflosigkeit, mit der noch immer die meisten Verlage vor dem Internet erstarren, wie das Kaninchen vor der Planierraupe.

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Czyslanskys Bettlektüre: Hermann Grab: Der Stadtpark

Hermann Grab Der Stadtpark

“Ich habe Hermann Grabs Erzählung mit einem Vergnügen gelesen, wie sie mir lange kein Manuskript bereitet hat.” Der Satz könnte von mir sein, ist er aber nicht. Thomas Mann hat sich so über Hermann Grabs kleinen Roman “Der Stadtpark” geäußert, ein Werk, das fast vergessen war und auf das ich erst durch einen Hinweis meines Sohnes aufmerksam wurde. es war ein wertvoller Hinweis, denn Hermann Grab ist für mich persönlich wohl die literarische (Wieder-)Entdeckung des Jahres. Warum eigentlich?

Herman Grab war ein begnadeter Impressionist der Schriftstellerei. Geboren am 6. Mai 1903 – ja, uns eint der Geburtstag – in Prag, der Stadt in der 20 Jahre zuvor Franz Kafka auf die Welt kam. Zumindest letzteres ist kein Zufall, denn der Geist der Stadt an der Moldau prägte beide. Beide auch waren sie jüdischer Abstammung, wenngleich Grabs Familie wie zahlreiche andere großbürgerliche Sippen auch zum Katholizismus konvergiert war. Grab wie Kafka wurden gleichermaßen von der Erfahrung des Niedergangs der bürgerlichen Gesellschaft im frühen 20. Jahrhundert wie vom Antisemitismus in der modrigen Spätphase der k.u.k.-Monarchie geformt.

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Allianz Versicherung zum 1. April: Aprilscherze verursachen mehr als 3 Milliarden Euro Schaden. Eine Meldung, die mein Lautsprecher nicht übersetzt hat. Aus Trotz.

Dass Aprilscherze ein wahres volkswirtschaftliches Fiasko darstellen, darauf verweist eine Studie der Allianz unter dem schönen Titel “No Laughing Matter: April Fools’ Day“. In den U.S.A. werden demnach 840 Notrufe jährlich durch Aprilscherze ausgelöst. Der volkswirtschaftliche Schaden läge bei mehr als 3 Milliarden Euro.

Mein Lautsprecher hat sich geweigert, diese amerikanische Meldung zu übersetzen. Ich hoffe, dass mein Beitrag zum Thema unsere Volkswirtschaft nicht völlig ruinieren wird:

25 Jahre WWW (II): Vom Hypertext zum Author Rank. Oder: Wie Microsoft vor 25 Jahren beinahe das World Wide Web erfunden hätte und warum Google es bis heute nicht versteht.

Bill Gates

Der Beinahe-Erfinder des Internet

Vor beinahe drei Jahren habe ich in einem kleinen Beitrag in der F.A.Z.  auf einen Artikel der beiden Microsoft Vor-Denker Bill Gates und Nathan Myhrvold über das Prinzip Hypertext hingewiesen. Deren Artikel wurde von mir vor genau 25 Jahren – also im März 1989 – für die Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft aus dem Amerikanischen übersetzt. So formulierten Gates und Myhrvold die Logik des Internet ausgerechnet im selben Monat, in dem Tim Berners-Lee im CERN sein Internet-Projekt vorstellte (siehe hierzu den Beitrag meines Czyslansky-Bruders Tim Cole hier im Blog).

Gates und Myhrvold schrieben vor 25 Jahren:
„Heutige Programme behandeln Dokumente als Dateien, die sich auf einer Computerdiskette befinden. Solche Dateien unterscheiden sich im Prinzip nicht wesentlich von einem Stück Papier oder gar von einer Papyrusrolle: Eine Textzeile folgt auf die andere. Dagegen stellt ein Programm für Koproduktionen mehrerer Autoren ein Dokument als komplizierte Datenstruktur dar, in der einzelne Textbrocken zu einem komplizierten Netz miteinander verflochten sind. Ein solches Dokument bezeichnet man als Hypertext.“

Gates und Myhrvold bezogen ihre Idee vom vernetzten Arbeiten lediglich auf die Struktur von Textdokumenten, die ihren sequentiellen Aufbau zu Gunsten einer dreidimensionalen Struktur überwinden.

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Manche virale Videos sind wirklich gut

Der “Markt” für viral erfolgreiche Videos hat sich in den letzten Monaten massiv verändert. es ist eben ein “Markt” geworden. Unternehmen – bzw. ihre Agenturen – nehmen viel Geld in die Hand, drehen Videos wirklich professionell und beauftragen sogar immer häufiger “Seed-Agenturen” mit der Platzierung ihrer Videos in den sozialen Medien und Communities. Diese Agenturen lancieren dann die Streifen bei vermeintlichen “Opinion Leadern” und hoffen auf viralen Erfolg. Aber kann man Viralität kaufen? Zum Teil wohl schon. Aber noch immer gelten die alten klassischen Regeln für viral erfolgreiche Videos: Diese müssen

  • emotional sein
  • überraschen
  • provozieren
  • über eine originellePointe verfügen

und dürfen ihren werblichen Auftrag höchstens sublim transportieren. Aber auch wenn Videos alle diese Anforderungen erfüllen, bleiben sie manchmal doch auf der Strecke. Dafür stürmen manche Filmchen erfolgreich die inoffiziellen Charts und man weiß wirklich nicht, warum.

Wie dem auch sei: mich haben in letzter Zeit einige Videos wirklich erfreut. Meine Cannelloni-Rolle:

Das geniale trojanische DHL Mailing:

Die verschmitzten Snowden Dokumente in der CWS Handtuchrolle

Und noch zwei:

Der schräge Rügenwalder Hiphop

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Nichts als Hilflosigkeit – Privatheit und Freiheit in der digitalen Gesellschaft

Es ist eine alte und gute Tradition bei Czyslansky immer wieder mal Gastautoren das Wort zu erteilen. Heute räsoniert Prof. Dr. Thomas Krämer-Badoni, Professor für Soziologie an der Universität Bremen und Autor zahlreicher Bücher über kultursoziologische Fragen, über die jüngte Diskussion um informationelle Selbstbestimmung und den fragilen Begriff der Privatheit nach der Debatte um die NSA-Affäre. Ein Beitrag, der Diskussionen erfordert, Diskussionen, auf die ich mich sehr freue.

Michael Kausch

Und nun zum Gastbeitrag von Prof. Dr. Thomas Krämer-Badoni: 

krämer-badoni

Seit wir gewahr wurden, dass die „National Security Agency“ (NSA) der U.S.A. sowie der britische Geheimdienst „Government Communications Headquarters“ (GCHQ) alle Daten sammeln, derer sie habhaft werden können, ist die Welt des Internet nicht mehr die, die sie noch vor kurzer Zeit zu sein schien. Aber es fällt schwer zu glauben, dass alle unsere „Experten“ blind gewesen sind, dass sie alle aus dem vermeintlich heilen Cyberspace krachend und schmerzhaft auf den Boden der politischen Realität stürzten. Das zu glauben fällt schwer.

Freilich stellten Computer und Internet von Anfang an eine so gewaltige Innovation dar, dass nach der anfänglichen Skepsis (Wie viele Arbeitsplätze kostet das? Wird das Arbeitsleben intensiviert?) beide mit großer Euphorie angenommen wurden. Die kontinuierliche Verbesserung der Nutzbarkeit mag zur Selbstverständlichkeit der optimistischen Technikakzeptanz beigetragen haben. Dabei reichten diese Optimierungen von der Entwicklung ergonomischer Nutzeroberflächen, über neue Funktionalitäten im Datenaustausch und die Entwicklung von Suchmaschinen bis hin zur Entstehung der sozialen Medien.

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Wassermusik? Mega-Lenco? Plattenwaschmaschine? Nein: Kunst!

Vinylsee

Ich bin ja bekennender Vinylyriker, also ein Fan von guten alten – und neuen – Schallplatten. Und ich erinnere mich mit Schrecken an die alte Diskussion, ob man Schallplatten besser nass oder trocken abspielen sollte. Ich habe an meine Platten niemals etwas anderes als Wasser, ein kinderpoposanftes Reinigungsmittelchen und einen ordentlichen Diamanten kommen lassen; niemals diese Lenco-Brühe, wo keiner so recht wusste, was da eigentlich drin war. Schallplatten nass abspielen: das geht aber auch gar nicht!

Gegen eine gute Schallplattenwaschmaschine ist nichts auszusetzen. Im Gegenteil: ich bin glühender Fan meiner Glaess Plattenwaschmaschine mit integrierter Ultraschallreinigung.

Auch Händels Wassermusik höre ich leidlich gerne. Aber das hier schlägt doch alles, was ich bisher in Sachen Wasser und Vinyl gesehen habe:

Ist diese Installation des kalifornischen Künstlers Evan Holm Kunst? Ja schon.

Er schreibt: “There will be a time when all tracings of human culture will dissolve back into the soil under the slow crush of the unfolding universe.  The pool, black and depthless, represents loss, represents mystery and represents the collective subconscious of the human race.  By placing these records underneath the dark and obscure surface of the pool, I am enacting a small moment of remorse towards this loss.   In the end however this is an optimistic sculpture, for just after that moment of submergence; tone, melody and ultimately song is pulled back out of the pool, past the veil of the subconscious, out from under the crush of time, and back into a living and breathing realm.  When I perform with this sculpture, I am honoring and celebrating all the musicians, all the artists that have helped to build our human culture.”

Nur meine Platten gebe ich dafür nicht her. Und meinen Dreher von Ulla Scheu auch nicht.

Tastatur mit 319 Tasten für Katzen und andere Mäusehasser

Megatastatur

Toll: Der Designer Sorin Neica hat eine Tastatur mit sage und tippe 319 Tasten zur “einfacheren” Bedienung von Adobe Photoshop entwickelt. “Einfach für Einsteiger, besser und kreativer für normale User, und wenigstens 30% schneller für Profis” verspricht der Entwickler. Mich wundert’s, dass Microsoft noch nicht auf die Idee gekommen ist, je eine solche Tastatur für Word, Excel, Powerpoint und Access zu vermarkten. Damit kann man sicherlich mehr Mäuse machen, als mit der Maus. Theoretisch …

 

Das Spannenste an dem Ding ist noch die Vermarktung: die Monstertastatur wird nur gebaut, wenn genug Kapital in der Crowd zusammenkommt. Wer einen großen leeren Schreibtisch hat kann sich an den Entwicklungskosten beteiligen: http://kck.st/1fYI55d. Aktuell fehlen noch 175.000 Dollar.

“Pull Over” – Sieben Erklärungen für den wahren Unterschied zwischen Mann und Frau – Anmerkungen zum Weltmännertag (4)

Czyslansky-Mann

Das terziäre Geschlechtsorgan des Menschen ist der Pullover. Nirgends sonst zeigen sich tradierte geschlechtsspezifische Verhaltensmuster und Rollensets klarer. Dieser kleine Video zeigt, was ich meine:

 

 

Herzlichen Dank meinen “Rollen-Models” Annika und Markus von vibrio.
Während fast 100 Prozent aller Frauen ihren Pullover von unten nach oben ausziehen, streifen vier von fünf Männern ihren Pullover mit gekralltem Kragen über den Kopf. Was will uns dieses offenbar tief verwurzelte Verhalten sagen?

Die zu überprüfenden Hypothesen sind an dieser Stelle leider nur allzu zahlreich:

1. Frauen stülpen gerne ihr Innerstes nach außen. Deshalb entledigen sie sich ihres Pullovers indem sie ihn auf links wenden. Sie entblößen sich körperlich UND seelisch.

2. Frauen sind “links” und zeigen dies zumindest beim Ausziehen ihres Pullovers,  indem sie ihn auf links wenden.

3. Frauen sind “linkisch” und zeigen dies zumindest beim Ausziehen ihres Pullovers,  indem sie ihn auf links wenden.

4. Männer sind borniert: “Was rechts war muss auch rechts bleiben!”. Das Wenden eines Kleidungsstücks auf links kommt gar nicht in Frage.

5. Männer gehen rücksichtsloser mit ihrer Kleidung um. Denn natürlich verzieht das grobe Stülpen der Männer jeden formschönen Pullover auf Dauer zu einem unwirtlichem Klumpen Stoff.

6. Männer denken synchron. Wenn beim Anziehen der Pullover mit dem unteren Rand zuerst den Hals passiert, dann soll beim Ausziehen der untere Rand dem Kragen folgen. Wer vorwärts einparkt, der muss eben mit dem Heck zuerst ausparken. Ist doch logisch.

7. Frauen können nicht parken und DESHALB auch keine Pullover korrekt ausziehen. Ist doch logisch.

Jedenfalls bekenne ich: ICH ziehe meine Pullover IMMER so aus, wie es einem Mann geziemt: mit grobem Schwung und dem unteren Rand zuerst!

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Alle Beiträge in der Übersicht:

(1) von Bomhard, Sebastian: Baumärkte, Big Data und Penis
(2) Broy, Alex: Jeder Tag ist ein Tag von irgendeinem Scheiss
(3) Cole, Tim: Wie schön es ist, eine Frau zu sein! Oder ein Hund…
(4) Kausch, Michael: “Pull Over” – Sieben Erklärungen für den wahren Unterschied zwischen Mann und Frau
(5) Prauser, Lutz: Be- und Enthaarung
(6) Witte, Christoph: Männer: Von Harrison Ford bis Lady Gaga

Meine Stimme aus dem Jenseits: die Schallplatte als Alternative zum Urnengrab. Ein Beitrag zu Allerheiligen.

Schallplatte

So kurz nach Allerheiligen muss sich auch dieser Czyslansky-Blog dem Thema stellen: Wohin soll der letzte Gang führen? Doch wohl nicht auf einen dieser jämmerlichen Friedhöfe, auf der alte Weiblein gieskannenschwingend  auf Teufel komm raus und mit stiller Verzweiflung im Gesicht noch das letzte unscheinbare Unkräutlein jäten. Und ich will auch nicht, dass meine Asche dereinst über den Ascheplatz grün-atheistischer Studienräte am Baumfriedhof verfliegt. Und schon gar nicht sollen sich radarlärmgeplagte Delphine  an meinen in einer Seebestattung versenkten Überresten verschlucken. Wohin also mit dem Staub von meinem Staube?

Für gläubige Vinylisten wie mich gibt es nun endlich eine Alternative: Presst meine Asche zur Schallplatte!

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